23 ° / 11 ° Gewitter

Navigation:
Ein voller Saal und 1080 Unterschriften

Sparkasssen-Schließung Osdorf Ein voller Saal und 1080 Unterschriften

Osdorfs Bürgermeister Joachim Iwers (WgO) gab den Vorstandsvorsitzenden der Förde Sparkasse am Donnerstag 1080 Protestunterschriften und eine Mahnung mit auf den Heimweg nach Kiel: „Wir werden mit allen Mitteln für den Erhalt unserer Sparkassenfiliale kämpfen!“

Voriger Artikel
Nachwuchs bei den Erdmännchen
Nächster Artikel
Jetzt kehrt Ruhe ein

Der Saal in Dibberns Gasthof ist bis auf den letzten Platz besetzt. Die Osdorfer machen ihrem Unmut über die geplante Schließung der Sparkassenfiliale Luft.

Quelle: Burkhard Kitzelmann

Osdorf. 19 Uhr. Annähernd 200 Osdorfer haben sich zur Einwohnerversammlung im Saal von Dibberns Gasthof eingefunden. Dass mit Götz Bormann und Ulrich Boike die beiden ranghöchsten Vertreter der Sparkasse erschienen sind, wird mit freundlichem Beifall honoriert. Anschließend aber gibt es keinen Applaus mehr. Jedenfalls nicht für die Banker. Von allen Seiten beziehen Bormann und Boike Prügel für eine Entscheidung, an deren Rechtmäßigkeit nach Überzeugung von Prof. Dr. Wolfgang Ewer gezweifelt werden kann. Als Anstalten des öffentlichen Rechts seien Sparkassen in erster Linie für die Daseinsvorsorge da und hätten einen gesetzlichen Versorgungsauftrag. Ihre primäre Aufgabe sei es nicht, Gewinne zu generieren. Der Jurist aus Kiel ist sich mit Bürgermeister Iwers einig: Die Sparkasse begründe die geplanten Schließungen der Filialen viel zu stark betriebswirtschaftlich.

 Auch Amtsdirektor Matthias Meins und Amtsvorsteher Kurt Arndt (SPD) erklären ihre Solidarität mit Osdorf. „Ihre Entscheidung empfinden wir als bewusste Abkehr Ihres Hauses vom ländlichen Raum und von der kommunalen Familie“, heißt es in einem Schreiben des Amtes an die Sparkassenspitze. Der Amtsausschuss werde die Schließung in seiner nächsten Sitzung beraten und erforderlichenfalls offiziell missbilligen.

 Acht ihrer 54 personenbesetzten Filialen will die Förde Sparkasse entweder ganz schließen (Osdorf soll am 18. November dicht gemacht werden) oder in SB-Standorte umwandeln. Danach werde es (einschließlich SB) noch 82 Filialstandorte geben, so Götz Bormann. Vom Rückzug aus der Fläche könne also keine Rede sein. Klar, es mache mehr Spaß, Filialen zu eröffnen als zu schließen. Aber Fakt sei: Aufgrund der niedrigen Zinsen sei „der Preis für Geld abgeschafft“. Rückläufige Margen, steigender Wettbewerbsdruck, ein verändertes Kundenverhalten (mehr Online-Banking, weniger Filialbesuche), erhöhte Anforderungen an die Beratungskompetenz – das sind die Schlagworte, die die Sparkassenmanager ins Feld führen. „Ein guter Geldautomat muss 12000 Posten im Monat schaffen“, erklärt Boike. Osdorf erreiche diese Vorgabe nur zu 30 Prozent. Und was ist mit den Gewinnen – 2015 immerhin sechs Millionen Euro? Die werden nach Bormanns Aussage dringend für die Eigenkapitalbildung und die Risikoabsicherung gebraucht. Und überhaupt: „In den nächsten Jahren werden sich die Gewinne halbieren.“

 Das alles überzeugt die Osdorfer nicht. CDU-Gemeindevertreterin Katrin Albrecht wirft dem Vorstand und der Verwaltungsrat-Mehrheit vor, die älteren Kunden „völlig aus den Augen verloren“ zu haben. Auch der Hinweis der Sparkasse, dass die nächstgelegene Filiale in Gettorf ja nur etwas mehr als drei Kilometer von Osdorf entfernt sei, kann nicht trösten. „Was ist mit den älteren Leuten, die in Noer, Felm oder Surendorf leben?“ „Kommen Sie uns in irgendeiner Form entgegen“, wendet sich die frühere Leiterin der Osdorfer Sparkassenfiliale, Marianne Kolls, an ihren einstigen Arbeitgeber.

 „Filialen zu schließen und gleichzeitig die Gebühren für Online-Banking zu erhöhen, das passt nicht zusammen“, schimpft Jörg Hollmann (CDU), Vorsitzender des Kreis-Hauptausschusses. In dieser Funktion ist der Eckernförder auch Mitglied des Zweckverbandes der Förde Sparkasse, dem Träger des Geldinstituts. Die Verbandsversammlung habe sich zwar nicht generell gegen Filialschließungen ausgesprochen. Aber sie habe deutlich gesagt, dass das Verfahren „weder nachvollziehbar noch transparent“ sei. Den Verwaltungsrat habe dies offenbar nicht interessiert.

 Verwaltungsrechtler Ewer rät der Sparkassenführung, sich auf ihren Versorgungsauftrag zu besinnen und gemeinsam mit dem Schleswig-Holsteinischen Gemeindetag zu erarbeiten, wie dieser Auftrag sichergestellt werden kann. „Geben Sie uns einen zeitlichen Aufschub“, appelliert Joachim Iwers an die Sparkassenmanager. „Und sorgen Sie dafür, dass in Osdorf zumindest eine Basisversorgung erhalten bleibt“, fügt er hin zu und erklärt, was er sich darunter vorstellt: „Wenigstens drei Tage in der Woche geöffnet, wenigstens ein Mitarbeiter vor Ort und kein Abzug der Automaten.“

 Iwers will demnächst die Gemeindevertretung zu einer Sondersitzung einberufen. Dann soll über das weitere Vorgehen beraten werden..

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Burkhard Kitzelmann
Eckernförder Nachrichten

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Eckernförde 2/3