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Kompromiss umstritten

Müllvermeidung: Kompromiss umstritten

Herumfliegende Plastiktüten und sich stapelnde Plastikbecher – das soll es in Eckernförde bei öffentlichen Veranstaltungen auf städtischem Grund bald nicht mehr geben. Der Arbeitskreis Müllvermeidung feilt an einer Regelung, um Servier- und Verpackungsmaterial aus Plastik zu verbannen. Nachdem ein Pfandsystem auf Gegenwind seitens der Marktbeschicker stieß, liegt jetzt ein Kompromissvorschlag auf dem Tisch.

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„Viele Kunden bringen schon eigene Taschen oder Körbe mit“, sagt Blumenhändlerin Kathi Schröder-Winkler.

Quelle: Christoph Rohde

Eckernförde. Abbaubar oder abwaschbar, heißt die Devise aus dem Arbeitskreis. Nun gibt es aber Kritik an dem Kompromiss. Die Unterlage für die Bratwurst, der Kaffeebecher oder das Schälchen für den Fleischsalat sollen künftig zu hundert Prozent biologisch abbaubar sein oder als Mehrwegprodukte wiederverwendet werden können. Nach Angaben von Arbeitskreis-Mitglied Matthias Huber (Bürger-Forum) gibt es entsprechende Materialien für abbaubare Salatbecher oder Servierschälchen auf dem Markt. Tabu sollen auch Plastiktüten sein. Die Eckernförde Touristik & Marketing GmbH schaut sich derzeit nach Tragetaschen aus abbaubarem Material um, die mit einem Eckernförde-Logo bedruckt und gesammelt eingekauft werden könnten. Huber: „Das muss nicht teurer sein als ein Kunststoff-Büddel“.

 Im Umweltausschuss wurde der Entwurf noch nicht durchgewunken. Werner Huß vom Seniorenbeirat warf ein, dass ältere Kunden normalen von abbaubarem Kunststoff oft nicht unterscheiden könnten. „Einzelverpackungen aus Bioplastik auf dem Wochenmarkt halte ich für Blödsinn.“ Christian Klaus (Linke) stellte die Frage nach der Rechtssicherheit der Regelung, wenn beispielsweise Bäcker ihre Plastikbecher „to go“ weiterverkaufen könnten. Ordnungsamtsleiter Klaus Kaschke entgegnete, dass bei einer Vergabe öffentlicher Flächen an Standbetreiber die Gemeinde Regeln aufstellen dürfe. Die CDU wollte den Entwurf nicht im „Hauruck-Verfahren“ umgesetzt sehen, und warb für eine erneute Beratung in den Fraktionen.

 Einstimmig wurde eine Empfehlung für die Müllvermeidungs-Vorgaben, die ab Januar 2017 gelten sollen, auf die nächste Sitzung vertagt. „Für Feinheiten haben wir noch Zeit“, sagte der Ausschuss-Vorsitzende Edgar Meyn (Grüne). Fischmarkt-Veranstalter Wilfried Wagner hält das Gros des aktuellen Entwurfs für umsetzbar. Schon jetzt würden viele Standbetreiber Porzellanbecher anbieten, andere könnten abbaubare Pappbecher ausgeben. „Das ist machbar.“ Auch die Bio-Tüte stößt auf fruchtbaren Boden. „Das liegt im Trend, das leuchtet jedem ein“, so Wagner. Nicht konform geht er hingegen mit dem Passus, dass Produkte in Einweg-Verpackungen mit einem Pfand von zwei Euro belegt werden sollen. „Das ist unrealistisch“, kritisiert der Veranstalter. „Wie soll ein Standbetreiber erkennen, wer wo eine Capri-Sonne gekauft hat – und dann Pfand herausgeben.“

 Das sagen Wochenmarkthändler:

 Viele Marktbeschicker orientieren sich bereits Richtung umweltfreundlicher Verpackungsmaterialien. „Vor zwei Jahren hab’ ich auf Papiertüten umgestellt“, sagt Kartoffel-Händler Andreas Büll. Plastiktüten gebe er nur noch im Notfall heraus. Der Umweltgedanke hat allerdings auch eine Kehrseite: „Für die Papierherstellung wird beispielsweise viel Wasser verbraucht“, sagt Büll. Froh ist er deshalb über Stammkunden, die ihre Kartoffeltüte sogar mehrfach benutzen und zum Wiederbefüllen mitbringen.

 30 Cent kosten die Papiertüten bei Blumenhändlerin Kathi Schröder-Winkler. Doch die bleiben meist liegen. Dann gibt es die Plastiktüte. „Viele Kunden bringen aber eigene Markttaschen oder Körbe mit“, hat sie beobachtet. „Das finde ich gut.“ Auch Fleischereimeister Jens Petersen greift zu Papiertüten. Folien und Wachspapier für Fleisch und Aufschnitt sind abbaubar. Noch keine Alternative sieht er hingegen zu den Einwegschälchen für Salate und Suppen. In Bio-Kunststoff kosteten die das Drei- bis Vierfache und seien für Suppen nicht ausreichend hitzebeständig, sagt Petersen. Ein Pfandsystem sei nicht praktikabel. „Wir dürfen aus hygienischen Gründen nichts über den Tresen zurücknehmen.“ Im Gegensatz zu Großveranstaltungen hinterlasse der Wochenmarkt keinen Plastikmüll, gibt Petersen zu bedenken. „Wir sollten nicht darunter leiden müssen.“

 Vor einer Wettbewerbsverzerrung warnt Alexander Pack-Blumenau, einer der Eckernförder Marktsprecher. Markthändler dürften bei einer Müllvermeidungs-Regelung nicht finanziell benachteiligt werden, während Supermärkte und Fast-Food-Ketten Waren weiter in Kunststoffverpackungen verkauften. Das wenige Plastik, das auf dem Wochenmarkt genutzt werde, befinde sich im geschlossenen Kreislauf, so Pack-Blumenau. Nach seinen Informationen sind zudem die Rottezeiten von Bio-Alternativen zu lang für eine Kompostierung bei der Abfallwirtschaft Rendsburg-Eckernförde (AWR). „Da generieren wir ein neues Müllproblem.“ Doch noch wichtiger für ihn: Es dürften durch die Reglung keine Standortnachteile auf Kosten der Marktbeschicker entstehen. „Wir haben ohnehin schon Nachwuchsprobleme auf dem Wochenmarkt.“

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Ein Artikel von
Christoph Rohde
Eckernförder Nachrichten

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