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Mozart Requiem gesungen und getanzt

Deutsch-dänisches Projekt Mozart Requiem gesungen und getanzt

Seit einem knappen Jahr verfolgt die kirchenmusikalische Initiative „No Borders Company“ das Ziel, das ihr Name nahelegt. Sie will Kunstprojekte ohne Grenzen realisieren, in denen sich Musik und Tanz, Profis und Laien, Tradition und Moderne begegnen – und dies alles auch noch beiderseits der deutsch-dänischen Grenze.

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Der Tänzer (Alexander Abdukarimov) im tänzerischen Dialog mit der „Diesseitigen“ (Anastasia Kurkova, links) und der „Jenseitigen“ Marina Kanno.

Quelle: Oliver Stenzel

Eckernförde. Wer so viel will, muss sich gut fokussieren können. Dass gerade die bislang aufwändigste Produktion der Company, eine choreographierte Umsetzung von Wolfgang Amadeus Mozarts Requiem, am Sonnabend in der dicht besetzten St.-Nicolai-Kirche insbesondere durch diese Qualität überzeugt, erscheint daher umso bemerkenswerter.

 Seit einem knappen Jahr verfolgt die kirchenmusikalische Initiative „No Borders Company“ das Ziel, das ihr Name nahelegt. Sie will Kunstprojekte ohne Grenzen realisieren, in denen sich Musik und Tanz, Profis und Laien, Tradition und Moderne begegnen – und dies alles auch noch beiderseits der deutsch-dänischen Grenze. Wer so viel will, muss sich gut fokussieren können. Dass gerade die bislang aufwändigste Produktion der Company, eine choreographierte Umsetzung von Wolfgang Amadeus Mozarts Requiem, am Sonnabend in der dicht besetzten St.-Nicolai-Kirche insbesondere durch diese Qualität überzeugt, erscheint daher umso bemerkenswerter.

 Der Abend beginnt mit fordernden Klängen. Sie kommen von der Orgelempore, auf der der dänische Organist Frode Stengaard das Stück Intersection seines Landsmanns Bent Lorentzen spielt, dessen dissonant-bedrohlich wirkende Tonsprache den ganzen Abend über für Kontraste zwischen den Sätzen des Requiems sorgt. Im Spannungsfeld von altem und neuem Ausdruck scheint sich auch die von Stela Korljan entwickelte Choreografie zu Mozarts Totenmesse zu bewegen. In deren Mittelpunkt steht ein schlicht als „ER“ benannter Tänzer (Alexander Abdukarimov), der sich zu Beginn des Abends aus einem Leichentuch zu befreien und sich dann im tänzerischen Dialog mit drei weiteren Figuren zwischen Leben und Tod zu bewegen scheint. Seine Doppelrolle als „Vater“ und „Bote“ füllt Mircea Suciu-Korljan mit klaren Bewegungen und dem Understatement des gereiften Tänzers aus. Als „Diesseitige“ und „Jenseitige“ demonstrieren Anastasia Kurkova und Marina Kanno, wie Abdukarimov Ensemblemitglieder des Berliner Staatsballetts, eindrucksvoll den gegenwärtigen Stand der Kunst.

 So kann man hier Tanz auf Hauptstadtniveau erleben, dessen Formsprache durch die gemischte Besetzung, aber auch aufgrund der stimmigen Inszenierung gut mit den übrigen Elementen des Abends harmoniert. Katja Kanowski geleitet den St.-Nicolai-Chor Eckernförde und die Ars Musica Flensburg inspiriert durch die verschiedenen Stationen des Requiems, liefert den Tänzern eine ausgeglichene musikalische Basis und nimmt auch nach den Orgel-Interludien den Faden der Mozartschen Musik stets angenehm natürlich wieder auf. Das i-Tüpfelchen bilden schließlich Marret Winger (Sopran), Manuela Mach (Alt), Nicholas H. Smith (Tenor) und Jonathan de la Paz Zaens (Bass) als versiertes und stimmig eingebundenes Solistenquartett. Ein berührender Abend, ganz aus einem Guss: Dass der Applaus dafür „grenzenlos“ ausfällt, versteht sich von selbst.

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