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DRK beklagt Mitgliederschwund

Neuwittenbek DRK beklagt Mitgliederschwund

Überall sind Lobgesänge auf das Ehrenamt zu hören. Geht es jedoch um die Besetzung von Vorstandsposten, beginnen die Schwierigkeiten. Keine Freiwilligen. Ein Beispiel ist das DRK in Neuwittenbek: Angesichts von Mitgliederschwund sorgt sich Vorsitzende Evelyn Kaliebe um die Zukunft.

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Blättern im Gästebuch und hoffen auf mehr engagierte Unterstützer für den DRK-Ortsverein Neuwittenbek: Käte Schröder (von links), Evelyn Kaliebe und Petra Großmann.

Quelle: Jan Torben Budde

Neuwittenbek. „Man fühlte sich geschmeichelt“, denkt Käte Schröder an frühere Zeiten zurück. Damals war es der 86-Jährigen zufolge kein Problem, genug Frauen zu finden, die Kuchen backten, bei der Blutspende halfen oder das Amt der Kassenwartin übernahmen. Seit 1972 ist die ehemalige stellvertretende Vorsitzende dem DRK treu, engagiert sich noch immer im Handarbeits- und Klönkreis sowie in der Gymnastikgruppe. Von diesen Zeiten träumt die Vorsitzende Evelyn Kaliebe. Um heutzutage einen Vorstandsposten neu zu besetzen, benötige sie im Vorwege der Jahresversammlung eine große Überredungskunst. „Schon allein die Suche nach einer Kassenprüferin, die bloß einmal im Jahr tätig wird, gestaltet sich schwierig“, sagt die 50-Jährige, die den Ortsverein seit 13 Jahren führt. Ihr fiel ein Stein vom Herzen, als in diesem Frühjahr das Amt der Schriftwartin, die eigentlich für vier Jahre gewählt wird, nach mehrmonatiger Vakanz wieder besetzt werden konnte. Immerhin erklärte sich Susanne Gruber dazu bereit, den Job zunächst für ein Jahr zu übernehmen.

 Ungelöst ist dagegen weiter das Bezirksdamen-Problem. Schon seit Jahren fehlen dem DRK Neuwittenbek zwei dieser guten Seelen, die in ihrem Umkreis bei hohen Geburtstagen Krankheit oder goldenen Hochzeiten Gratulationsbesuche abstatten, sofern die Jubilare das möchten. Weil im Bölskamp und im Gettorfer Weg zurzeit niemand zur Verfügung steht, muss eine der anderen neun Bezirksdamen einspringen.

 „Wir brauchen mehr Leute, die mithelfen oder uns zumindest als fördernde Mitglieder unterstützen wollen“, sagt Vorstandsmitglied Petra Großmann. Ihr sei bewusst, dass heutzutage mehr Frauen als noch in den 70er- oder 80er-Jahren Familie und Beruf unter einen Hut bekommen müssten oder wollten. Dieses Argument lässt die 58-jährige Beisitzerin aber nicht ganz gelten: „Wenn man gern helfen möchte, kann man das auch.“ Als gutes Beispiel hebt Evelyn Kaliebe ein neues Mitglied hervor, das nur am Wochenende in Neuwittenbek wohnt, weil das Paar wochentags in Hamburg arbeite. „Trotzdem möchte sie Kuchen backen, wenn es die Zeit zulässt.“ Oft diene eine DRK-Mitgliedschaft dazu, soziale Kontakte im Dorf aufzubauen oder zu pflegen. „Hier entstehen Freundschaften, man ist soft per Du“, sagt Petra Großmann.Gerade die Bezirksdamen wecken noch Erinnerungen an die Nachbarschaftshilfe alten Schlages. „Wurde früher ein Kind geboren, haben die Nachbarn Hühnersuppe vorbeigebracht“, erzählt Käte Schröder. Aufmerksamkeiten gehörten zum Kitt, der die Dorfgemeinschaft zusammenhält. Jetzt sehen Evelyn Kaliebe und Petra Großmann das DRK in dieser Rolle – zumindest für die ältere Generation. Dazu tragen nicht zuletzt gesellige Nachmittage, Spielenachmittage oder Weihnachtsfeiern bei. Gleichwohl habe das Rote Kreuz nicht nur die Senioren im Blick, so Petra Großmann, sondern auch die Familien – egal, ob nun Ostereiersuche oder Pizzabacken mit Kindern beim „Herbstferienspaß“. Einen Aufschrei würde es nach ihrer Einschätzung im Dorf geben, wenn der beliebte Weihnachtsbasar wegen mangelnder Unterstützung wegfalle.

 Das 1948 gegründete DRK Neuwittenbek schrumpft seit Jahren. Waren es 2008 noch 146 Mitglieder, sind es laut Vorsitzender aktuell 124 – überwiegend ältere Einwohner. Der Grund? „Ältere Mitglieder versterben, andere ziehen weg“, so Kaliebe. Austritte gebe es eher selten. „Tagestouren bieten wir aufgrund dieser Entwicklung schon gar nicht mehr an, weil wir den Bus nicht voll kriegen“, sagt sie. Eine professionelle Mitgliederwerbung durch eine Firma kommt für Evelyn Kaliebe allerdings nicht in die Tüte. „Ich möchte nicht, dass fremde Leute in unserem Namen an der Tür klingeln“, sagt sie, „das ist mir zu anonym.“Dabei kann sich Klinkenputzen durchaus auszahlen. Diese Art der Mitgliederwerbung habe dem Ortsverein in den 70er Jahren einen wahren Eintrittsboom beschert, erinnert sich Käte Schröder.

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