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Die Ausbildung ist hartes Brot

Lehre nach der Flucht Die Ausbildung ist hartes Brot

Schon als Kind träumte Hassan Mirzai davon, später schöne Dinge aus Holz zu bauen und Möbel zu tischlern. Jetzt ist der 18-Jährige aus Afghanistan ganz nah dran an diesem Traum. In Eckernförde ist er quasi schon in der Lehre. Aber der Ausbildungsweg ist für Flüchtlinge hart und steinig.

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Tischlerlehre als Flüchtling: Hassan Mirzai (Foto) ist im Berufsgrundbildungsjahr bei der Tischlerei Marquardt in Eckernförde. Meister Frank Marquardt ist begeistert von seinem Azubi und setzt sich sehr für ihn ein.

Quelle: Cornelia D. Mueller

Eckernförde. Hassan hat Biss. Sein Deutsch ist bereits exzellent. „Ich will den Neubeginn schaffen“, sagt er. „Ich will die Ausbildung machen, in meinem Traumberuf arbeiten.“ Seit August 2015 ist er in Deutschland. Als Hassan klein war, war die Familie aus Afghanistan in den Iran geflohen, wo er aufwuchs. „Wir hatten keine Papiere. Wir Kinder durften nicht zur Schule und keine Ausbildung machen. Meine Mutter hat alles versucht – erfolglos.“ Auf der zweiten Flucht nach Europa verlor er die Familie in der Türkei aus den Augen. Allein kam er im Westen an.

Tischlermeister Frank Marquardt lernte Hassan durch das Praktikum in seinem Betrieb im Gewerbegebiet Marienthal besser kennen. „Nach den paar Tagen wusste ich, dass ich ihn gern ausbilden würde. Einem jungen Menschen, der ambitioniert ist und sich so geschickt beim Umgang mit Holz anstellt, eine Perspektive zu geben, ist eine sinnvolle Aufgabe", sagt er. Hassan hatte erfolgreich für den Hauptschulabschluss gepaukt, übte die Sprache zusätzlich zum Deutschkurs mit deutschen Gleichaltrigen seiner Wohngruppe. Seit Herbst 2016 ist er Berufsgrundbildungsjahr. Das ist ein Teil der Tischlerlehre. "Die zwei Theorietage aber sind sehr schwer. Fachbegriffe sind auch übersetzt oft ein Rätsel“, erzählt er. Fünf Mal pro Woche arbeitet er den Stoff mit Ehrenamtlichen durch. Marquardt bewundert den Ehrgeiz. „Doch manchmal habe ich Sorge, dass Hassan sich zu viel zumutet.“ Auch von ihm verlangt die Ausbildung eines Flüchtlings mehr Engagement als üblich.

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Ein Artikel von
Cornelia Müller
Eckernförder Nachrichten

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