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Zweite Stadt steht auf „Fiete“

Delfin-Besuch in der Bucht Zweite Stadt steht auf „Fiete“

Das ist keine Stippvisite mehr. Der Delfin, den KN-Leser jetzt Fiete getauft haben, war auch am Dienstag Magnet für zahlreiche Schaulustige an der Außenmole des Hafens von Eckernförde. Einige Wagemutige schwammen sogar mit ihm. Fiete ist jetzt auch Eckernförder.

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Schöner Schnappschuss: Im Abendlicht springt der Delfin zwischen Strand und dem Eckernförder Außenhafen aus dem Wasser.

Quelle: Thorsten Peuster/Tauchen und Meer

Eckernförde. Für Karin Müller-Wiechards sollte der Dienstagabend ein unvergessliches Erlebnis werden. Trotz Feuerquallen und Badetemperaturen von kühlen 16 Grad wagt sie sich im Bikini, ausgerüstet mit Tauchermaske und Schnorchel, in die Ostsee. „Der Delfin war in der Nähe und ich hab’ einfach nur meine Arme ausgestreckt“, erzählt die 69-jährige Bordesholmerin.

 Dann geschieht das Erhoffte: „Er kam von ganz allein an und hat mir in die Augen geguckt.“ Ein Moment des Kontakts, der Müller-Wiechards berührt. Die intelligenten Meeressäuger hat sie bereits vor vielen Jahren bei einer Delfin-Therapie zwischen Teneriffa und Gomera erlebt. Doch einem der Tiere in der Ostsee zu begegnen, das hatte sie nicht erwartet.

 Schon seit Sonntag hält sich Fiete in der Eckernförder Bucht auf. Taucher haben Unterwasserbilder von dem Delfin geschossen, Segler halten Ausschau nach der Rückenflosse. Jeden Tag füllt sich die Mole am Außenhafen. „Ist er noch da?“, fragen aufgeregt Neuankömmlinge. Am Molengeländer lehnen Schaulustige mit gezückten Handys, um ein Delfin-Foto zu erhaschen. Doch das bleibt Glückssache. Sucht der Meeressäuger mitunter auch den Kontakt zu Menschen, so bleibt er doch ein Wildtier.

 „Delfine sind gesellig“, betont Christopher von Dollen, Leiter des Hegelehrreviers Grönwohld, der auch für Meeressäuger zwischen Kiel und Eckernförde zuständig ist. „Wenn sie nicht gerade mit Artgenossen interagieren können, nähern sich die intelligenten Tiere häufig den Menschen. Doch berechenbar und zahm sind sie nicht.“ Er hat Fiete in Kiel beobachtet. „Ich würde nicht zu einem Wildtier hinschwimmen. Es kann sich bedrängt fühlen.“ Er warnt davor, den drei Meter langen männlichen Delfin anzufassen. „Bei den verwandten kleinen Schweinswalen sind Krankheitserreger nachgewiesen, die übertragbar sind: Rotlauf, Streptokokken, Staphylokokken. Wird ein Tier tot gefunden, gilt das um so mehr.“ Ob die kleineren Meeressäuger aktuell unter einer Krankheitswelle leiden, werde in Büsum durch die Tierärztliche Hochschule Hannover anhand der vermehrten Totfunde junger Schweinswale untersucht. Von Dollen: „Hinzu kommt, dass wir weniger Sichtungen von Schweinswalen auf See als sonst haben.“ Könnte Fiete wegen der Fischbestände in die Eckernförder Bucht geschwommen sein? „Nein, sie sind gerade vergleichsweise gering.“

 Biologin Adrienne Günther vom Ostsee-Info-Center und Kollegen halten jetzt täglich Ausschau. „Wir blicken ständig aus den Fenstern und freuen uns, wenn wir ihn sehen.“ Sie hatte beim Schnorcheln in Frankreich ein Delfin-Erlebnis. „Es war ein männliches Tier, das sich von der Gruppe abgesetzt hatte und ständig Kontakt zu Schwimmern aufnahm. So etwas wirkt nach.“ Tauchlehrer Thorsten Peuster von Tauchen und Meer, dem Fiete Sonntag bei der Unterwasser-Fotografie vor die Linse schwamm, ist weltweit mit Delfinen getaucht. „Aber Fiete hat mich extrem überrascht“, gibt er zu. Er kam ständig ganz nah, bog feinfühlig die Schwanzflosse mit dem kräftigem Muskel weg, um uns nicht zu streifen. Dann näherte er sich wie in sexueller Absicht an, sodass ich ihn sanft zurück schob. Das war schon ein bisschen unheimlich. Meinem Kollegen Holger Schulz legte Fiete am Dienstag sogar sanft den Kopf auf die Stirn. Das werden wir nicht so schnell vergessen.“

Von Cornelia Müller und Christoph Rode

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Foto: Fiete ist nicht nur neugierig, sondern auch ganz schön umtriebig. Am vergangenen Wochenende erkundete er die Eckernförder Bucht. Tauchlehrer Thorsten Peuster (51) gelang vor dem Eckernförder Strand diese außergewöhnliche Aufnahme.

Es ist entschieden! 35 Prozent und damit der größte Anteil der KN-Leser möchte, dass der Delfin, der sich seit Wochen in und um Kiel tummelt, Fiete heißt. „Fiete passt einfach super“, schreiben Heike und Linnea Niepelt. Michael Romahn findet den Namen, der ihn an seinen Enkelsohn erinnert, „schön norddeutsch“.

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