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Eine Reise in das Jahr 1951

Modelleisenbahner im Museum Eine Reise in das Jahr 1951

„Was macht denn der Zug da auf Gleis 35?“, fragt sich Rainer Dettelbacher und kommt am Sonntag leicht in Schwitzen. Der 69-Jährige steht am Pult der Eisenbahnanlage im Museum Eckernförde und bedient das Stellwerk, und da heißt es: Aufpassen, dass die Züge nicht miteinander kollidieren.

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Ole (7) aus Bornstein betrachtet fasziniert den roten Schienentriebwagen der Kreisbahn, der auf einer Scheibe wieder in Fahrtrichtung gedreht wird.

Quelle: Kai Pörksen

Eckernförde. Doch hier stimmt etwas nicht, Dettelbacher geht auf Nummer Sicher, stellt alles auf Null und setzt den Zug, der da nicht hingehört, an seinen richtigen Platz. Nun kann es weitergehen.

 Das Gleis 35 befindet sich im sogenannten Schattenbahnhof. So bezeichnen Fachleute den Teil der Modelleisenbahnanlage, den der „normale“ Betrachter nicht sehen kann. Auf 19 Gleisen warten teils mehrere Züge auf ihren Einsatz – alte Dampflokomotiven ebenso wie die modernsten aus dem Jahre 1951. Das war jenes Jahr der Eckernförder Stadtgeschichte, das die Anlage des Vereins Treff Eckernförder Eisenbahnfreunde mit der treffenden Abkürzung „TEE“ dokumentiert. Wohl wissend, dass es einmal einen Trans-Europa-Express gab, der allerdings, das geben die Vereinsmitglieder gerne zu, erst 1957 zum Einsatz kam.

 21 Mitglieder hat der 2001 gegründete Verein, der sich seit zwei Jahren an die Erweiterung der Anlage gemacht hat: die Darstellung der Kleinbahnstrecke von Eckernförde nach Kappeln. „Zur Hälfte ist das fertig“, berichtet der Zweite Vorsitzende des kleinen Vereins, Volker Münchow. Sechs Module je 100 mal 160 Zentimeter seien dafür zu gestalten, Platz im Museum werde es für sie allerdings vorerst noch nicht geben. Im Sommer will der TEE den Zwischenstand der Arbeiten eventuell in den Räumen der Stadtwerke vorstellen.

 Mit einem Laserpointer beantwortet Münchow die Fragen der Besucher. Evelin Haas und Hans-Joachim Hanfler aus Rickert sind an diesem Sonntag nach Eckernförde gekommen, kennen zwar die Stadt, aber erkennen wenig wieder, was sie da vor sich sehen. „In 64 Jahren hat sich Eckernförde ganz schön verändert“, stellen sie fest. Einzig wenige Gebäude wie der Siemsen-Speicher oder die Mühle Rau sind noch erkennbar. Die meisten anderen Gebäude, allen voran der Eckernförder Bahnhof, sind in der hier gezeigten Form längst verschwunden.

 Dettelbacher macht eine kleine Pause und wird von Vereinsmitglied Klaus Hinrichsmeyer abgelört – die Arbeit im Stellwerk ist anstrengend. Doch Dettelbacher ist vom Fach, er ist der einzige ehemaliger „Bahner“ im Verein. „Angefangen habe ich als Rangierer in Kiel, noch mit einer 050er Lok“, berichtet er stolz. Dann sei die Arbeit als Fahrdienstleiter im Stellwerk Hamburg Altona gekommen, gefolgt von Würzburg (Güterverkehr) und Nürnberg. Zum Ende der Dienstzeit hin habe er als Zugbegleiter gearbeitet, so Dettelbacher, der seinen Kindern vom Weg zur Bahn abgeraten hat. „Alles automatisiert“, stellt er fest. Doch im Eckernförder Museum sei die Welt noch in Ordnung, hier mache es Spaß, mit den anderen Vereinsmitgliedern zu planen, bauen und umzusetzen.

 Am Steuerpult ist gerade Hans-Erich Hupe (69). Der ehemalige Postler bekam 1952 seine erste Märklin-Eisenbahn, also fast genau zur Zeit, die die Anlage im Museum darstellt. „Wir haben damals noch die Gebäude aus Zigarrenkisten gebaut, alles war ganz einfach“, blickt er zurück. Gerade lässt er einen Triebwagen auf eine kleine Drehscheibe fahre, die der siebenjährige Ole aus Bornstein beobachtet. Eine solche Eisenbahn hat Ole nicht. Aber eine aus Holz. „Da muss ich noch selbst schieben“, ist er sichtlich beeindruckt ob der selbstfahrenden Züge. Oma Heike Carstensen-Hansen hat das Leuchten in seinen Augen registriert und sich still einen Geburtstagswunsch gemerkt.

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