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Flexibler Schutz für Wal und Ente

Ostseeküste Flexibler Schutz für Wal und Ente

Zum Schutz von Schweinswalen und Tauchenten setzt man an der Ostseeküste Schleswig-Holsteins auf Fangbeschränkungen auf freiwilliger Basis. Mit großem Erfolg, freut sich Claus Müller, Leiter des Eckernförder Ostsee-Info-Centers (OIC), das das Projekt koordiniert, begleitet und Aufklärungsarbeit leistet.

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Claus Müller und Hanna Sliwka vom Ostsee-Info-Center präsentieren ein Plakat, das in Ostseehäfen über die Vereinbarung zum Schutz von Schweinswalen und Tauchenten informiert. Zunächst soll es in Strande, Kappeln und Flensburg aufgehängt werden. Das Interesse der Gäste ist groß: 10
000 Flyer sind bereits verteilt.

Quelle: Christoph Rohde

Eckernförde. 250 von 300 Fischern machen inzwischen mit. Die Keimzelle des Projekts liegt in Eckernförde. Hier entstand 2011 die Idee für eine „schweinswal-freundliche Bucht“. Öffentliche Fördergelder flossen, und bei vielen Eckernförder Fischern stieß das Projekt auf offene Ohren. Acht von zehn Stellnetzfischern stiegen mit ins Boot. Sogenannte Pinger an den Netzen, die Schweinswale akustisch auf Abstand halten sollen, wurden ebenso getestet wie alternative Netzversuche mit Fischfallen. Basierend auf diesen Erfahrungen mit Freiwilligkeit, unterzeichneten Ende 2013 Umweltminister Robert Habeck (Grüne), der Landesfischereiverband und der Fischereischutzverband eine freiwillige Vereinbarung zum Schutz der Schweinswale und Tauchenten, die zunächst bis Ende 2017 läuft.

 Demnach gelten an der Ostseeküste zwischen Flensburg und Fehmarn für die beteiligten Fischer gewisse Einschränkungen. Von Anfang Juli bis Ende August legen sie kürzere Netzlängen aus. Denn in diesen Sommermonaten, so Müller, tauchen gehäuft Schweinswal-Muttertiere mit ihren Jungen in den Küstengewässern auf. Vor Maasholm und in der Flensburger Förde gebe es sogar feste Gruppen der bedrohten Meeressäuger. OIC-Mitarbeiter kontrollieren in den Schonzeiten die mit den Fischern vereinbarten Netzlängen. Bis auf ganz wenige „Ausreißer“ werden sie eingehalten.

 Unabhängig von dem freiwilligen Schutzprojekt trifft ein anonymer Abholdienst für Schweinswale, die als ungewollter Beifang in Stellnetzen verendet sind, zunehmend auf Akzeptanz bei den Fischern. „In diesem Jahr hatten wir bereits vier Fälle“, berichtet Müller. Dieser in Eckernförde initiierte Abholdienst per Boot ist inzwischen landesweit etabliert. Vorteil für die Fischer: Sie müssen nicht mit einem toten Schweinswal den Hafen anlaufen. Vorteil für die Wissenschaft: Frische Totfunde lassen sich besser untersuchen.

 Zum Schutz der tauchenden Meeresenten sind in der freiwilligen Vereinbarung 21 Schongebiete ausgewiesen. Erst wenn hier Enten gesichtet werden, dürfen in dem jeweils betroffenen Gebiet zwischen Mitte November und Ende Februar keine Stellnetze ausgelegt werden. Per SMS werden die Fischer vorab benachrichtigt, bevor die Winterrast-Areale im Internet (www.fischerleben-sh.de) entsprechend markiert sind. „Vergangenes Jahr hatten wir wenige große Schwärme“, weiß Müller. Aufgrund der milden Witterung blieben etwa die Eisenten überwiegend in Schweden.

 Dieses Jahr scheint dagegen anders zu sein. Viele Eiderenten wurden laut Müller bereits gesichtet, aber auch erste Zwergschwäne. Das könnte auf einen eisigen Winter hindeuten. Die „Entenampel“ weist aktuell für acht Schongebiete die Vorwarnstufe Gelb aus. Bei Rot dürfen in der Schonzeit keine Netze mehr ausgelegt werden. Auch das wird kontrolliert. In der Eckernförder Bucht sind Gebiete vor Schleimünde, Bookniseck und Bülk sowie Mittelgrund und Stollergrund als Schonbereiche ausgewiesen.

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Ein Artikel von
Christoph Rohde
Eckernförder Nachrichten

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