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Plietsch mit Platt

Plattdeutsch-Veranstaltung Plietsch mit Platt

Neue Hoffnung für das Plattdeutsche: Auf der zentralen Plattdeutsch-Veranstaltung zum Europäischen Tag der Sprachen am Sonnabend in Eckernförde sprach Heiko Gauert, Baas der Platttdüütsch Gill Eckernför und Mitglied im Bundesrat für Niederdeutsch, von einer „kleinen Revolution“.

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Plattdeutsch in Bildung und Medien: Es diskutieren Reinhard Goltz, Birte Pauls, Heiko Gauert, Marianne Ehlers, Ingwer Oldsen und Heike Thode-Scheel (v.l.).

Quelle: Christoph Rohde

Eckernförde. Dieses Schuljahr gibt es 29 Modell-Grundschulen in Schleswig-Holstein, an denen Niederdeutsch zwei Stunden die Woche als reguläres Schulfach angeboten wird. Über 2000 Kinder werden damit erreicht. Da keimt neue Hoffnung auf. Plattdeutsch in Bildung und Medien hieß das Thema einer Podiumsdiskussion.

Platt schnacken in der Familie – das war in der Nachkriegszeit nicht mehr gefragt. Das sei schlecht für die Kinder, hieß es. „Die jetzige Elterngeneration findet Platt dagegen klasse“, sagt Dr. Reinhard Goltz vom Institut für Niederdeutsch in Bremen. In Hamburg läuft das Schulmodell schon länger, dort ist Plattdeutsch bereits in der sechsten Klasse angekommen. Goltz: „Noch sechs Jahre weiter, dann absolvieren dort die ersten Schüler ihr Abi im Fach Niederdeutsch“. Vorbehalte macht er eher in den Lehrerkollegien aus. Die Pädagogen sähen noch mehr Arbeit auf sich zukommen.

Die SPD-Landtagsabgeordnete und Niederdeutsch-Beiratsmitglied Birte Pauls weist darauf hin, dass in Schleswig-Holstein acht Lehrerstellen für den Plattdeutsch-Unterricht geschaffen worden sind. Ihr Wunsch: Die Modellgrundschulen sollten mit der Sekundarstufe I kooperieren, um ein Aufwachsen mit Plattdeutsch-Unterricht zu gewährleisten. Für Kinder ist das Erlernen der Heimatsprache offenbar kein Problem. „Die hören das und nehmen das auf“, sagt Marianne Ehlers, Bundesratsmitglied für Niederdeutsch. Das frühe Sprachen lernen fördere zudem die Lernfähigkeit, „dat maakt plietsch.“ Und: Wer Plattdeutsch kann, dem fällt es leichter, Englisch zu lernen. Denn viele Wörter ähneln sich. „Dat Water is kold“ beispielsweise heißt im Englischen „That water is cold“. In Kindergärten des ADS-Grenzfriedensbundes ist eine Zweitsprache wie Platt, Friesisch oder Dänisch bereits verpflichtend.

Plattdeutsch wird zunehmend aber auch in der Pflege an Bedeutung gewinnen. Die Ansprache in einem vertrauten Klang – „das ist wichtig, besonders für Demenzkranke“, sagt Ehlers. Sie lebten in einer anderen Welt, weit zurück bis in die Kindheit. Goltz berichtet sogar von jungen Türkinnen, die in ihrer Pflegeausbildung aus diesem Grund Platt lernten. Ein paar Wörter „op Platt“, steuert Pauls aus früheren Erfahrungen als Krankenschwester bei, „konnten manche Beruhigungspille ersetzen“. Auch in der Landesverwaltung wird es nach ihren Angaben künftig eine Rolle spielen, wer welche Regional- oder Minderheitensprachen spricht. Plattdeutsch als neues Einstellungskriterium?

An die Medien richtet Ingwer Oldsen vom Zentrum für Niederdeutsch in Leck den Appell, mehr Ernst zu nehmendes in Niederdeutsch zu bringen. „Es gibt noch die Plattdeutschen“, sagt er. „Wi sünd noch dor.“ Bei den Kieler Nachrichten ist Heike Thode-Scheel zuständig für eine Plattdeutsch-Seite, die 14-täglich erscheint (die nächste am 5. Oktober). Ihre Erfahrung: „Auch mancher, der kein Platt kann, liest sich das Wort für Wort durch.“ Plattdeutsch, so ihr Resümee, bringe allen etwas. Sogar beim Naturfilmfestival Green Screen hatte dieses Jahr ein Kurzfilm auf Niederdeutsch, „Dr. Plattdüütsch“, einen Preis bekommen.

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Ein Artikel von
Christoph Rohde
Eckernförder Nachrichten

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