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Zweifel am Täter verblüffen Altenholzer

Prozess um Brandstiftung Zweifel am Täter verblüffen Altenholzer

Der verblüffende Verlauf des Prozesses um den Brand der Ladenzeile in Altenholz beschäftigt die Einwohner: Ist der Angeklagte womöglich unschuldig? Wurde schlampig ermittelt in diesem Fall? Oder lügen die Zeugen vor Gericht?

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Bei dem Großbrand in der Ladenzeile entstand ein Millionenschaden. Der Ort verlor sein Zentrum. Die Brandruine wurde im April 2015 abgerissen.

Quelle: Rainer Pregla

Altenholz. Auch Anke Petersen macht diese Entwicklung zu schaffen. Sie betreibt ihren Bücher- und Zeitschriftenladen seit dem verheerenden Brand im November 2014 im engen Container. Es wäre bitter, wenn wegen Schlamperei am Ende niemand verurteilt werde, findet sie. Der Angeklagte habe schon vorher keinen guten Ruf gehabt, deshalb habe sie ihm die Tat zugetraut. „Aber ich will ihn nicht vorverurteilen“, betont sie, und dass es ihr nicht um Rache geht. Doch es wäre eben befriedigend, wenn es einen Täter gäbe.

 Auch die Kundschaft sei „vollkommen verblüfft“ über die Entwicklung im Prozess. „Aber prinzipiell haben wir ganz andere Sorgen“, erklärt Petersen. „Wir kämpfen hier alle ums Überleben“, sagt sie mit Blick auf jene Geschäfte, die unter schwierigen Bedingungen in Stift weiterarbeiten.

 Dazu gehört auch Florist Volker Kalinka, der gegenüber seinen Blumenladen betreibt. „Das Gericht muss entscheiden, dafür haben wir es“, sagt er zum laufenden Verfahren. „Bei vielen höre ich zum Prozess: Das bringt uns auch nicht weiter“, erklärt er. Den Einwohnern sei wichtiger, dass sich endlich etwas auf dem Brandgelände tut.

 Das bestätigt eine 70-jährige Passantin: „Für uns als Bürger ist viel schlimmer, dass hier nichts passiert.“ Wegen der fehlenden Infrastruktur überlegt sie, nach 40 Jahren aus Stift fortzuziehen. Sie fährt kein Auto, ist mit dem Fahrrad unterwegs: „Wenn man nicht motorisiert ist, ist es anstrengend.“ Dass im Prozess derartige Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten auftauchen, wundert sie allerdings schon.

 „Wenn da sämtliche Zeugen widerrufen, ist das natürlich überraschend“, sagt der stellvertretende Bürgermeister Ingo Baasch. Wenn sich herausstellen würde, dass tatsächlich einseitig ermittelt wurde, „wäre das bedauerlich“. Bei neuen Ermittlungen zwei Jahre nach dem Brand sei es sicher nicht einfach, den Tathergang noch zu klären. Und falls sich tatsächlich die Unschuld des Angeklagten herausstelle „wäre das schon heftig“.

 Wer auch immer der Täter ist: „Der hat unseren Lebensnerv zerstört“, sagt Renate Haberer. Als Gemeindevertreterin kennt sie die Klagen über die Baulücke. Der ideelle Schaden durch das Feuer sei viel höher als der materielle. Deshalb sei es auch wichtig für die Altenholzer, zu wissen, wer es war – und warum.

 Hans Weber, Eigentümer des Ladenzeilen-Geländes, verfolgt den Prozess aus Hamburg: „Natürlich interessiert mich das.“ Wenn es zu einer Verurteilung komme, werde er prüfen, ob er finanzielle Forderungen erheben kann, um für seinen Versicherer den Regress zu sichern.

 Fragen zum Informationsfluss zwischen den ermittelnden Beamten wollte die Polizei am Donnerstag mit Blick auf das laufende Verfahren nicht beantworten. Am ersten Prozesstag musste ein Ermittler einräumen, den Angeklagten mit falschen Informationen über Videoaufnahmen konfrontiert zu haben.

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Ein Artikel von
Kerstin von Schmidt-Phiseldeck
Redaktion Lokales Kiel/SH

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