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Der Schock sitzt tief

Nach dem Großfeuer auf Sprengerhof Der Schock sitzt tief

Am Freitag nach dem Großfeuer im Legehennenbetrieb Förde Ei KG auf Sprengerhof in Schwedeneck war Geschäftsführer Hartmut Stegemann aus Postkamp der Schock noch anzusehen. Donnerstagmittag war die gesamte Anlage ausgebrannt. 22000 Hühner, die gerade neu aufgestallt waren, starben.

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Hartmut Stegemann aus Postkamp, Geschäftsführer des Legehennenbetriebs mit Bodenhaltung auf Sprengerhof, ist am Tag nach dem vernichtenden Feuer immer noch aufgewühlt. In dem Gebäude, das drinnen und teils auch außen komplett zerstört ist, sind die Kripobeamten auf der Suche nach der Brandursache.

Quelle: Cornelia Müller

Schwedeneck. Beißender Brandgeruch liegt Freitagvormittag noch in der Luft über dem zerstörten Stallgebäude. Auf der Rückseite gibt ein riesiges Loch in der verbogenen Metallwand den Blick auf das zerstörte Innere frei. Ein Mitarbeiter der Umweltbehörde des Kreises entnimmt vorsorglich Wasserproben aus einem kleinen Teich, in den Teile des Löschwassers geflossen sein dürften.

 „Ich bin nur heilfroh und erleichtert, dass kein Mensch zu Schaden gekommen ist. Alle 13 Personen, die zu dem Zeitpunkt im Gebäude gearbeitet haben, konnten unversehrt ins Freie gelangen“, sagt Stegemann, als er kurz heraustritt. Drinnen nehmen die Brandermittler der Kripo den 90 mal 40 Meter großen Stallkomplex gerade unter die Lupe. Auch Stegemann wird gleich wieder gebraucht. „Ich selbst war am Donnerstag seit fünf Uhr auf dem Hof“, berichtet er. Der Stall war gerade frisch für neue Legehennen hergerichtet worden. Stegemann hatte den Neubesatz am frühen Morgen vorbereitet. „Ab 6.30 Uhr wurden Hennen in den Stall gebracht. Neun polnische Mitarbeiter trugen die Tiere hinein. Einer der vier Lastwagen stand noch voll beladen auf dem Hof. 22000 Tiere waren schon in ihrem frischen Zuhause angekommen.

 Zwei Personen waren im Stall gerade noch mit Reparaturarbeiten beschäftigt. Meine Mitarbeiterin Julia Markmann und ich waren ebenfalls drinnen, als jemand Feuer bemerkte.“ Geistesgegenwärtig verließen Stegemann und sein Team das Gebäude auf schnellstem Weg. „Beißender Rauch zog in Windeseile überall hin, wir hatten gar keine andere Wahl. Wir gingen jeweils zu zweit, damit einer auf den anderen aufpassen kann.“ Die sofort alarmierten Feuerwehren hatten das Großfeuer, dessen gigantischer Rauchpilz sogar in Kiel und Eckernförde zu sehen war, zwar schon vor 13 Uhr gelöscht. Die Tiere waren jedoch nicht mehr zu retten.

 Die Flammen hatten zu schnell um sich gegriffen. In dem Stallteil, der gerade neu besetzt wurde, finden nach Stegemanns Angaben bis zu 60000 Legehennen in Bodenhaltung Platz. Schon am Freitag wären die nächsten Tiere für den zweiten, genauso großen Teil des Stalls geliefert und aufgestallt worden.

 Die Brandermittlungen der Kripo laufen momentan noch. Den Schaden hatte die Polizei am Donnerstag auf zwei Millionen Euro beziffert. Stegemann äußert sich dazu nicht. „Alle Schäden dürften durch die Versicherung abgedeckt sein. Auch für unsere Mitarbeiter, die erst einmal ihre Arbeit auf dem Hof verloren haben, ist gesorgt“, betont er. „Das ist ein kleiner Trost für uns alle in dem Unglück.“

 Inzwischen ist Landwirt Tobias Brauns von Gut Birkenmoor eingetroffen. Die Familie Abel-Brauns ist ebenso wie Stegemann aus Postkamp in Altenholz und Familie Schwerdtfeger von Gut Sprengerhof Eigentümerin der Sprengerhof GbR. Die drei landwirtschaftlichen Betriebe haben hier im Schwedenecker Ortsteil Sprenge nicht nur den Legehennenbetrieb mit Bodenhaltung, sondern auch Silos für die Getreidelagerung, die weitere Landwirte nutzen, und einen großen gemeinsamen Maschinenpark. „Wir sind alle fassungslos“ unterstreicht Brauns. „Wir sind dabei doch so dankbar, dass kein Mensch verletzt worden ist.“ 2011 war auf Sprengerhof Gutsverwalter Jost Schwerdtfeger bei einem tragischen Unfall im Getreidesilo ums Leben gekommen. „Diese Wunde ist tief“, sagt der Landwirt von Birkenmoor. Den Schmerz spürt er jetzt besonders.

 Schleswig-Holstein ist in Puncto Viehhaltung vor allem ein Land der Rinder- und Schweinezüchter. Die Hühnerhaltung hat nach Angaben von Isa-Maria Kuhn, Sprecherin der Landwirtschaftskammer in Rendsburg, eher eine untergeordnete Rolle. Die jüngste Statistik von 2013 listet insgesamt 60 Betriebe im Land auf, die insgesamt 1,29 Millionen Hühner (überwiegend Legehennen) versorgen. 21 dieser Betriebe haben eine Haltungskapazität ab 10000 Tiere – Betriebe in einer Größenordnung wie der von dem Brand betroffene Stall auf Sprengerhof in Schwedeneck. In diesen 21 Betrieben werden zusammengerechnet 278426 Hühner versorgt.

 In Betrieben der mittleren Größe (5000 bis 10000 Hühner) werden im Land 115986 Tiere gehalten, so die Statistik. 28576 Hühner leben in Kleinbetrieben, wo sie oft nur eine Ergänzung des Viehbestandes sind, sagt Kuhn. Überwiegend leben die Hühner im Norden in Bodenhaltung (45 Betriebe), gefolgt von Freiland (26 Betriebe) sowie Öko-Haltung (acht Betriebe). Diese Statistik vermerkt im Jahr 2013 auch noch vier Betriebe mit Käfighaltung in Schleswig-Holstein.

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Cornelia Müller
Eckernförder Nachrichten

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