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Paradies auch für Schmetterlinge

Kosel Paradies auch für Schmetterlinge

Ein Vorzeigegarten, in dem sich Schmetterlinge tummeln, Artenvielfalt auf Brachflächen und sogar im Acker: Die Wanderung des Nabu Eckernförde am Sonnabend auf und um Hof Schoolbek in Kosel zeigte, wie privates Engagement und Schutzprogramme erfolgreich Hand in Hand gehen können.

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Susanne von Redecker (rechts) erläutert im Wildblumengarten, den Marx Harder geschaffen hat, das Prinzip verzahnten Artenschutzes.

Quelle: Cornelia Müller

Kosel. Jeder bewundert ihre Flatterhaftigkeit und Farbenpracht: Bunte Schmetterling in Hülle und Fülle möchten die 25 Teilnehmer der Führung mit dem Schmetterlingsexperten Marx Harder und der Hofeigentümerin Susanne von Redecker zuerst sehen. Der Gang in den vor einem Jahr angelegten Schmetterlingsgarten hinterm Haus beginnt mit Staunen. „Ein Paradies“, raunen die Besucher beim Blick in die meterhohe Wildblütenfülle. Dass sich hier Insekten wohlfühlen, braucht keiner zu erklären. Harder hat „auf 900 Quadratmetern das Unterste nach oben gekehrt“. Den Boden hat er 1,5 Meter tief vom Bagger abtragen lassen. Drei Laster mageren Sand hat er danach im Schweiße seines Angesichts eingearbeitet, Feldsteine geschleppt, sanfte Hügel mit Terrassen geschaffen. „Dann kam das Spannende“, erläutert er, als er auf dem Pfad voraus schreitet. „Ich habe eine spezielle blühende Wildkräuter- und Gräsermischung mit 25 Arten gesät. Zuchtformen haben keinen Nutzen für Insekten. Ich bin perplex über das Ergebnis.“

 Allein die Falter verstecken sich. Der Wind frischt auf, die Sonne taucht hinter Wolken ab. Die bis zu 15 Tagfalterarten, die Harder bei wöchentlichen Zählungen für das Helmholtz-Umweltforschungszentrum Halle dokumentiert, sind nur bei für sie günstigem Wetter auf Nektarsuche. „Nur 20 Prozent der bei uns heimischen Tagfalter sind nicht ausgestorben oder bedroht“, erläutert Harders Partnerin von Redecker. Ein noch häufiger Kohlweißling setzt sich zum Beweis auf wilden Oregano. Hummeln naschen aus Disteln, exotisch gemusterte Raupen fressen an Königskerzenblättern. „Raupen des Königskerzenmönchs“, erfährt die Gruppe. „Der Nachtfalter ist Nahrung für Fledermäuse.“ Der Gartenbesuch könnte Stunden füllen.

 Doch es geht weiter. Der Fußmarsch am Kartoffelacker entlang führt zum Triticale-Feld. „Das ist eine Kreuzung aus Roggen und Weizen. Es dient als Futter für ökologisch gehaltene Hühner“, klärt Susanne von Redecker auf. Bis 2022 hat sie die Pachtflächen zur Verfügung. Ein Artenschutzprogramm mit Bundes- und Landesmitteln subventioniert hier eine besondere Form des Bio-Anbaus: Ein Jahr wird auf dem mageren Boden angebaut, ein Jahr ruht die Fläche. „Zum Beispiel der seltene Lämmersalat hat sich bahnbrechend entwickelt. Wir haben ihn sogar während der Anbauperiode im Feld. Das hätte keiner gedacht.“ Biologe Ulrich Piontkowski, der das Projekt seit 2008 kennt, bestätigt das. Und er weist auf „so viel seltenen Bauernsenf mittendrin wie nie zuvor“ hin. Noch mehr Zeichen auflebender Artenvielfalt wie vor den Zeiten intensiver Landwirtschaft sind unübersehbar: Etliche Feldlerchen brüten hier. Angrenzendes Brachland, das Teil der Monitoringflächen und nur im Winter beweidet ist, wird langsam zu bunten Wiesen magerer Standorte. Fazit der Betriebsleiterin: „Das Schutzprogramm hilft der Natur tatsächlich, Vielfalt wiederzubeleben. Das ist eine ethische Aufgabe, der wir uns stellen müssen.“

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Ein Artikel von
Cornelia Müller
Eckernförder Nachrichten

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