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Ein Berg an Schulden

MS "Andreas Gayk": Ein Berg an Schulden

Die einen meinen, er sei „echt durcheinander“. Andere halten ihn für „größenwahnsinnig“. In einem Punkt sind sich aber alle einig: Der 36-jährige Geschäftsmann, der mehrere Monate lang Pächter der Gastronomie auf der MS „Andreas Gayk“ war, hat in Eckernförde verbrannte Erde hinterlassen.

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Mehrere Monate lang haben Merlin Bleibohm-Neubert, Anne Schueen, Verena Liedtke, Roberto Trillo und Brigitte Stalinski (von links) in der Gastronomie der „Andreas Gay“ gearbeitet.

Quelle: Uwe Rutzen

Eckernförde. Es gibt auch Personen, die vermuten, dass „er sein Leben einfach nicht in den Griff bekommt“. Zahlreiche Personen fühlen sich von ihm betrogen und hintergangen. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln.

 Seriös, glaubwürdig, sympathisch – Roberto Trillo erinnert sich noch gut an das erste Zusammentreffen im Mai dieses Jahres. Über eine Anzeige in der Jobbörse war er mit dem Mann in Kontakt gekommen. Der wollte in einem kleinen Geschäft am Eckernförder Hafen einen Weinhandel aufziehen. Man kam schnell überein: Trillo sollte den Laden leiten, aber auch Events planen und veranstalten. Seiner Frau Brigitte Stalinski wurde zugleich die Aufgabe übertragen, das Webdesign für eine aussagekräftige Homepage zu erstellen.

 „Das hörte sich alles sehr gut an“, erzählt Trillo. Und so brachte er aufgrund seiner Ortskenntnis wenige Tage später den gastronomischen Bereich auf der MS „Andreas Gayk“ für größere Events ins Gespräch. Sein neuer Chef war begeistert und kam mit dem Eigner des Schiffes überein, alle Decks dauerhaft zu pachten. Die Suche nach Personal für Küche und Service verlief erfolgreich. Vielleicht auch, weil zehn Euro netto pro Stunde versprochen wurden. „Etwa 15 bis 20 Leute waren wir wohl“, schätzt Anne Schueen, ein weiteres Opfer, das als 450-Euro-Kraft angeheuert hatte. Bei der Auszahlung des ersten Gehalts gab es bei ihr und nahezu all ihren Kollegen keine Probleme. Die traten jedoch wenige Wochen später auf. „Er fand immer neue Ausreden, warum es mit der Überweisung nicht geklappt hat und warum wir unser Gehalt nicht wie versprochen ausgezahlt bekamen“, berichtet Schueen. Als keine Waren für die Küche mehr eingekauft werden konnten und weil der Eigner des Schiffes die versprochene Pacht nicht erhielt, war Ende September Schluss mit lustig. Eine Reihe von Geschädigten erstattete Anzeige bei der Polizei. Nach ihren Angaben beläuft sich der finanzielle Schaden auf geschätzte 30000 Euro. Nach Angaben von Kripochef Rolf Petersen hat die Staatsanwaltschaft Lübeck inzwischen die Ermittlungen gegen den Mann aufgenommen.

 Nicht nur das Personal und der Eigner der „Andreas Gayk“ gingen leer aus. Ein Privatmann, der ihm eine rund 140 Quadratmeter große Wohnung mit Hafenblick zur Verfügung stellte, beklagt den Verlust von vier Monatsmieten. Er ist sich sicher, dass sich der gesuchte Mann derzeit in der Sonne Spaniens aufhält. „Im Dezember will er wiederkommen“, berichtet der Eckernförder, der noch Kontakt zu ihm hält.

 Die Geschädigten sind realistisch genug, nicht mit einer Begleichung der ausstehenden Gehälter zu rechnen, obgleich sie auf Gerichtsurteile verweisen können. Ihnen geht es inzwischen vor allem darum, andere Menschen vor den Geschäftsgebaren des Mannes zu schützen. Der bietet nämlich inzwischen im Internet Schaumwein-Events auf Sylt und in Kiel sowie Weinreisen nach Katalonien an.

 Der Versuch, dem Mann die Möglichkeit einer Stellungnahme zu geben, schlug fehl. Er war für unsere Zeitung trotz intensiver Bemühungen telefonisch nicht erreichbar.

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Ein Artikel von
Uwe Rutzen
Ressortleiter Eckernförder Nachrichten

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