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Sein Herz schlägt für die Feuerwehr

Osdorf Sein Herz schlägt für die Feuerwehr

Ins Löschfahrzeug einsteigen? Große Überredungskunst ist nicht nötig, damit sich Jonathan auf den Fahrersitz setzt. Er schaut grinsend über das Lenkrad. Denn sein Herz schlägt für die Jugendfeuerwehr Osdorf. Keine Selbstverständlichkeit: Der 17-Jährige hat das Down-Syndrom (Trisomie 21).

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Ziehen in der Jugendfeuerwehr Osdorf an einem Strang: Jonathan (hinten), Tjark (von links), Melina und Marie.

Quelle: Jan Torben Budde

Osdorf. Seit vier Jahren trägt „Joni“, wie er in seiner Familie und im Gerätehaus heißt, voller Stolz die Uniform. „Ich bin froh, dass er mitmachen darf, weil er so gerne hier ist“, sagt sein Vater Ingo Schmidtendorf, Gruppenführer in der Freiwilligen Feuerwehr. Für den 57-Jährigen ist das längst keine Selbstverständlichkeit, denn Jonathan hat das Down-Syndrom (Trisomie 21), eine Störung der Erbanlagen.

Worte kommen eher schleppend über seine Lippen, das Sprachvermögen ist begrenzt. Dafür mangelt es nicht am Engagement, wenn sich montags die Jugendfeuerwehr trifft. „Manchmal sitzt er zuhause schon eine Stunde vorher in Uniform auf der Treppe und wartet darauf, dass es endlich losgeht“, verrät Ingo Schmidtendorf. Dass die Familie unweit vom Gerätehaus wohnt, ist nicht der einzige Grund, weshalb Jonathan zuletzt für die drittbeste Dienstbeteiligung ausgezeichnet wurde. „Es ist beinahe egal, was wir hier machen“, sagt Jugendwart Stefan Hahn, „Joni hat immer Spaß.“ Was der Teenager an technischen Details verstehe, wisse er zwar nicht. „Aber wenn man ihm etwas zeigt, dann macht er das“, erzählt der 36-Jährige, „man muss ihn anleiten, aber die Begeisterung ist vorhanden.“

Die Jugendfeuerwehr hantiert auch schon mit Strahlrohr und Schläuchen. „Manchmal müssen wir einen brennenden Busch oder Baum löschen“, erklärt Tjark (14). Es handelt sich dabei natürlich um Szenarien. Doch beim Aufbau des Löschangriffs packt Joni durchaus mit an. Schläuche ausrollen? „Macht Spaß“, sagt Jonathan und schaut mit einem schüchternen Lächeln in die Runde. „Er macht das gut“, lobt Marie (13), „und wenn man etwas nicht kann, ist das doch nicht schlimm.“ Benötigt Joni gelegentlich Unterstützung, zum Beispiel beim Anziehen der Einsatzjacke, helfen ihm zumeist die Größeren unter den 20 Mädchen und Jungen der Jugendfeuerwehr. „Es gehört doch dazu, dass man darauf achtet“, sagt Ben (16). Mitunter begleiten sie ihn nach dem Dienst nach Hause.

Jonathan gilt zwar als ehrgeizig. Doch wenn die Jugendfeuerwehr bei Wettkämpfen antritt, ist er nicht dabei. „Es hapert an den motorischen Fähigkeiten“, erklärt sein Vater. Umso mehr genießt er daher Ausflüge in den Hansa-Park oder die Weihnachtsfeiern mit Currywurst-Pommes und Übernachtung im Gerätehaus. „Er ist weder krank, noch hat er ein Leiden“, spielt Ingo Schmidtendorf auf die Entwicklungsverzögerung an. Wegen des Down-Syndroms ist Jonathan eben langsamer als seine Altersgenossen. Er besucht die Rudolf-Steiner-Schule in Kiel, ein Förderzentrum für seelenpflege-bedürftige Kinder. In der Werkoberstufe wurde sein Interesse für Schmiedearbeiten geweckt. In den Pausen spielt Jonathan gern Fußball. Erst kürzlich war der Borussia-Dortmund-Fan bei einem Spiel von Holstein Kiel. Nicht zuletzt das Feuerwerk hinter einem Tor blieb ihm in Erinnerung.

„Er ist ein offener, direkter und ehrlicher Typ“, schreibt Ingo Schmidtendorf seinem Sohn eine ausgeprägte Sozialkompetenz zu. Da nickt Jugendwart Hahn: „Meckern hört man ihn eigentlich gar nicht.“ Das sehen Tjark und Marie aber anders. So sei Streit für ihn ein rotes Tuch. „Hauen und Treten gibt’s nicht“, sagt Joni zur Bestätigung. Die Zukunft seines Sohnes sieht Ingo Schmidtendorf in einer betreuten Werkstatt. Jonis Berufswunsch werde leider nicht in Erfüllung gehen: Feuerwehrmann.

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