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„Das muss man mögen“

Ein-Mann-Polizeistation „Das muss man mögen“

Er ist Dorfpolizist. Er kennt seine Pappenheimer. Dass er allein arbeitet, stört ihn nicht, aber: „Das muss man mögen.“ Kommissar Nico Stocks (52) schiebt im Schwedenecker Ortsteil Surendorf Dienst in der letzten Ein-Mann-Polizeistation des Reviers Eckernförde.

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Auch die Arbeit am Schreibtisch in der Schwedenecker Station gehört zum Alltag des Kommissars.

Quelle: Kerstin v. Schmidt-Phiseldeck

Schwedeneck. Ab und zu tönen Stimmen aus dem Funkgerät in der Ecke, das Radio dudelt nebenbei. Wenn Kommissar Nico Stocks (52) aus dem Fenster schaut, blickt er auf hügeliges Wiesenidyll. Ein Büro, das wohl mal Wohnzimmer war, kleine Küche, WC: Die Polizeistation ist in einer früheren Ferienwohnung auf einem ehemaligen Bauernhof an der Alten Dorfstraße zu Hause. Sie zählt zu den wenigen verbliebenen Ein-Mann-Stationen im Land, wird aber zur Badesaison durch zwei weitere Beamte verstärkt. Aktuelle Zahlen dazu konnte das Innenministerium am Freitag zwar nicht nennen, doch schon vor gut einem Jahr gab es in ganz Schleswig-Holstein nur noch 80 Stationen mit weniger als fünf Beamten. Seit Fleckeby und Waabs 2014 geschlossen wurden, ist Schwedeneck die letzte Ein-Mann-Station im Revier Eckernförde, das den Altkreis umfasst.

 Der verheiratete Gettorfer, seit 1980 bei der Polizei, arbeitete schon in Kronshagen und Gettorf sowie als Fachlehrer im Diensthundewesen in Eutin. 2006 bewarb er sich für Schwedeneck. „Man ist hier sein eigener Herr“, sagt Stocks. Von Montag bis Freitag im Büro, das wäre nicht sein Ding: Er schätzt es, die Arbeitszeit auf sieben Tage zu verteilen, Rücksicht auf Privates nehmen zu können. So war er bis letztes Jahr Fußballtrainer beim Osterbyer SV.

 Etwa 4500 Menschen leben im Bereich seiner Station, der von Aschau bis Stohl reicht. Von Unfällen über Diebstähle, Sachbeschädigungen bis zu Körperverletzungen und Todesfällen: „Hier passieren die gleichen Delikte wie in der Stadt, nur seltener“, sagt der 52-Jährige. Er ist hier noch der Dorfpolizist: „Es ist deutlich persönlicher, die Menschen haben ein Gesicht vor Augen.“ Und auch er kennt seine Leute, weiß, wann er für einen Einsatz lieber gleich die Kollegen in Altenholz und Gettorf um Verstärkung bittet: „Das läuft kollegial gut.“ Nachts und am Wochenende sind aus Sicherheitsgründen ohnehin immer zwei Beamte im Einsatz.

 Facettenreicher als in großen Revieren sei seine Arbeit, findet Nico Stocks. Dort werden Anzeigen nach der Aufnahme an den Ermittlungsdienst weitergegeben. Wie die Kollegen in Altenholz und Gettorf bearbeitet der 52-Jährige hingegen seine Vorgänge komplett. „Wenn ich bei einem Unfall bin, weiß ich, was da vor Ort gesagt wurde“ – das unterscheide sich oft von den Angaben, die später gemacht werden.

 In letzter Zeit hat sich ihm besonders der nach wie vor rätselhafte Fall eines lebensgefährlich Verletzten in Sprenge eingeprägt: Der junge Mann war im Juni nach einer Scheunenfete auf einem Weg gefunden worden. „Das war schon außergewöhnlich.“ Die aufwendigen Ermittlungen liefen Hand in Hand mit der Kripo in Eckernförde. Fast 300 Seiten umfasste die Akte am Ende der polizeilichen Ermittlungen, nun liegt sie bei der Staatsanwaltschaft. „Gott sei dank geht es dem Mann wieder besser.“

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Ein Artikel von
Kerstin von Schmidt-Phiseldeck
Redaktion Lokales Kiel/SH

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