21 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Eltern kritisieren Pläne zur Unterbringung

Flüchtlinge Gettorf Eltern kritisieren Pläne zur Unterbringung

Das Gros der Eltern hat kein Verständnis: Im Februar sollen bis zu 100 Flüchtlinge in die sogenannten Pavillonklassen der Isarnwohld-Schule einziehen. Knapp 100 Eltern waren zur Informationsveranstaltung gekommen und taten ihren Unmut kund.

Voriger Artikel
Planungen für neue Brücke
Nächster Artikel
Stadt investiert in Brandschutz

Eine Unterkunft für bis zu 100 Menschen an der Isarnwohld-Schule in Gettorf: Bisher wurden in den Containern (links) Fünftklässler unterrichtet, jetzt möchte das Amt dort Flüchtlinge beherbergen.

Quelle: Jan Torben Budde

Gettorf. Das Amt Dänischer Wohld möchte circa 100 erwachsene, männliche Flüchtlinge in der schulischen Containeranlage unterbringen. Der Schulverband will die Räumlichkeiten, in denen bisher die fünften Klassen unterrichtet wurden, für eine Monatsmiete von rund 5000 Euro im ersten und 8000 Euro in den Folgejahren vermieten. Neben Schulleiterin Marion Burkhart standen hierfür auch Schulverbandsvorsitzender Hans-Ulrich Frank und Amtsdirektor Matthias Meins Rede und Antwort im Kultur- und Bildungszentrum (Kubiz).

„Aufgrund der bevorstehenden Entlassung des Doppeljahrgangs und dadurch sinkender Schülerzahlen war es vorgesehen, die Fünft-Klässler aus dem Pavillon wieder ins Haupthaus zu holen“, erklärte Burkhart. Ab dem Sommer 2016 würden die Container dann eine finanzielle Belastung für das Gymnasium mit Gesamtschulteil bedeuten. Mit der Ankunft der „Gäste“, wie Burkhart sie bezeichnete, hätte die Schule keine finanziellen Schwierigkeiten, und die Flüchtlinge ein Dach über dem Kopf. Nur müssten die Schüler ab Januar für ein Halbjahr enger zusammenrücken. Die Schulleiterin garantierte, dass daraus aber kein Unterrichtsausfall resultieren würde. „Gestern stand ich an genau derselben Stelle und informierte die Schülerschaft über die Pläne für unser Pavillongelände“, sagte Burkhart, „und es überrollte mich eine Woge der Toleranz und Hilfsbereitschaft.“ Anders war die Stimmung bei den Eltern der Pennäler.

Ein Vater meldete sich als erster zu Wort: „Es geht mir nicht um Flüchtlinge, um Syrer oder Afghanen“, versicherte er. Er habe zwei Töchter an der Schule, zehn und 14 Jahre alt, die im Dunkeln zur Schule hin- und zurückgehen würden. „Es geht mir um 100 männliche Erwachsene, die hier mitten auf das Schulgelände platziert werden. 100 Männer, die nicht arbeiten dürfen und die nichts zu tun haben.“ Dafür habe er kein Verständnis. Es folgten zahlreiche Wortmeldungen ähnlichen Inhalts. Die Eltern sahen ein, dass Menschen, die aus Kriegsgebieten flüchten, Schutz brauchten. Nur die Frage nach dem Wo erhitzte die Gemüter. „Das Schulgebäude ist die schlechteste Idee. Es geht um unsere Kinder, sie sind unsere Zukunft“, sagte ein anderer Vater. Dass der Umbau der Container insgesamt rund 360000 Euro kosten wird, warf besonders viele Fragen auf. Amtsdirektor Meins versicherte, man habe „jeden Stein umgedreht, jede in Frage kommende Immobilie geprüft“. Die Container seien mobil, gebe es keine freie Fläche, wo sie aufgestellt werden könnten, fragten Eltern. Dafür sei die Bevölkerung bereit, zu helfen, hieß es aus den Sitzreihen. Es gehe nicht nur um Kosten, sagte Meins: „Es ist auch eine Frage der kurzfristigen Verfügbarkeit.“ Aber auch andere Töne wurden angeschlagen: „Ich bin sehr traurig darüber, was ich so höre“, sagte eine Mutter. „Nennen wir es beim Namen: Es geht bei diesen sogenannten Sorgen um Angst vor sexueller Belästigung. Wie können wir Menschen noch vor ihrer Ankunft derart kriminalisieren? Die Frage ist doch, was können wir tun, damit die Aufnahme der Flüchtlinge zum Erfolg wird?“ Meins versprach, man werde die Sorgen der Eltern ernst nehmen und die Situation vor diesem Hintergrund neu beleuchten. Schulleiterin Burkhart bietet einen weiteren Informationsabend mit gleicher Besetzung heute um 19.30 Uhr im Kubiz an.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Eckernförde 2/3