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Entsetzen auf dem Reiterhof

Missbrauchsvorwürfe Entsetzen auf dem Reiterhof

Die Reiterszene in Schleswig-Holstein ist nach den schweren Vorwürfen gegen einen 45-Jährigen in Aufruhr. Ein Reitlehrer soll zwei 13 und 14 Jahre alte Mädchen sexuell schwer missbraucht haben. Der Beschuldigte sitzt seit Montag in Untersuchungshaft.

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Die Missbrauchsvorwürfe sind das Gesprächsthema Nummer eins bei Reitern auf dem Pferdehof in Lindau.

Quelle: Ulf Dahl

Gettorf. Auf dem betroffenen Reiterhof in Lindau bei Gettorf nehmen Pferdefreunde den Reitlehrer jedoch in Schutz. Die Staatsanwaltschaft Kiel geht in die Offensive. Auf dem Reiterhof ist in diesen Tagen deutlich mehr Betrieb als üblich. Es sind Herbstferien. Viele Mädchen wollen die schulfreie Zeit für ihr Hobby nutzen. Die Verhaftung des Reitlehrers André A. ist am Dienstag Gesprächsthema Nummer eins, viele reagieren mit Entsetzen auf die Verhaftung: Zwei Frauen, deren Pferde auf dem Reiterhof untergebracht sind, und mehrere Mädchen, die Reitunterricht in Lindau nehmen, wollen von den schweren Vorwürfen gegen den 45-Jährigen nichts wissen. Der Mann sei beliebt gewesen und habe gute Arbeit geleistet. Er sei „weder aggressiv noch ein Stalker-Typ“, heißt es. Entsprechend stünden sie zu dem 45-Jährigen, versichern die Frauen, beide Mütter. Ihre Kinder würden sie André A. „jederzeit“ wieder anvertrauen. Demonstrativ sprechen sie von einem „angeblichen“ Missbrauchsfall. Möglicherweise habe die 13-Jährige ihrem Lehrer Avancen gemacht, spekuliert sogar manche Reiterin.

 Aussagen, die Kiels Oberstaatsanwalt Axel Bieler unmissverständlich kommentiert: „Selbst wenn sich das Mädchen nackt vor den Mann gestellt hätte, es ist und bleibt ein Kind und damit eine Straftat.“ 20 Übergriffe sollen sich innerhalb eines Jahres ereignet haben. „Selbst wenn sich das Kind und der Beschuldigte ineinander verliebt hätten, würde es nichts am Straftatbestand ändern. Einer 13-Jährigen fehlt grundsätzlich die sittliche und geistige Reife, und ein Erwachsener hat seine Vertrauensrolle ausgenutzt“, erläutert Bieler. Der Jurist wehrt sich mit Nachdruck gegen die Unterstellung, seine Behörde vernichte Existenzen: „Grundsätzlich wird niemand gezwungen, Straftaten zu begehen. Unsere Aufgabe ist es aber, diese zu verfolgen – und zwar ungeachtet der Person.“ Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann schweren sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen vor, es sei zum Geschlechtsverkehr gekommen.

Kontaktverbot sollte ausreichen

 Anfang des Jahres waren den Strafbehörden die Vorwürfe gegen André A. bekannt geworden. Ein Rechtsanwalt hatte Strafanzeige gegen den Reitlehrer erstattet. Die Polizei ermittelte, die Staatsanwaltschaft ließ den Mann im Mai am Rande eines Reitturniers festnehmen und stellte schließlich einen ersten Antrag auf Haftbefehl, der vom Amtsgericht in Eckernförde aber unter Auflagen zunächst außer Kraft gesetzt worden war. „Das Gericht ging davon aus, dass ein Kontaktverbot mit Kindern und Jugendlichen sowie ein Wegzug von dem Reiterhof ausreichen würden“, sagt ein Sprecher.

 Offenkundig hielt sich der Beschuldigte aber nicht an die Vorgaben. Den Reiterhof übergab A. zwar an seine ehemalige Lebensgefährtin, allerdings soll der Mann laut Polizei und Staatsanwaltschaft wiederholt versucht haben, Kontakt zu der 13-Jährigen aufzunehmen. „Im Zuge der Ermittlungen und der umfangreichen Vernehmungen stellte sich überdies heraus, dass es ein mutmaßliches weiteres Opfer, ein damals 14 Jahre altes Mädchen gegeben hat“, erläutert Bieler. Die Jugendliche soll der Mann „intensiv geküsst“ haben.

 Da die Ermittler dringende Wiederholungs- und Verdunklungsgefahr sahen, erneuerten sie ihren Antrag auf Haftbefehl. Am Montag wurde André A., der selbst Vater ist, an seinem neuen Wohnort im Kreis Plön festgenommen. Er sitzt jetzt in der Justizvollzugsanstalt Neumünster.

 Auf dem Reiterhof in Lindau geht der Betrieb unterdessen weiter. Die neue Leiterin sorgt sich um das Image der Anlage. Öffentlich äußern will sie sich zu dem Vorfall nicht. Sie sagte lediglich, dass es „keinen Grund gibt, die Kinder und Jugendlichen vom Reitunterricht abzumelden“.

 Von Bastian Modrow und Burkhard Kitzelmann

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Ein Artikel von
KN-online (Kieler Nachrichten)

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Bei Gettorf
Foto: Ein Reitlehrer soll sich an zwei Mädchen sexuell vergangen haben.

Ein 13- und ein 14-jähriges Mädchen sollen von einem 45 Jahre alten Reitlehrer sexuell missbraucht worden sein. Jetzt sitzt er in U-Haft. Kennengelernt hatten sich die Mädchen und der 45-Jährige auf einem Reiterhof bei Gettorf im Kreis Rendsburg-Eckernförde.

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