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Wenn die Ostseewellen drohen

Küstenschutz Wenn die Ostseewellen drohen

Der Klimawandel geht mit einem Anstieg des Meeresspiegels einher. Damit wächst die Wahrscheinlichkeit von Sturmfluten in den Küstenregionen. Zwar sind die Orte an der Ostsee weniger gefährdet als an der Nordsee. Doch auch Eckernförde besitzt bei Oststurm am Ende der Bucht eine exponierte Lage.

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1,50 Meter hoch und drei Meter breit wäre in der Studie der TU Hamburg/Harburg diese Variante eines Schutzwalls, der den Eckernförder Hafen vor extremem Hochwasser sichern könnte.

Quelle: TU Hamburg/Harburg

Eckernförde. Die TU Hamburg/Harburg hat die Wahrscheinlichkeit eines Hochwassers mit den Kosten für eine mögliche Schutzanlage verglichen. Das Ergebnis stellte der Leiter der Abteilung für Umwelt und Landschaftsplanung, Michael Packschies, Donnerstagabend im Umweltausschuss vor.

Alle 200 Jahre ist ein Hochwasser an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste zu erwarten. Rein statistisch – denn es könnte nächsten Monat sein oder erst in 500 Jahren. Für Eckernförde wird bei den Berechnungen von einem Hochwasserstand von 2,45 Metern über Normal Null ausgegangen. In den vergangenen 100 Jahren ist der Meeresspiegel bereits um 15 Zentimeter gestiegen. Künftig gehen Klimaforscher von einer schnelleren Zunahme aus. Karten der TU-Studie zeigen darum verschiedene Szenarien. Bei 2,45 Metern stünden noch wenige Teile der Innenstadt unter Wasser. Rechnet man 60 Zentimeter hinzu, wären schon viele Flächen betroffen, bei weiteren 30 Zentimetern wäre die komplette Altstadt überspült.

Ein Hochwasser von 3,35 Meter – realistisch für Eckernförde? Packschies verwies auf die Sturmflut von 1872, die den Pegel in der Ostseestadt weit über die Drei-Meter-Marke trieb. Um sich gegen solche Extremereignisse zu schützen, müsste eine Schutzmauer um die Altstadt gelegt werden. Laut der TU-Studie wäre sie am Hafen etwa 1,50 Meter hoch. An der Strandpromenade geht man von einer ein Meter hohen Mauer aus. Doch damit ist es nicht getan: Gleichzeitig müssten Durchlässe gewährleistet sein, auch für den Autoverkehr, die sich bei Hochwasserwarnung schnell schließen ließen. Unklar wären zudem die Auswirkungen auf den Tourismus durch eine Veränderung des Stadtbildes.

2006 wurden die Kosten für eine Hochwasserschutzanlage für Eckernförde auf 8,8 Millionen Euro beziffert. Dieser Wert dürfte inzwischen weiter gestiegen sein. Vergleicht man die Kosten mit der Wahrscheinlichkeit des Eintretens eines extremen Hochwassers (statistisch alle 200 Jahre), so kommt die TU-Studie zu dem Fazit: Für die Stadt Eckernförde sei es günstiger, mögliche Zerstörungen durch ein Hochwasser in Kauf zu nehmen, als eine aufwendige Schutzanlage zu bauen. In der Konsequenz heißt das: Die Hauseigner sind zur Eigenvorsorge aufgerufen, beispielsweise durch wasserdicht verschließbare Eingänge oder höher gelegte Energiezentralen. Bei Neubauten in der Altstadt ist schon jetzt gefordert, dass Wohnräume 3,40 Meter über Normal Null liegen sollen.

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Ein Artikel von
Christoph Rohde
Eckernförder Nachrichten

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