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Klappertopf und Pusteblume

Naturparadies Gossee-Wiesen Klappertopf und Pusteblume

Froschbiss, Krebsschere, Fleisch fressender Wasserschlauch: In den Wiesen am Goossee bei Eckernförde blüht Besuchern was. Hinter diesen gefährlich klingenden Namen stecken Pflanzenschätze in friedlicher Koexistenz.

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Jürgen Schmidt zeigt die Vermehrungstaktik des Wiesenbocksbarts an seiner großen Pusteblume: Die Pflanze blüht nur wenige Stunden am Morgen leuchtend gelb und bildet dann Samenstände mit Schirmchen aus, die der Wind fortträgt – oder die Puste.

Quelle: Cornelia Müller

Eckernförde. Bei der Führung am Sonntag, 7. August, erleben Wanderer das „Dauergrünland“ in voller Farbe. Nur eines summt lauter als die Bienen auf den puscheligen Blüten am Pfad: Jürgen Schmidt ist in der Niederung mit der Motorsense unterwegs. „Mal eben was freischneiden“, sagt er und wischt sich Schweiß von der Stirn. Ob sengende Hitze oder Dauerregen – kein Tag vergeht, ohne dass Schmidt und Karl-Heinz Siebrecht in dem 30 Hektar großen Natur- und Landschaftsschutzgebiet Goossee-Niederung stundenlang freiwillig ackern. Ackern heißt Abbau ökologischer Hindernisse. Weil das Erfolg hat, duftet hier zum Beispiel echtes Mädesüß, jene fiedrige cremefarbene Blüte, die die Bienen lieben. „Der Name hat nichts mit süßen Mädchen zu tun“, erklärt Schmidt. „Sein Aroma kam der Metbrauerei zugute.“

Schmidt und Siebrecht betreuen das Gebiet seit über drei Jahrzehnten für den Naturschutzbund Deutschland (Nabu). In dessen Obhut hat die Stadt Eckernförde das frühere Weideland gegeben. Die beiden Ruheständler sind heute wandelnde Lexika und Kenner der Geschichte des Goossees. „1981 nahm die Stadt die verpachtete Fläche erstmals unter Vertrag“, berichten sie. „Die Niederung liegt unter Meeresniveau und ist von Eiszeitgletschern geformt. Die Hügel zu den Seiten sind aufgeschobener Boden des Wittensees. Ein Wall – heute die B76 – mit Durchlass und Pumpwerk trennt Niederung und Ostsee. Bauern legten das Gebiet einst trocken. Nur der flache Goossee blieb zurück.“

Jürgen Schmidt (Foto) von Nabu betreut mit seinem Mitstreiter Harl-Hienz Siebrecht das gesamte Gebiet. Schmidt zeigt hier die Wasserpflanze Krebsschere, die jetzt in Blüte steht.

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Das sollte sich ändern mit Eckernfördes Aufstieg zur mehrfach preisgekrönten Naturschutz-Stadt. Behutsam verbreiterten ehrenamtliche Nabu-Aktivisten die Entwässerungsgräben und verschlossen sie mit einem Knick. Das Management der neuen Kleingewässer haben die Betreuer mit Hilfe einfacher Überlaufrohre im Griff. Eine Herde grauer gehörnter Heidschnucken hat genug Biss, die Niederungsflächen zur rechten Zeit kurz zu halten. So bleibe der Boden mager, sagt Schmidt: „Nur deshalb hat sich paradiesische Artenvielfalt angesiedelt.“ Dazu gehört auch der Wasserschlauch: An den Wurzeln der Schwimmpflanze mit kleinen gelben Blüten sitzen Bläschen. Stoßen Tierchen an, werden sie verschluckt. Am Ufer wiegen sich schmalblättriger und breitblättriger Rohrkolben malerisch neben magentafarbenem Sumpf-Ziest. Andere Wasserpflanzen wie Krebsschere und Froschbiss treiben weiße Blüten.

Von der Flora profitiert die Fauna. Unzählige Rote-Liste-Falter, Bienen, Hummeln, Singvögel, Moor- und Waldeidechsen, grünfüßige Teichhühner, Enten, Fasane und Frösche tummeln sich in den Wiesen. Im Insektenhotel ist Gedränge. Versteckt am Wasserlauf weilt der Eisvogel. Auf der Endmoränenhöhe schlängeln sich Blindschleichen und Ringelnattern. Über ihren Köpfen leuchten violette Glockenblumen, roter und blauer Storchschnabel mit Königskerzen um die Wette. Die setzen wie der in seltener Üppigkeit vorkommende große Klappertopf gelbe Akzente.

Klappertopf? Schmidt schüttelt einen Zweig mit Samenkapseln. Die Samenkörnchen klappern darin. Dann pflückt er fröhlich eine Riesenpusteblume, deren Samen sich an Schirmchen schwebend auf die Reise machen. Der Wiesenbocksbart, dem sie gehören, hat nur wenige Stunden an diesem Morgen geblüht. Schmidt ist auch das nicht entgangen.

 Auf Wanderung durch die Niederung

Der Nabu Eckernförde lädt für Sonntag, 7. August, zu einer etwa zweistündigen Exkursion durch die Goossee-Niederung ein. Ohne Führer darf das Gebiet nicht betreten werden. Treffpunkt ist um 14 Uhr der Parkplatz Grüner Weg an der B76 nahe Lornsenplatz und Innenstadt. Ortskundige können auch den kleinen Parkplatz an der Wilhelm-Lehmann-Straße nutzen. Auf Wiesen und in Feuchtbiotopen blühen zahlreiche Pflanzen, die auf der Roten Liste stehen und nur noch selten in freier Natur zu beobachten sind. Mit Glück zeigen sich auch heimische Schlangen. Festes Schuhwerk ist empfohlen. Die Teilnahme ist kostenlos. Spenden sind willkommen.

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Ein Artikel von
Cornelia Müller
Eckernförder Nachrichten

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