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Lena Behrend ist Flüchtlingspatin

Neudorf-Bornstein Lena Behrend ist Flüchtlingspatin

Lena Behrend ist 30 Jahre alt, verheiratet und wird bald zum zweiten Mal Mutter. Außerdem ist sie zweifache Flüchtlingspatin. Sie kümmert sich ehrenamtlich um zwei Flüchtlingsfamilien mit recht unterschiedlichen Asylaussichten. "Ich konnte gar nicht nicht helfen."

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Ist Flüchtlingspatin für zwei Familien: Lena Behrend (30) mit ihrer Tochter Ida und Rüde Fiete.

Quelle: Alev Dogan

Neudorf-Bornstein. Um eine sechsköpfige albanische Familie, die mit ziemlicher Sicherheit bald abgeschoben wird, und eine fünfköpfige Familie, die vor vier Wochen aus Syrien hierher geflüchtet ist, kümmert sie sich.

 Während Lena Behrend von ihrem Engagement um die Familien erzählt, lässt sie ihre Tochter Ida, die im Februar zwei Jahre alt wird und den Rüden Fiete wild durchs Haus scheucht, nicht aus den Augen. Die Düfte aus der Küche lassen erahnen, dass es bald Mittagessen gibt. „Ich arbeite bei der Wirtschaftsförderung Schleswig-Holstein“, erzählt sie, „aber im Moment bin ich in Elternzeit. Und wie es aussieht, auch für die nächsten drei Jahre.“ Sie schaut lächelnd auf ihren Bauch, der sich unter der Bluse wölbt. Im Januar erwartet sie ihr zweites Kind.

 Nachdem Lena Behrend sich beim Flüchtlingsbeirat des Amtes Dänischer Wohld über desssen Arbeit informiert hatte, meldete sie sich, um eine Flüchtlingsfamilie zu betreuen. Ihr wurde eine albanische Familie zugeteilt. Das ist nun ein Jahr her. Was sie veranlasst hat, Flüchtlingspatin zu werden, sei schwer in Worte zu fassen. „Als ich den Flüchtlingsbeirat besuchte, hatte ich das tiefe Gefühl in mir, dass ich was machen muss. Gerade ich als junge Mutter konnte gar nicht nicht helfen.“ Damals war ihre Tochter erst ein paar Monate alt. „Ich habe einen großen Rückhalt durch meine Familie. Das ist ein echter Vorteil.“ Ihre Eltern leben im Haus gegenüber, ihr Bruder lebt mit seiner Familie auch im Ort.

 „Der erste Monat war viel Arbeit: Behördengänge, Arztbesuche, Schuleinkäufe und viel übersetzen. Zum Glück gibt es in beiden Familien Personen, die Englisch sprechen können. Deswegen können wir uns recht gut verständigen.“ Nach und nach werde die Hilfeleistung immer weniger benötigt. Mittlerweile sei die albanische Familie autark – und werde wohl bald abgeschoben. „Als Betreuerin macht mich das sehr traurig. Als Deutsche finde ich es okay. Ich habe die Familie sehr ins Herz geschlossen, doch sie sind klassische Wirtschaftsflüchtlinge. Sie sind gekommen, weil sie in ihrer Heimat keine Aussicht auf Arbeit haben. Das ist tragisch und furchtbar. Die Tragik der Kriegsflüchtlinge aber ist eine größere.“ Die albanische Familie sei schlicht zur falschen Zeit gekommen.

 Einiges gehe der Helferin auch sehr nah. „Plötzlich bekommen die Berichte und Bilder aus den Medien echte Gesichter. Was die syrische Familie erzählt hat, war sehr bewegend.“ Mit ihr habe sie viel über die Flucht gesprochen. „So eine Flucht kann man sich gar nicht vorstellen. Die Großmutter, die mitgeflüchtet ist, hat Arthrose. Auf der Bootsfahrt über das Mittelmeer mussten sie ihr gesamtes Hab und Gut über Bord werfen. Der Vater hat einige gesundheitliche Probleme. Er hatte offene Füße und Rückenprobleme, weil er sein Kind während der gesamten Flucht auf den Schultern getragen hat.“ Außerdem leide er weiterhin unter den gesundheitlichen Folgen, die er durch die Gewalt serbischer Grenzpolizisten erlebt habe.

 Negative Reaktionen auf ihr Engagement gab es auch. „Ich habe Ida zu manchen Treffen ganz selbstverständlich mitgenommen, und das machte einige Bekannte geradezu fassungslos. Es sei doch unverantwortlich, was ich dem Kind zumute, sie könne sich ja mit Krankheiten infizieren.“ Wie hat sie darauf reagiert? „Ich habe ehrlich gesagt, dass ich diese Haltung sehr lächerlich finde.“

 Ida verstehe sich ausgezeichnet mit beiden Familien und werde ganz euphorisch, wenn sie sie sehe. Auch ihr Mann unterstütze sie: „Er ist stolz, glaube ich.“ Im Januar werde sie eine Pause einlegen, „aber dann geht’s weiter. Ich kann nur hoffen, dass mehr Menschen helfen – egal in welcher Form. Wir haben Unterstützung dringend nötig“.

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Ein Artikel von
Alev Doğan
Volontärin

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