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Süße Integration im „Kleinen Café“

Lindau Süße Integration im „Kleinen Café“

In der Flüchtlingsunterkunft im Lindauer Ortsteil Ruckforde öffnete am Montagnachmittag zum dritten Mal das „Kleine Café“. Bei Kaffee, selbst gebackenem Kuchen und Klönschnack wird dort mit Händen und Füßen, auf Deutsch und Englisch Willkommenskultur und Integration gelebt.

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Kaffeetrinken gehört zur hiesigen Kultur: Kinan Homsi aus Syrien wohnt in der Flüchtlingsunterkunft in Ruckforde und genießt den Klönschnack mit Sylvia Weynell (von links), Hannelore Retzlaff, Ilse Schütt, Heike Prien und Martina Kuballa.

Quelle: Jan Torben Budde

Lindau. „Hallo, mein Freund“, ruft Gunter Schwerdtfeger einem jungen Syrer zu und gibt ihm einen kumpelhaften Klaps auf die Schulter. Der 74-Jährige wohnt in der Nachbarschaft. Deshalb schaut der frühere Landwirt regelmäßig in der Flüchtlingsunterkunft vorbei. „Wir sind dankbar für die freundliche Aufnahme“, sagt Kinan Homsi auf Englisch. Nicht ohne Stolz erzählt Schwerdtfeger, wie er mit dem 28-Jährigen und weiteren Syrern kürzlich beim Boßel-Turnier einen Platz im Mittelfeld belegte. Kinan schmunzelt, die Sportart war ihm bis dahin unbekannt. In der Unterkunft spielen sie ansonsten Tischtennis oder Tischkicker. Zudem gibt es Deutschunterricht. Die Aufgabe übernimmt der pensionierte Lehrer Jörg Bruckmüller, der an diesem Nachmittag auch unter den Besuchern ist.

Das Stimmengewirr im Aufenthaltsraum ist groß. Auf den Tischen stehen Teller mit Marmor-, Pflaumen, Butter- und Apfelsinenkuchen. Letzteren hat Sylvia Weynell gebacken. „Ich bin dabei, um die Flüchtlinge kennen zu lernen“, erzählt das DRK-Mitglied, „sie gehören jetzt zur Gemeinde und wirken aufgeschlossen.“ Im „Kleinen Café“, das erstmals in der Weihnachtszeit öffnete, engagiert sich nach Einschätzung von Heike Prien etwa ein halbes Dutzend Dorfbewohner. „Beim letzten Treffen im Januar haben uns die Flüchtlinge mit drei selbst gebackenen Kuchen überrascht“, erzählt sie schmunzelnd, „die waren oberlecker.“ Zu den fleißigen „Bäckern“ zählte Kinan, der in der geselligen Kaffeerunde die Gelegenheit nutzt, mehr über die hiesige Kultur zu erfahren.

Martina Kuballa hat Kekse mitgebracht. Jede Woche besucht die 49-Jährige die Asylbewerber. Sie spiele mit ihnen Mensch ärgere Dich nicht, fahre Einkaufen oder zum Kaffeetrinken nach Kiel. „Ich gehe hier jedes Mal mit einem vollen Herzen wieder heraus“, sagt die Revensdorferin, die sich seit Dezember vor Ort engagiert. Dabei habe sich ein Vertrauensverhältnis aufgebaut, so dass die Syrer ihr auch von Familie, Krieg und der Flucht erzählten. Beim Gedanken an die brennende Unterkunft und Ausschreitungen gegen einen Flüchtlingsbus in Sachsen schüttelt sie den Kopf: „Ich verstehe die Menschen nicht.“

In Ruckforde wohnen etwa 20 Syrer. Laut Matthias Meins, Amtsdirektor Dänischer Wohld, bietet die Unterkunft Platz für 48 Menschen. Im Amtsbereich seien aktuell 258 Flüchtlinge untergebracht. Zwar beklagt ein Syrer an dem Nachmittag noch die abgeschiedene Lage Ruckfordes. Doch grundsätzlich habe sich die anfängliche Skepsis der Asylbewerber in diesem Punkt gelegt, so Christian-Albrecht Schnarke vom Flüchtlingsbeirat. Ihm machten die Radtouren nach Gettorf nichts aus, beteuert Kinan, „das ist gesund“.

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