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Seniorin ums Geld gebracht?

Prozess in Eckernförde Seniorin ums Geld gebracht?

Angeklagt, sich als Pflegerin einer Seniorin einen Vermögensvorteil verschafft zu haben: Hob die 48-Jährige das Geld im Auftrag der alten Dame ab oder für sich? Der Fall, den das Amtsgericht Eckernförde seit Montag verhandelt, gibt Einblick in einen Alltag mit programmierter Grauzone.

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Eine Altenpflegerin steht in Eckernförde vor Gericht. Sie soll eine Seniorin um ihr Geld gebracht haben.

Quelle: Arne Dedert/dpa (Symbolfoto)

Eckernförde. Am 21. und 22. November 2015 soll die Altenpflegerin 2000 und 1500 Euro vom Konto einer 78-Jährigen mit deren Euroscheck-Karte am Bankautomaten in einer Kieler Umlandgemeinde abgehoben haben, „um das Geld für sich zu verwenden“, so die Anklage. Nicht die Seniorin, sondern ihre jüngere Bekannte hatte Anzeige erstattet. Die alte Dame lebt im Norden Kiels. Der Geldautomat ist im nahegelegenen Einkaufszentrum.

 „Meine Mandantin hat oft Geld für die Dame abgehoben, weil sie gebeten wurde. Sie versteht nicht, warum sie angeklagt ist“, hatte der Verteidiger voraus geschickt. Die Altenpflegerin holte weiter aus: „Ich habe auch an diesen Tagen kein Geld behalten, sondern es wie immer abgegeben. Ich war bei der Dame im Auftrag des Pflegedienstes tätig. Sie fragte mich, ob ich ihr die Haare mache, denn ich bin auch Friseurin. Meine Chefin war einverstanden. So kam ich dafür zweimal wöchentlich. Sie schickte mich oft zum Geldautomaten. Die PIN schrieb sie auf.“

 Auf Nachfrage von Richterin und Staatsanwältin berichtete sie, auch der Bruder der Dame und ihre Bekannte hätten „oft Geld geholt“. Für kleine Einkäufe habe der Bruder „schon mal 50 Euro bekommen“. Wofür die Dame das Geld eingesetzt habe, fragte die Richterin. Die Angeklagte: „Ich weiß nicht genau. Sie ließ ja alles machen: Gartenarbeit, Hausarbeit, Einkauf. Und sie wollte ihrer Tochter Geld schicken. Sie wirkte klar, aber sie leidet unter Demenz. Unter Betreuung ist sie nicht. Als der Pflegedienst sie auf dem Boden schlafend fand, wurde ihr Betreutes Wohnen angeraten. Sie hat aber Angst, und ihre Bekannte wollte es auf keinen Fall. Die Tochter sollte das nicht erfahren.“ Ihr selbst sei die Bekannte mit Ablehnung begegnet. Da weder das Opfer noch die Bekannte polizeilich vernommen wurden, wurde die Verhandlung vertagt. Bei Fortsetzung werden weitere Zeugen gehört.

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Ein Artikel von
Cornelia Müller
Eckernförder Nachrichten

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