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Das Größte ist der Blick über Eckernförde

Rundspeicher Das Größte ist der Blick über Eckernförde

Es ist Eckernfördes Wahrzeichen. Und seit ein goldener Engel auf der Spitze thront, ist der historische Rundspeicher am Hafen eine Art Schutzsymbol. 300 Gästen wagten mit der Heimatgemeinschaft den Aufstieg auf das Silo von 1931.

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Was für ein Blick: Vom zylinderförmigen Turmaufsatz des historischen Rundsilos am Hafen von Eckernförde sehen die Altstadt und die neuen Gebäude der Hafenspitze wie bunte Bausteine aus. Der Segelclub und der Marinehafen erstrecken sich fast sichelförmig vor der sich nach Nordosten öffnenden Bucht.

Quelle: Cornelia Müller

Eckernförde. Fritz Wilhelm Blaas, der „dem kleinen Grüppchen“, wie er irrigerweise annahm, Einlass in das markante Bauwerk gewähren wird, lächelt. Telse Stoy, Vorsitzende der Heimatgemeinschaft, und Christel Fries, die die Gäste begrüßt, blicken schon angespannter auf den Platz vorm Silo. Der füllt sich jetzt rasant mit Menschen. „Damit habe ich nicht gerechnet“ raunt Stoy und kämpft sich auf die Terrasse des Lokals Luzifer vor. „Dieses Restaurant füllt heute das Erdgeschoss des ehemaligen Getreidespeichers aus“, hebt Blaas an. „Ansonsten ist es leer. Weil es unter Denkmalschutz steht und wegen der statischen Verhältnisse ist für die Etagen keine wirtschaftlich Nutzung mehr möglich.“ Launig, plattdeutsch und angenehm klar dringt seine Stimme durch. Die 300, auf den Gipfelsturm auf staubigen Stiegen mit dürren Geländern und eisernen Wendeltreppen brennen, lauschen gebannt.

 Blaas kennt jeden Winkel der schummrigen Etagen mit Lagerkammern für Schrot und Korn. Er war bis 2012 Chef der Raiffeissen HG für alle Niederlassungen und Silos zwischen Kanal und Dänemark. Auch der stämmige runde Speicher, der mit dunkelroter Backsteinverblendung einzigartig ist, unterstand ihm, bis er 1986 nicht mehr für den Getreideumschlag gebraucht wurde. Kein anderer der ehemals sieben Silos der Stadt blieb von der Abrissbirne verschont. Sie alle waren nur schmucklose Zweckbauten. Der Hafenspeicher aber bekam Denkmalschutz.

Hier sehen Sie Bilder von einem Rundgang durchs Silo in Eckernförde.

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 Die Augustsonne heizt selbst die dicke innere Betonschale des Silos auf. Der Aufstieg bis in den schmalen zylinderförmigen Aufsatz oerhalb des breiten Kupferdachs auf Deck acht ist schweißtreibend. Kein Fahrstuhl führt im Mittelschacht nach oben. Jeder muss diese dunkelgrauen Betonstufen, auf denen verlorene Federn und Schmutz zu einem seltsam rauen Belag verwachsen sind, hochkraxeln. „Auf eigene Gefahr“, hat Blaas den Gruppen zu jeweils 50 Personen, die er nach oben und hinab geleitet, eingeschärft. Auf einem der oberen Decks erläutert er die einfachen Funktionen der jetzt gähnend leeren Lagerkammern.

 Das Größte aber ist: Man darf vorsichtig die engen Fenster öffnen. Grandios ist ist der Blick über die Dächer der Altstadt bis zur Hafenspitze. Erhaben ragt Borbys Kirche aus dem üppig grünen Hügel. Weit öffnet sich die tiefblaue Bucht. Binnenhafen, Holzbrücke und Boote sehen wie eine Spielzeuglandschaft aus. Frau-Clara-Straße, Zwillingsgiebel und Sankt-Nicolai-Kirche formieren sich zu pittoresker Kulisse.

 Susanne Schulze-Ehrenfeld aus Berlin richtet beglückt das Smartphone auf die Szenerie. „Wunderschön“, schwärmt sie. „Seit 41 Jahren reise ich nach Eckernförde. Vor dem Rundsilo habe ich als Kind zugesehen, wie Getreide durch Rohre in Lastwagen floss.“ Inge und Richard Schirmer aus Osterby blicken versonnen aus einem der anderen Fenster. „Und ich habe als Junge Getreide mit Pferd und Wagen angeliefert“, sagt er. „Das ist bald 70 Jahre her. Welch ein Erlebnis, das heute aus dieser Perspektive noch einmal nachzuvollziehen.“

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