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Wettstreit der Wortakrobaten

Eckernförde Wettstreit der Wortakrobaten

Erlaubt ist was gefällt beim Poetry Slam, wie sich der Poeten-Wettstreit nennt, der auch in Eckernförde eine wachsende Fangemeinde hat. Zur mittlerweile dritten Auflage der vom Kulturzentrum „Das Haus“ organisierten Sommer-Veranstaltung am Strand fanden sich am Sonnabend über 200 Fans ein.

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Das aufmerksame und kritische Publikum ist die Jury beim Poetry Slam am Eckernförder Strand. Die dritte Auflage sorgte für einen Besucherrekord.

Quelle: Gerhard Breier

Eckernförde. Hinnerk Köhn ist ehrlich: Gewinnen wird er schwerlich. Die Mutter hatte Recht: Der Fabian ist nicht schlecht. Ob reimend oder im freien Rhythmus, ob albern oder geistreich: Beim Poetry Slam ist erlaubt, was gefällt.

 Als Lokalmatador kann Hinnerk Köhn auf Daumendrücker zählen. Trotzdem spielt Lampenfieber mit. „Weißt du schon den Modus?“, fragt er vor dem Start Moderator Paul Fejfar, der mit seiner Antwort keinen Anlass zu falschem Optimismus gibt: Im direkten Duell, sodass gleich nach dem K.-o.-System ein Favorit ausscheiden wird, soll der Eckernförder gegen Fabian Navarro aus Hamburg antreten. „Das wird schwer“, schätzt Hinnerk das Format des amtierenden Schleswig-Holstein-Meisters ein – und ändert seine Strategie: „Also mal wieder Kräftemessen. Dann les’ ich doch gleich den Petrus-Text“, beschließt er, Zeilen vorzutragen, die bislang immer besonders gut angekommen sind.

 Bevor es ernst wird, erläutert Fabian zunächst die Spielregeln und fordert zum Probeklatschen auf, für das das Publikum kein großes Lob erhält: „Das hört sich ein bisschen nach Lepra-Kolonie an“, urteilt der Moderator. Zur Strafe und – „damit es Fabian nicht so schwer hat“ - gibt er einen „Opferlammtext“ aus eigener Feder zum Besten.

 Dann betritt der Champion das Podest. Einem lässigen „Moin“ folgt eine auswendig vorgetragene Rittergeschichte. „Es lebte einst ein Rittersmann“, beginnt Fabian und unterstreicht stark gestikulierend die Wirkung der Worte, die für Schmunzeln bei den Zuhörern sorgen. Hinnerk unterstreicht vor dem Mikrofon noch einmal den Respekt vor dem Konkurrenten: „Meine Mutter findet Fabian um einiges besser als mich“, gesteht er. Und so erweist sich der Titel seines selbstbewusst gelesenen Textes schließlich auch als Prophezeiung: „Wie man es auch macht, es reicht nicht“ – Hinnerk scheidet aus, während Fabian ins Finale kommt, in dem er sich gegen Hille Norden und Maline Kotetzki den Titel holt.

 Der 21-jährige Hinnerk Köhn hat derweil keinen Grund, vor Trauer zu verstummen: Am kommenden Sonnabend ist er im Flensburger „Kühlhaus“ beim Schleswig-Holstein-Finale dabei, für das er sich am Wochenende in der Kieler „Pumpe“ qualifiziert hat.

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