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Ein Herz für glänzende Schnauzen

Tüttendorf Ein Herz für glänzende Schnauzen

Am ehemaligen Kuhhaus in Wulfshagenerhütten parkten am Sonnabend rund 4000 Pferdestärken. Knapp 30 norddeutsche Mercedes-Liebhaber sorgten mit ihren Edel-Karossen dafür, dass in Tüttendorf noch vor Einbruch der Nacht die Sterne leuchteten – oder besser: glänzten. Die Mercedes-SL-Freunde (SL Roadster Nord) gehören dort jedes Jahr zu den Stammgästen. Ihre Spritztour mit zehn Autos startete am Flugplatz Holtenau.

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Ein Traum in Graumetallic: Seinen 107er Mercedes, Baujahr 1984, wäscht Karl-Heinz Prosch aus Kiel per Hand, weil die Bürsten in den Waschanlagen nach seiner Ansicht zu hart sind.

Quelle: Jan Torben Budde

Tüttendorf. „Wegen der Ferien gab es diesmal jedoch Absagen“, verriet SL-Stammtischbruder Jörg Kläschen aus Friedrichsort. „Eigentlich ist im ehemaligen Kuhhaus ein Jaguar-Museum, doch wir lassen die Mercedes-Fahrer trotzdem rein“, hieß Joschi Sell die Ausflügler augenzwinkernd willkommen. Der 67-Jährige und seine Frau Gina haben dort vor sechs Jahren einen Oldtimer-Treffpunkt geschaffen, wo schon Freunde von Cadillac, Golf, MG oder Triumph ihre Kaffeepause einlegten.

 Unter den Benz-Fans war auch Karl-Heinz Prosch. „Der Mercedes bedeutet mir – neben meiner Frau – alles“, bekam der 75-Jährige gerade noch die Kurve. Sein Cabrio in Graumetallic mit Ledersitzen, Barockfelgen und Saisonkennzeichen (April bis Oktober) wäscht der Kieler – natürlich – per Hand, was etwa zwei Stunden dauert. „Die Bürsten in den Waschstraßen sind zu hart“, sagte der gelernte Autoschlosser, der den 107er Mercedes, Baujahr 1984, auch selbst repariert. Fahren war früher sein Beruf. Prosch chauffierte lange Jahre den früheren Ministerpräsidenten Uwe Barschel, der 1987 tot in einem Genfer Hotel aufgefunden wurde.

 Ist ein gut 30 Jahre alter Mercedes auch Geldanlage? „Für uns nicht, Hobby und Leidenschaft, was sonst?“, erwiderte seine Frau Christiane. Was ihnen an dem Cabrio besonders gefällt? „Schnauze, Länge, Barockfelgen“, gerieten beide ins Schwärmen. Apropos Schnauze: Auf dem Rücksitz lag eine Hundedecke für Pudel-Schnauzer-Mischling Terry, der bei Fahrten mit geöffnetem Dach eine kleine Brille trägt.

 „Ich will kein Auto, das in der Garage steht“, betonte Jörg Kläschen. Sein Mercedes (SL 55 AMG, Baujahr 2004) hat stolze 600 PS unter der Motorhaube, fährt bis zu 330 km/h. Eingefleischter Mercedes-Fahrer ist der 59-Jährige seit 1979. „Als junger Mann war ich BMW-Fan“, gestand er schmunzelnd. Doch wegen Problemen geriet er schließlich an den Daimler – und blieb der Automarke treu.

 „Von der Entwicklung bis zum fertigen Fahrzeug stimmt alles“, ließ Marcus Bogusat nichts auf die Qualität kommen. Der Zahntechniker aus Groß Grönau bei Lübeck ist – ebenso wie Kläschen – Mitglied in der bundesweiten Interessengruppe AMG Owners Club (AMG ist ein Tochterunternehmen von Daimler). Was ihm an Mercedes gefällt? „Es ist das Understatement“, sagt er, „man sieht dem Auto nicht das sportliche Engagement unter der Motorhaube an.“ Er habe seinen Mercedes E55 auf 260 km/h abgeriegelt.

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