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Zeugin präsentiert neuen Verdächtigen

Prozess um Großbrand Altenholz Zeugin präsentiert neuen Verdächtigen

Weitere Überraschung im Kieler Prozess um einen Großbrand: Eine Zeugin soll nach Angaben eines Polizeibeamten einen neuen Verdächtigen benannt haben - angeblich ein Mitglied der Feuerwehr.

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Überraschung im Gerichtssaal: Neuer Verdächtiger im Prozess um den Brand der Altenholzer Ladenzeile.

Quelle: Rainer Pregla (Archiv)

Kiel/Altenholz. Überraschende Wende im Prozess um den verheerenden Brand der Ladenzeile in Altenholz-Stift vom November 2014: Zu Beginn der Verhandlung am Dienstag teilte die Vorsitzende des Schöffengerichts vor zahlreichen verblüfften Zuschauern und Medienvertretern mit, eine neue Zeugin habe der Polizei letzte Woche einen anderen Tatverdächtigen präsentiert.

Die Aussage der namentlich bekannten Tippgeberin aus Altenholz, nicht der Angeklagte (23), sondern ihr ehemaliger Verehrer habe das Altenholzer Ortszentrum in Schutt und Asche gelegt und sich ihr gegenüber mit der Tat gebrüstet, ist Wasser auf die Mühlen der Verteidigung. Nach Überzeugung von Rechtswalt Urs-Erdmann Pause sind „auch so schon alle Beweismittel der Anklage weggebrochen“.

Der Verteidiger fordert nun einen schnellen Abschluss des Verfahrens gegen seinen Mandanten, der seit mehr als anderthalb Jahren mit unzutreffenden Vorwürfen leben müsse. Und die wiegen schwer: Seit bald zwei Jahren klafft eine weiträumige, triste Baulücke im Ort, der sein Zentrum verloren hat.

Dem Feuer, das von einem brennenden Müllcontainer ausging, waren ein Supermarkt, ein griechisches Restaurant, ein Café, ein Bäcker, eine Sparkassenfiliale, ein Pflegedienst und ein Dönerimbiss zum Opfer gefallen. Eine Anwohnerin (52), die in der Brandnacht gegen 4.20 Uhr aus dem Schlaf gerissen wurde und von ihrem Balkon aus Qualm aufsteigen sah, bricht heute noch in Tränen aus, als sie davon berichtet.

Ergebnis des bisher fünftägigen Prozesses könne nur ein Freispruch sein, fasst der Verteidiger zusammen. Jede weitere Beweisaufnahme sei überflüssig. Die Staatsanwältin möchte dagegen schnellstens die neue Zeugin persönlich hören, um die Stichhaltigkeit ihrer Anschuldigungen zu prüfen. Erst am 30. August hatte sich die Frau bei der Polizei gemeldet. „Gegen 16 Uhr rief sie an“, berichtete gestern ein Beamter (33) vom Kriminaldauerdienst Kiel. Die Zeugin habe die Presseberichte über den Prozess verfolgt und geglaubt, der angeklagte Brandstifter sei ihr Bekannter, so der Zeuge. Deshalb sei sie überrascht gewesen, ihn freien Fußes auf der Straße zu sehen. „Warum sitzt du nicht im Gefängnis?“ fragte sie ihn.

Die Polizei habe den falschen Mann erwischt, soll der Verdächtige geantwortet haben. Dass nun ein Unschuldiger vor Gericht stehe, sei nicht sein Problem. Schon früher soll sich der Altenholzer ihr gegenüber als Brandstifter geoutet haben. Besonders pikant: Bereits im Februar 2015, als der Angeklagte zwei Monate in U-Haft saß, meldete sich ein anderer Zeuge mit demselben Täterhinweis bei der Polizei.

Dreimal telefonierte damals ein sonst nicht mit dem Fall befasster Beamter (49) mit dem Anrufer, der seine Personalien angab, aber weitere Angaben aus Rücksicht auf seinen Informanten strikt verweigerte. Deshalb wurde die heiße Spur nicht weiter verfolgt. „Es war mir nicht möglich, das zu konkretisieren“, teilte der Beamte am Dienstag mit. Ob und wie er die ermittelnden Kollegen der „Arbeitsgruppe Brand“ damals informierte, weiß er nicht mehr. „Inzwischen ist der Zeuge tot, er kann nicht kommen“, stellte Richterin Elisabeth Bellmann fest.

Der doppelt belastete Verdächtige soll zur Tatzeit Feuerwehrmann einer Nachbargemeinde gewesen sein. Für den Verteidiger spielt seine mögliche Schuld keine Rolle: „Dies aufzuklären ist nicht Aufgabe dieses Prozesses.“ Die Vorsitzende gibt ihm Recht und fordert ihn und die Staatsanwältin auf, bis Freitag ein vorläufiges Fazit zu ziehen und Vorschläge zum weiteren Prozedere zu machen.

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Foto:  Nach dem Abriss der abgebrannten Ladenzeile hat sich äußerlich auf dem Gelände nicht mehr viel getan.

 Zwischenzeitlich schien es unsicher, doch es war wohl tatsächlich ein Müllbehälter, von dem der Brand der Ladenzeile in Altenholz-Stift ausging. Am vierten Prozesstag sagte unter anderem der Feuerwehrmann aus, der am 26. November 2014 als erster Einsatzleiter vor Ort war.

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