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Futter für Lesehungrige

Stoltenbergs Hitliste Futter für Lesehungrige

Während in Frankfurt die Buchmesse lief, stellte in Eckernförde Annemarie Stoltenberg am Wochenende ihre Lieblingsbücher vor. Die Literaturexpertin von NDR Kultur versteht es, Lust auf Lesen zu machen. Sie füllt damit sogar die Stadthalle: Rund 300 Lesehungrige kamen.

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Literaturexpertin und Vielleserin: Annemarie Stoltenberg versteht es, ebenso humorvoll wie kenntnisreich Neuerscheinungen zu empfehlen. „Gute Bücher sind ein Lebensgeschenk“, sagt sie.

Quelle: Christoph Rohde

Eckernförde. „Es war ein Versuch“, gestand Gerd Kieckbusch von der veranstaltenden Buchhandlung Am Gänsemarkt. Und der ging auf. Zuletzt war der Eckernförder Ratssaal immer überfüllt, wenn Stoltenberg ihre Literaturempfehlungen gab. Nun empfahl sich die Stadthalle erstmals als Tempel der Bibliophilen. Was mit acht Zuhörern vor zwölf Jahren in der Stadtbücherei begann, hat inzwischen Kultcharakter erreicht. Stoltenberg fällt keine Urteile wie der verstorbene Literaturpapst Reich-Ranicki, sie weckt Leselust. Zu einem guten Buch, sagt die Kritikerin, muss man sich nicht zwingen. „Es ist ein Lebensgeschenk. Man freut sich darauf. Es bringt einem zum Weinen und zum Lachen, und es gibt dem Gehirn neues Futter.“

 Jede Menge Futter für Bücherfans hält auch „Annemaries Literaturliste“ parat. Knapp 20 Neuerscheinungen, die so unterschiedlich sind, wie die Leser. Mit einem Debüt-Roman, der auch Eckernförder Lokalkolorit enthält, eröffnet Stoltenberg den Reigen. Ingo Platz, in Eckernförde aufgewachsen und jetzt in Hamburg lebend, schreibt in Kropperbusch aus der Perspektive eines Studenten im 26. Semester, der zu viele Wahlmöglichkeiten in seinem Leben hat. Dann erreicht ihn eine Nachricht seiner Großmutter, die ihn seine erstarrte Position durchleuchten lässt. „Wie er erzählt, hat mir imponiert“, sagt Stoltenberg.

 Für Erinnernde: In Raumpatrouille hat der Sohn eines der berühmtesten deutschen Politiker Episoden seiner ungewöhnlichen Kindheit notiert. Matthias Brandt ist eigentlich Schauspieler. „Ich war gespannt, wie er sich als Literat macht“, so Stoltenberg. Er hat sie überzeugt. Willy Brandts Sohn schreibe „feinfühlig und freundlich“ über die Besuche beim „Nachbarn“ Heinrich Lübke, das Staunen über die „normale“ Wohnung eines Schulkameraden oder eine Fahrradtour von Brandt und Wehner, die mit der Bemerkung des Filius über seinen Vater endet: „Ich hätte ihn besser beschützen sollen“.

 Für Krimi-Fans: Der letzte Kriminalroman des verstorbenen schwedischen Autoren Henning Mankell hat es in sich. „Eine Art Lebensbilanz verknüpft mit einem Krimi“, beschreibt Stoltenberg den literarischen Nachlass Die schwedischen Gummistiefel. Ein Haus brennt, aber keiner wird tätig – außer dem Leser. „Höchstes Raffinement“ bescheinigt sie dem Altmeister.

 Für Weltversteher: Wer bestimmt den Lauf der Welt? Dem israelischen Autoren Nir Baram sei mit Weltschatten ein Werk gelungen, das hilft, so Stoltenberg, „ein bisschen besser zu verstehen, warum es in der Welt so zugeht, wie es zugeht“. Es dreht sich um Hunger nach Geld und Macht und um einen gigantischen, internationalen Streik gegen die Auswüchse von Globalisierung und Kapitalismus. „Großartig“, lautet ihr Fazit.

 Für Humorvolle: Morgen mehr, nennt Tilmann Rammstedt sein Buch, das aus der Perspektive eines Jungen vor seiner Zeugung geschrieben ist. Aus dem Himmel versucht er verzweifelt seine Eltern zusammenzubringen, die gerade ganz andere Sorgen haben. Stoltenberg dazu: „Ein witziger Roman, der Purzelbäume schlägt voller vergnüglicher Einfälle“.

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Ein Artikel von
Christoph Rohde
Eckernförder Nachrichten

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