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Ladenschluss bei Tante Emma

Gettorf Ladenschluss bei Tante Emma

Jahrzehntelang hat er sich gegen die zunehmende Discounter-Konkurrenz behaupten können. Jetzt aber ist Schluss. Gettorfs letzter Tante-Emma-Laden von Ritta Peetz schließt am 30. Juli für immer seine Türen.

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Trautes Miteinander in Gettorfs letztem Tante-Emma-Laden: Inhaberin Ritta Peetz (links) mit der langjährigen Mitarbeiterin Erika Qualen (im Hintergrund) und Stammkundin Ingela Karpenkiel (mit Kater Jacko).

Quelle: Burkhard Kitzelmann

Gettorf. Ritta („mit zwei T, bitte“) Peetz und ihr gut 30 Quadratmeter großer Laden an der Ecke Am Sportplatz/Liebesallee sind eine Institution in der Wohld-Gemeinde. Hier wird Dorfklatsch ausgetauscht, hier versorgen sich die Schulkinder mit Naschis, hier holen sich die älteren Damen ihre Neue Post und ein paar Scheiben Käse fürs Abendbrot, und Handwerker lieben die rustikalen, von der Chefin frisch belegten Wurstbrötchen. Warum die so beliebt sind? „Da kommt kein Salat und solcher Schnickschnack drauf“, verrät Peetzi, wie sie von ihren Stammkunden liebevoll genannt wird.

 Als die gebürtige Niedersächsin 1986 nach Gettorf kommt, wird der kleine Laden von ihrer Schwägerin geführt. Hanna Peetz, älteren Gettorfern als „Tante Hanna“ bekannt, betreibt das kleine Kolonialwarengeschäft bereits seit 1960. Seitdem ist dort auch Erika Qualen beschäftigt. Die 76-Jährige hilft auch heute noch gelegentlich aus. „Eine schöne Zeit“, denkt die Gettorferin an die vielen, vielen Jahren hinterm Ladentisch zurück. „Ja, eine schöne Zeit, aber alles hat einmal ein Ende“, sinniert Ritta Peetz. Wie viel Freude, aber auch wie viel Leid haben die beiden Geschäftsfrauen mit den Kunden geteilt. „Hier ging es immer sehr persönlich zu“, sagt Erika Qualen, „ich könnte glatt ein Buch schreiben.“

 Die Regale – auch drei Wochen vor der Schließung gut gefüllt – stammen aus einer Zeit, als Aldi & Co. noch keine Marktmacht waren. Die Einrichtung ist schön altmodisch – und die Kunden haben es immer so geliebt. „Als ich mal eine moderne Funkuhr an der Wand aufhing, gab es Proteste“, erzählt Ritta Peetz.

 Oberhalb der Regale sind die Wände dicht geklebt mit bunten Ansichtskarten. „Die haben uns liebe Kunden aus aller Welt geschickt“, sagt Peetzi. „Sogar aus China und Afrika sind Karten dabei“, ergänzt Erika Qualen. In diesem Moment schaut Stammkundin Ingela Karpenkiel – „geborene Lübeck“, wie sie lachend hinzufügt – vorbei. Aber eigentlich ist ihr gar nicht nach Späßen zumute. „Ich kann das gar nicht in Worte fassen, wie traurig ich über die Ladenschließung bin“, sagt sie. Fürs Zeitungsfoto holt sie noch schnell Kater Jacko. 20 Jahre ist der Gute bereits alt. Jeden Morgen schaut er bei Ritta Peetz vorbei. Er scheint zu wissen, wie tierlieb die 70-Jährige ist. Vor drei Jahren nahm sie über die Internet-Vermittlung „Hundeliebe grenzenlos“ eine aus Zypern stammende Hündin bei sich auf. Jette heißt sie – „ein Mix aus Neufundländer, Retriever und noch ein paar anderen Sorten“, wie Peetzi erläutert.

 Ab August könnte sie endlich einmal Urlaub machen. Will sie aber gar nicht. „Mir reicht mein Garten.“ Dort kann sie sich demnächst ganz in Ruhe an die vielen schönen und auch an die wenigen nicht so schönen Erlebnisse in ihrer kleinen Tante-Emma-Welt erinnern. Zum Beispiel an den Tag im Februar 2015, als ein maskierter Strolch den Laden betrat und rief: „Das ist ein Überfall!“ Statt die Kasse zu öffnen, entgegnete Ritta Peetz kühl: „Du bist wohl nicht ganz dicht.“ Als in diesem Moment glücklicherweise ein Nachbar mit seinem Hund vorbei kam, ergriff der Ganove die Flucht.

 „Schreiben Sie ja etwas Vernünftiges, sonst gibt’s Ärger“, gibt Peetzi dem KN-Reporter beim Abschied lächelnd mit auf den Weg. „Und vergessen Sie nicht zu erwähnen, dass ich mich bei allen meinen Kunden ganz herzlich für die langjährige Treue bedanke.“

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Burkhard Kitzelmann
Eckernförder Nachrichten

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