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Probleme auf Augenhöhe anpacken

Gettorf Probleme auf Augenhöhe anpacken

Ärger mit dem Chef, schlechte Noten in der Berufsschule und ein Donnerwetter im Elternhaus: Entpuppt sich die Lehre als steiniger Weg, erwägen Auszubildende oft viel zu schnell einen Abbruch. Mit individueller Unterstützung lässt sich dieser Schritt abwenden.

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Wenn Auszubildende mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben, steht ihnen der ehrenamtliche Seniorexperte Frank Schlanske (rechts) aus Gettorf mit seinem Erfahrungsschatz zur Seite. Den Kontakt stellt der Kieler Regionalkoordinator Heino Henning her.

Quelle: Jan Torben Budde

Gettorf. „Einige Azubis sind im Rechnen nicht fit oder lesen Aufgaben nicht aufmerksam genug durch“, sagt Frank Schlanske aus Gettorf. Der 68-Jährige ist gelernter Zimmermann, war jahrelang im Trockenbau tätig sowie im Betriebsrat und hilft nun Auszubildenden mit Schwierigkeiten auf die Sprünge. Er engagiert sich in der Initiative VerA (Verhinderung von Abbrüchen und Stärkung Jugendlicher in der Berufsausbildung). Dahinter steht der Senior-Expert-Service (SES), eine der größten Ehrenamtsorganisationen für Fach- und Führungskräfte im Ruhestand.

„Wir sind stets auf der Suche nach neuen Mitstreitern“, betont Heino Henning, Kieler VerA-Regionalkoordinator. Sein Gebiet reicht von der Landeshauptstadt über Rendsburg-Eckernförde, Ostholstein und Neumünster bis nach Elmshorn. „Wir zeigen den jungen Leuten, wie sie ein Problem anpacken können“, erklärt der 70-Jährige. Dazu legten die SES-Begleiter ihren reichen Erfahrungsschatz in die Waagschale, erhielten allerdings vor dem Start in die neue Aufgabe eine zweitägige Fortbildung. Laut Henning sind ehemalige Ingenieure, Lehrer, Verwaltungsbeamte oder eben Handwerker wie Schlanske mit im Boot. Das Angebot gelte für sämtliche Ausbildungsberufe, egal ob nun Altenpfleger, Frisör, Bäcker, Koch, Kaufmann, Hotelfachleute oder Maler.

Wie entsteht der Kontakt? „Bei VerA können sich Auszubildende, aber auch Eltern, Ausbildungsberatungen der Kammern, Unternehmen oder Berufsschulen melden“, erklärt Henning. Eine Begleitung komme aber nur dann zustande, wenn der Lehrling einverstanden sei. Um für den ehrenamtlichen Service zu werben, besucht der Koordinator mitunter Betriebe und Berufsschulen. Henning nennt Beispiele, was Auszubildenden oft Probleme bereitet: Prüfungsangst, mangelnde Deutschkenntnisse, Probleme im persönlichen Umfeld, Unpünktlichkeit, Unzuverlässigkeit, Streit mit dem Chef oder Kollegen. „Mit Zustimmung des Auszubildenden, sprechen wir auch im Betrieb vor“, sagt er.

Schlanske muss in Gettorf noch Fuß fassen, wohnt erst seit zwei Jahren im Dänischen Wohld. Vorher lebte er in Hamburg und war dort schon als SES-Begleiter tätig. „Ich möchte den jungen Leuten gern helfen“, nennt der Rentner ein Motiv, „früher gab es solche Angebote nicht.“ Zudem habe er dann etwas um die Ohren. Er trifft sich mit dem Azubi in einem Café, wo die Schwierigkeiten auf den Tisch kommen. Vertrauen spiele eine große Rolle. Schlanske: „Erst müssen sie verstehen, dass man ihnen helfen möchte.“ Zwar erklärt er bei Bedarf auch den Dreisatz, allerdings gehe es weniger um Nachhilfe. Oft bräuchten Auszubildende einen Ansporn, wobei Fingerspitzengefühl gefragt sei. Dabei stießen Tipps von Fremden bei ihnen zumeist eher auf offene Ohren, als gut gemeinte Ratschläge oder Ermahnungen von Eltern und Ausbildern. „Die Begleiter packen sie bei der Ehre“, sagt Henning, „aber auf Augenhöhe, ältere Neunmalkluge kommen nicht gut an.“ Als Ziel nennt er die Stärkung des Selbstbewusstseins der Azubis.

Steht ein Begleiter auf dem Schlauch, wird an Behörden, Fachleute oder Beratungsstellen wie Agentur für Arbeit, Bildungsträger Isfa (Interkulturelle Schule, Fortbildung und Ausbildung) oder Therapeuten vermittelt.

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