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Rauteck hat sich aufgelöst

Schülerunternehmen Rauteck hat sich aufgelöst

Flaschenöffner aus alten Autogurtschlössern: Diese Idee steckt hinter dem Schülerunternehmen Rauteck. Die 24 Pennäler der Jungmannschule Eckernförde, die damit kürzlich in Berlin Europameister wurden, lösten ihre Firma jetzt wie geplant auf. In einem kleinen Team soll es aber weitergehen.

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Nach einer schier unglaublichen Erfolgsgeschichte wurde das Schülerunternehmen Rauteck jetzt aufgelöst. Zum Abschluss gab es noch ein Gruppenfoto mit dem Schulpaten Axel Bürger, ganz hinten zweiter von links.

Quelle: Uwe Rutzen

Eckernförde. Wäre Jörn Holler nicht zum Hurricane-Festival gefahren und hätte er auf der Rücktour nicht den Wunsch nach einem kühlen Getränk gehabt, dann hätten die zurückliegenden Monate für 24 Jungmannschüler einen gänzlich anderen Verlauf genommen. Da Jörn Holler aber beim Festival war und als einer der Mitfahrer im Auto in Ermangelung eines Flaschenöffners kurzerhand die metallene Zunge des Gurtschlosses für diesen Zweck umfunktionierte, wurden die Eckernförder Gymnasiasten vor wenigen Wochen Europameister der Schülerunternehmen.

 Das klingt nach einer kitschigen Fernseh-Soap. In Wirklichkeit ist es jedoch ein Riesenerfolg für die angehenden Abiturienten und ihren Schulpaten Axel Bürger, zugleich aber auch für die Paten aus der Wirtschaft sowie zahlreiche Sponsoren. Unter der Firmenbezeichnung Rauteck – ein Kurzwort für Recycelte Autoteile Eckernförde – sorgten sie zusammen für Furore. Am Donnerstagabend wurde das Unternehmen aufgelöst. Doch so ganz zu Ende ist das Kapitel für die Beteiligten noch nicht.

 Alles begann damit, dass das Institut der Deutschen Wirtschaft im Rahmen des Junior-Projektes einen Wettbewerb ausschrieb. Für den Zeitraum eines Schuljahres sollten Unternehmen gegründet werden, für die die Schüler selbst verantwortlich sind. Im Laufe des Jahres sollten sie eine eigene Idee umsetzen, damit einen praktischen Einstieg in die Berufswelt erleben und sich mit Buchhaltung, Verhandlungen und Preiskalkulation vertraut machen.

 Zunächst ging es allerdings um die Frage, was hergestellt werden sollte. Schuleigenes Klopapier, ein Zahncreme-Spender oder gar Voodoo-Puppen von Lehrern? All das und noch einiges mehr stand zur Diskussion. Am Ende kamen die 24 Schüler des WiPo-Profils der Jungmannschule überein, den von Mitschüler Jörn Holler aus der Not geborenen Flaschenöffner aus der Schlosszunge eines Anschnallgurtes zu produzieren. So etwas, da war man sich einig, sei nicht nur eine stilvolle Alternative zu einem gewöhnlichen Flaschenöffner, sondern schone auch die Umwelt, weil man ausschließlich Schlosszungen von ausrangierten Fahrzeugen benutzen wollte. Das soziale Engagement sollte ebenfalls nicht zu kurz kommen: Als Produktionspartner konnte Kompass 98 gewonnen werden, eine Betriebsstätte, in der Menschen mit psychischen Behinderungen beschäftigt werden. Der Firmenname Rauteck wurde gewählt, weil der so schön norddeutsch und zugleich authentisch klingt. Inzwischen ist längst bekannt, wie erfolgreich man damit war: Die Zwölftklässler der Jungmannschule wurden Landes- und Bundessieger, und Ende Juli holte das Team als Krönung schließlich auch noch die Europameisterschaft.

 Zum Ende des Projektes zogen die Schüler nun Bilanz. Und die fiel in jeglicher Hinsicht positiv aus. In den 224 Tagen, in denen das Unternehmen bestand, habe man mehr gelernt als in drei Schuljahren, verkündete Rauteck-Vorsitzender Jon-Vincent Drewes. Schulleiterin Jutta Johannsen und all die Kollegen, die ihre 24 Schüler in den vergangenen Monaten mehr im Werkraum als im Unterricht erlebten, nahmen das angesichts der Erfolgsgeschichte lachend zur Kenntnis.

 Nach 6277 Arbeitsstunden, 1156 verkauften Öffnern sowie 160 veräußerten Taschen aus Gurtmaterial endete das Rauteck-Geschäftsjahr mit einem Gewinn von 4982 Euro. 500 Euro kamen Kompass 98 als Spende zugute. Der verbleibende Betrag wurde an die 90 Anteilseigner ausgezahlt. Sie hatten Aktien für zehn Euro erworben und durften sich zum Abschluss des Projektes über 65 Euro für jede Aktie freuen.

 Dass es in einem etwas kleineren Team weitergehen soll, wurde bereits entschieden. Wie und in welcher Gewerbeform, das steht allerdings noch nicht fest. Die Idee und der Name sollen aber auf jeden Fall gesichert werden und somit dauerhaft mit der Eckernförder Jungmannschule verbunden bleiben.

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Ein Artikel von
Uwe Rutzen
Ressortleiter Eckernförder Nachrichten

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