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Pendler im Kampfanzug

Marine Pendler im Kampfanzug

Für Minentaucher und Kampfschwimmer ist das Training im Wasser wesentlicher Teil der Ausbildung. Für diesen Zweck hat die Bundeswehr seit 40 Jahren in Eckernförde eine Schwimmhalle im dortigen Marinestützpunkt. Der Haken: Diese ist seit 2011 nicht nutzbar. Die Soldaten werden zu Pendlern.

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Dem Training in der Halle folgt der Praxistest: Kampfschwimmer der Marine in der Ostsee bei Eckernförde.

Quelle: Frank Behling

Eckernförde. Die Sanierung der Schwimmhalle ist für den Marinestützpunkt zu einem Desaster geworden. Die Soldaten müssen deshalb seit Jahren lange Wege für die Ausbildung zurücklegen. Zum Teil bis nach Bremerhaven. Der Frust der Minentaucher sitzt inzwischen so tief, dass der Fall „Schwimmhalle“ im Januar auch der Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Informationsbesuch auf der Korvette „Braunschweig“ in Kiel vorgetragen wurde. Sie nahm diese Anregung mit nach Berlin. Auch der Wehrbeauftragte des Bundestages ist informiert. „Das Problem steht exemplarisch für eine ganze Reihe von Mängeln bei der Infrastruktur“, sagt der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels.

 Dabei liegt es diesmal nicht am Geld. Mehr als 100 Millionen Euro wurden für die Instandsetzung der Gebäude im Stützpunkt bereitgestellt. Fünf Millionen Euro davon sollten in das Schwimmbecken und die Schwimmbadtechnik fließen. Wie das zuständige Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen mitteilt, umfassten die ausgeschriebenen Arbeiten den Funktionsbereich mit Umkleideräumen, Duschen und Schwimmmeisterbereich. Zusätzlich waren weitere bauliche Maßnahmen des Brandschutzes vorgesehen.

Verfahren zog sich hin

 2011 begannen die Arbeiten. Es gab einen zügigen Fortgang. Im Herbst 2012 dann die Panne: Bei einer Probebefüllung des Schwimmbeckens wurden undichte Stellen festgestellt. Um die Behebung der Mängel durch die ursprünglich beauftragten Firmen durchsetzen zu können, wurde ein Beweissicherungsverfahren vor Gericht eingeleitet. Dieses Verfahren zog sich fast fünf Jahre hin. Jetzt wurde der Auftrag für die Sanierung neu ausgeschrieben. Deshalb rechnet das Bundesamt damit, die Halle Ende 2018 wieder den Kampfschwimmern und Minentauchern zu übergeben, wie ein Sprecher des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen auf Anfrage unserer Zeitung mitteilt.

 Bis das aber so weit ist, müssen die Soldaten zum Teil erhebliche Fahrten zur Ausbildung einplanen. Die Kasernen für Minentaucher und Kampfschwimmer sind in Eckernförde. Die nächsten Schwimmhallen der Bundeswehr sind aber in Mürwik an der Marineschule sowie in Neustadt beim Ausbildungszentrum für Schiffssicherheit. Teilweise erfolgt die Ausbildung für Taucher auch in Bremerhaven in einer Schwimmhalle der Bundeswehr.

 Die ganzen Probleme werden seit dem 1. Januar noch einmal zugespitzt. Die neue Soldaten-Arbeitszeitrichtlinie legt fest, dass im Ausbildungsbetrieb die Höchstarbeitszeit für Soldaten bei 41 Stunden pro Woche liegt. Auf das Pendeln zwischen Eckernförde und Neustadt entfallen in einer Woche bereits 15 Stunden für Minentaucher. Diese Zeit fehlt dann wiederum bei der Ausbildung.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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