27 ° / 11 ° heiter

Navigation:
Schönste „Frau-Clara“-Erlebnisse

Nach dem Aus der Szenekneipe Schönste „Frau-Clara“-Erlebnisse

Heiligabend ohne Eckernfördes Szenekneipe war für viele über Jahrzehnte nicht denkbar. Damit ist es nun vorbei. 30 Jahre nach der Eröffnung wurde die „Frau Clara“ in der vergangenen Woche abgerissen, um Platz für ein Wohn- und Geschäftshaus zu schaffen. Stammgäste erinnern sich.

Voriger Artikel
Lust aufs Ehrenamt machen
Nächster Artikel
Ideen sinnvoll umsetzen

Heiligabend ohne „Frau Clara“? Für viele junge Menschen war das über Jahrzehnte undenkbar. Zumeist kehrten sie erst am frühen Weihnachtsmorgen zu ihren Familien zurück.

Quelle: Kai Pörksen

Eckernförde. Das Programm für den Abend war schon Wochen vorher festgelegt: Erstmal im Kreise der Familie die Geschenke auspacken, dann ab in die „Clara“. Heiligabend ohne Eckernfördes Szenekneipe war für viele Jugendliche über Jahrzehnte nicht denkbar. Damit ist es nun vorbei. 30 Jahre nach der Eröffnung durch die Wirtsleute Angelika „Geli“ Witt und Jürgen Cechowitz und unzähligen tollen Festen bei deren Nachfolgern wurde die „Frau Clara“ in der vergangenen Woche abgerissen, um Platz für ein Wohn- und Geschäftshaus zu schaffen.

 Im Artikel „Die Partynächte bleiben unvergessen“ erinnerte unsere Zeitung vor wenigen Tagen an durchfeierte Nächte. Zugleich riefen wir die KN-Leser dazu auf, uns ihre ganz persönlichen Erinnungen aus der „Frau Clara“ mitzuteilen. Die Resonanz war gewaltig. In allen E-Mails oder Posts bei Facebook wird der Abriss bedauert. So zum Beispiel von Thomas Kessmeyer: „Viele schöne Abende erlebt! Eckernförde ist damit ein Stück ärmer!“ Auch bei Bärbel Dunker wird Wehmut erkennbar: „War schon eine tolle Kneipe.“ Claas Oberjat, Joel Saetebeer und Timm Wohlers machen nach dem Abriss reinen Tisch und gestehen: „Da haben wir mehr Zeit verbracht als in der Schule.“

 Rainer Beuthel erinnert sich noch ganz genau an sein „schönstes Clara-Erlebnis“. Nach einer literarisch-musikalischen Soireé in der „Siegfried-Werft“ war er gemeinsam mit Holger Späth und seinem Freund Horst Winter in der „Clara“ versackt. Im Verlauf „tiefgründiger Gespräche“ rief Holger Späth plötzlich aus „Rainer Beuthel, du bist ein Kind!“ und goss ihm ein Bier über die Hose. Wochen später bekannte er, das mit dem „Kind“ sei als Lob gemeint gewesen. Als Entschuldigung illustrierte Holger Späth für wenig Geld Rainer Beuthels Buch Klappsverbrüllt.

 Sabrina Schweder arbeitete zwischen 2006 und 2012 in der Kneipe. Ihren Chef Jörg lernte sie bei einem schmerzhaften Gespräch im Lokal kennen, als ein schweres Bild aus Holz von der Wand fiel und ihr eine dicke Beule am Kopf bescherte. Am nächsten Tag habe Jörg mit einem total überdimensionierten Präsentkorb an der Wohnungstür gestanden, um nachzusehen, ob es ihr wirklich gut gehe.

 Das besagte Bild wurde ihr bei der letzten großen Party in der „Clara“ geschenkt. Sabrina Schweder besitzt es noch heute. Damit es nicht anderen auf den Kopf fällt, steht es in ihrer Berliner Wohnung auf dem Boden.

 Für Heinrich Rathje ist besonders das Kneipenquiz in Erinnerung geblieben. Das kannte er bereits aus dem Bridge Hotel in Durham. Als er Wochen später durch die Eckernförder Altstadt ging, sah er im Fenster der „Frau Clara“ die Ankündigung für solch eine Quiz-Veranstaltung. Das Schild, so schreibt er, mussten die „extra für mich dort hingehängt haben“. Bereits am zweiten Abend hatte er sein Team gefunden. Es folgten Jahre, an denen er sogar seinen Urlaub so plante, dass er kein Quiz versäumte.

 „Für mich ist eine Freundin gestorben“, blickt Hinnerk Köhn auf das Ableben der „Frau Clara“ zurück. Ein Großteil seiner Jugend habe sich in „diesen heiligen Hallen“ abgespielt. „Den Deckel erst eine Woche später bezahlen. Mädchen kennenlernen, Mädchen näher kennenlernen. Mädchen dann doch wieder gehen lassen. Geburtstage, Nachbesprechungen, Kneipenquiz, Besäufnisse ohne jeglichen Grund. Es war schön mit dir“, blickt er verlustreich zurück.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Uwe Rutzen
Ressortleiter Eckernförder Nachrichten

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Eckernförde 2/3