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Plattsnacken hilft Flüchtlingen

Rotary Dänischer Wohld Plattsnacken hilft Flüchtlingen

„Wat tum Högen“ und dabei anderen Freude schenken: Das ist Rotary op Platt in Altenholz. 300 Besucher sorgten am Freitag für ein ausverkauftes Eivind-Berggrav-Zentrum in Stift und Superstimmung mit den Stars der Plattsnacker-Szene. Ergebnis: 4000 Euro Erlös für die Flüchtlingshilfe.

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Rotary op Platt in Altenholz ist ein Selbstgänger – auch für Annie Heger. Die Ostfriesin mit Wahlheimat Berlin ist urkomisch und dabei ein sprühendes Musical-Talent.

Quelle: Cornelia Müller

Altenholz. Wer sagt denn, dass flotter Musical-Sound nicht zu bodenständigem Plattdütsch passt? Annie Heger, gebürtig in Ostfriesland und Pendlerin zwischen der Wahlheimat Berlin und ihrem Dorf bei Oldenburg, ist der lebende Beweis: Die Fusion ist ein Muss. Moderator Andreas Schmidt vom NDR heimst reichlich Vorschusslorbeeren für die charmante Künstlerin ein, bevor sie überhaupt die Bühne betritt. Een Prost op de See, een Prost op Rotary intoniert sie eine eigenwillige Liedkreation, das gefüllt Bierglas – selbstredend alkoholfrei – balancierend bei temperamentvollem Vortrag. Fröhliche Ausstrahlung und Showtalent treffen das Qualität gewohnte Altenholzer Publikum spontan ins Herz. Fast gibt es schon nach einer halbe Stunde Standing Ovations für Songs, Tanz und so herrlich süffisante autobiografische Anekdoten der Ostfriesin „mit de swatte Hoor, de so gor nich to mine blonde Heimat passen“. Hegers Altenholz-Debüt ist der Volltreffer. Lokalmatador Matthias Stührwoldt aus Stolpe kann locker mithalten. „Nur een lütte Beitrag ut de Sendung Hör mal’n beten to“, kündigt der erfolgreich schreibende Biobauer an. Die Langfassung, satte 15 Minuten, lässt binnen kürzester Zeit die Lachtränen kullern. Wie sich Stührwoldt immer tiefer in die eher intime „Hommage an mine Öllern“ verstrickt, hat Klasse. Da biegt sich selbst Ehefrau Birte, die am Freitag Geburtstag hat und ihren Schatz begleitet hat, vor Vergnügen.

 Mit frecher plattdeutscher Klappe inszeniert NDR-Frau Ines Barber postwendend die weibliche Sicht der auf dem Rennrad zur Schau getragenen Männlichkeit. Keine Alltagssituation ist der Rendsburgerin schlicht genug, um nicht doch noch die urkomische Note herauszukitzeln. Die Fangemeinde johlt. Feinsinnig und mit Tiefe startet NDR-Redakteurin Ilka Brüggemann aus Hannover. Auch für sie ist der Auftritt in Altenholz beim Veranstalter Rotay Club Dänischer Wohld eine Premiere. Dass der Erlös des Abends der Friedensgruppe der Kirchengemeinde für die Flüchtlingsarbeit zugute kommt, haben vorab Ingrid Heller und Bürgermeister Carlo Ehrich erläutert. Die Pointe ihrer ersten kurzen Story passt dazu haargenau. Den Schlusspunkt setzt Dauergast Jan Graf. Stand-up-Comedian, Lyriker, Musiker, Autor – alle Rollen sind ihm auf den Leib geschrieben. Highway to Hell auf dem Akkordeon singt das Publikum schon beim ersten Ton aus voller Kehle mit. Seine ambivalente Trauer-Gratwanderung um den verstorbenen Hund namens Fehmarn gerät zum Meisterstück. „Fehmarn bellt nich mehr...“, schließt er wortspielerisch. Traurig. Aber die Erinnerung, die bleibt, ist köstlich aus Herrchens Munde.

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Ein Artikel von
Cornelia Müller
Eckernförder Nachrichten

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