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Wie sicher sind Radfahrer?

Unfälle Wie sicher sind Radfahrer?

Deutlich mehr Radfahrer als noch vor Jahren sind in Eckernförde unterwegs. Und sie fahren schneller, auch aufgrund der elektrisch unterstützten Pedelecs. Die Folge: Die Polizei registrierte dieses Jahr bislang 42 Verkehrsunfälle mit Radfahrern in der Ostseestadt – eine „nicht geringe Zahl“.

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Eng, unübersichtlich und bei Nässe rutschig: die Unterführung unter den Bahngleisen am Lornsenplatz. Auch ADFC-Sprecher Wolfgang Kromat ist hier schon einmal mit dem Rad weggerutscht.

Quelle: Christoph Rohde

Eckernförde. Bei vielen Zweirad-Unfällen habe es Verletzte gegeben, bilanziert Polizeirevierleiter Ralf Lohmeyer. Er macht beispielsweise Konflikte zwischen querenden Fußgängern und Radfahrern im Bereich Reeperbahn/ZOB aus. Ein kritischer Punkt seien auch die unübersichtlichen Unterführungen am Lornsenplatz. Allein dort habe es fünf Radunfälle mit Verletzten gegeben. Unauffällig blieb dagegen der Schulweg Sauerstraße am Schulzentrum. Dort ereigneten sich keine Unfälle auf dem neuen Radstreifen, wohl aber einer auf dem gegenüberliegenden Radweg, wo ein Autofahrer beim Abbiegen einen Radler übersah.

 Lohmeyer leitet daraus eine Empfehlung für Eckernförde ab: Grundsätzlich seien mehr Radstreifen in der Stadt wünschenswert. Ähnlich sieht das Wolfgang Kromat, der Eckernförder ADFC-Ortsgruppensprecher. Im Ostseebad gebe es einen Nachholbedarf, Radverkehrsanlagen sicherer und nach den Bedürfnissen von Radfahrern zu gestalten, stellt er fest. „Radstreifen können – je nach Verkehrsbelastung – ein Teil davon sein.“ Insgesamt hält er es für sinnvoll, den ADFC stärker in die Verkehrsentwicklung mit einzubeziehen. Stadtplanung erfordere heute ein besonderes Augenmerk auf Rad-, Bus- und Fußweganbindungen, sagt er.

 Nach Einschätzung von Kromat gibt es Städte mit schlechterer Rad-Infrastruktur als Eckernförde. „Aber auch hier haben wir viele Problempunkte.“ Einer davon ist die Einmündung Windebyer Weg/Bornbrook. Dort kommt es immer wieder vor, dass linksabbiegende Autofahrer abschüssig fahrende Radler übersehen. Dabei dürfte es einen solchen linksseitigen Radweg eigentlich nicht mehr geben. Überlegenswert sei ein Radstreifen, so der ADFC-Sprecher, der als optische Verengung zudem den Pkw-Verkehr verlangsamen würde. Untersuchungen haben ergeben, dass Radfahrer innerorts auf Radstreifen sicherer unterwegs sind.

 Für wichtig bei Neuerungen wie Radstreifen hält Kromat eine offensive Bürgerinformation. Negativbeispiel war vor einem Jahr die Einführung des Radstreifens Sauerstraße – quasi über Nacht an sensibler Stelle. Ähnlich wie die Polizei sieht Kromat auch in den Lornsenplatz-Unterführungen einen Konfliktpunkt mit unübersichtlicher Wegeführung und teils bei Nässe rutschigem Klinkeruntergrund. Laut Ordnungsamt gibt es hier keine abschließende Lösung. „Wir haben viel diskutiert“, sagt Leiter Klaus Kaschke. So wurde Schrittgeschwindigkeit für Radler angeordnet. Ein Spiegel dagegen fand seinerzeit keine Zustimmung der Polizei wegen der Ablenkungsgefahr.

 Das vor zwei Jahren beschlossene Radverkehrskonzept der Stadt Eckernförde mit einem Maßnahmenpaket von insgesamt 3,6 Millionen Euro schlummert unterdessen vor sich hin. In der jüngst von der Politik verabschiedeten Prioritätenliste zur Haushaltskonsolidierung finden sich außer der Fahrradstation am Bahnhof (2019/2020) keine Ansätze dazu. Laut Kaschke soll die Empfehlung „Radfahrer auf die Straße“ nach und nach umgesetzt werden. Eine Zeitschiene steht noch nicht fest.

 2015 gab es 55 Verkehrsunfälle mit Radlern in Eckernförde. Zum Vergleich: In Schleswig waren es 40, in Heide 43 und in Husum 67.

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Ein Artikel von
Christoph Rohde
Eckernförder Nachrichten

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