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Rettungsschwimmer in Not

Eckernförde/Strande Rettungsschwimmer in Not

Gerade hat es aufgehört zu regnen, der Eckernförder Kurstrand ist menschenleer, die Strandkörbe sind verschlossen, niemand ist im Wasser. Am Wachturm der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) hat Marcel Oheim den Strand und das Meer dennoch im Auge. Ein gutes Bild, doch die Lebensretter haben Nachwuchssorgen.

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DLRG Rettungsschwimmer Marcel Oheim (17) ist seit zwei Wochen als Rettungsschwimmer im Einsatz. „Bisher habe ich nur in Übungen jemanden aus dem Wasser gerettet“, sagt er und kontrolliert den gelben Gurtretter, den er in der Hand hält. Er wohnt in Hamburg und ist das erste Mal für die DLRG an der Küste im Einsatz.

Quelle: Christoph Rohde

Eckernförde/Strande. Der 17-Jährige ist seit zwei Wochen in Eckernförde als Rettungsschwimmer im Einsatz, seit Beginn der Saison. „Bisher habe ich nur in Übungen jemanden aus dem Wasser gerettet“, sagt er und kontrolliert den gelben Gurtretter, den er in der Hand hält. Er wohnt in Hamburg und ist das erste Mal für die DLRG an der Küste im Einsatz.

 „Die Rettungsschwimmer, die hier arbeiten, kommen aus dem gesamten Bundesgebiet“, erklärt Björn Fischer, Vorsitzender der DLRG in Eckernförde. Der Zentrale Wasserrettungsdienst in Bad Nenndorf teile die Rettungsschwimmer für die verschiedenen Badestrände in Deutschland ein.

 Sechs Rettungsschwimmer bewachen derzeit den 2,5 Kilometer langen Kurstrand in Eckernförde. Sie kommen aus Hamburg, Bayern, dem Saarland und Nordrhein-Westfalen.

 Jedes Jahr werde es schwieriger, Rettungsschwimmer für den Einsatz an der Ostsee zu gewinnen, sagt Björn Fischer. Einen Grund sieht er in der geringen Aufwandsentschädigung, die die DLRG-Schwimmer erhalten: „Das ist im Prinzip eine ehrenamtliche Tätigkeit. Wenn man schnell viel Geld verdienen will, sucht man sich eine andere Aufgabe.“ Zwischen fünf und 7,50 Euro verdienen die Schwimmer in Eckernförde am Tag, außerdem wird die Unterkunft gestellt und die Anfahrt bezahlt.

 „Man muss den Leuten schon was bieten, damit sie herkommen“, sagt Nobert Ehrich, Chef der Touristik in Schwedeneck. Die Gemeinde stelle den DLRG-Schwimmern daher eine moderne Unterkunft am Strand zur Verfügung und zahle pro Tag immerhin 22 Euro Essens- und Tagegeld. Trotzdem sei es schwierig, genügend Leute zu bekommen. Sechs Rettungsschwimmer sind jedes Jahr an den Stränden in Surendorf und Dänisch-Nienhof im Einsatz. Jeweils 600 Meter Strandabschnitt bewachen sie, allerdings erst ab dem 27. Juni, dann beginnen die Sommerferien in Nordrhein-Westfalen. „Viele der Rettungsschwimmer sind ja Schüler, die hier ihre Ferien verbringen“, erklärt Ehrich.

 Auch in Strande hat die Saison für die Rettungsschwimmer noch nicht begonnen. Ab dem 20. Juni wird der 500 Meter lange Strandabschnitt bewacht, hier allerdings von zwei Mitgliedern der Wasserwacht. Personalknappheit gibt es aber auch dort. „Im vergangenen Jahr konnten wir erst eine Woche später als geplant einen bewachten Badestrand anbieten, weil uns die Leute fehlten“, erzählt Heiko Drescher von der Touristinformation Strande.

 „Nachwuchssorgen haben ja viele ehrenamtliche Einrichtungen“, sagt Björn Fischer. Er weiß, dass die DLRG kein Einzelfall ist. In Eckernförde sieht er aber noch ein weiteres Problem: „Uns fehlen die Schwimmplätze, um genügend Jugendliche auszubilden.“ Um Prüfungen abzulegen, müssten sie nach Kiel in die Schwimmhalle der Uni fahren. Außerdem würden viele Jugendliche nach dem Schulabschluss zur Ausbildung oder zum Studieren wegziehen. „Auch der demografische Wandel macht sich hier bemerkbar“, sagt Fischer.

 Trotz der Personalsorgen kann Fischer die Badegäste beruhigen: „Wir sind auch in der Hochsaison ausreichend besetzt.“ Wenn Not am Mann sei, würden die DLRG-Mitglieder aus Eckernförde einspringen und die Lücken füllen.

 Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ist mit 1, 25 Millionen Mitgliedern die größte freiwillige Wasserrettungsorganisation der Welt. Sie wurde 1913 in Leipzig als gemeinnütziger Verein gegründet. Sie hat das Ziel, Menschen vor dem Ertrinken zu schützen, in dem sie möglichst vielen das Schwimmen beibringt. Sitz der Bundesgeschäftsstelle ist das niedersächsische Bad Nenndorf.

 Etwas weniger bekannt ist die Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Die Einrichtung des DRK wurde bereits 1883 gegründet, ist mit 137000 Mitgliedern jedoch deutlich kleiner als die DLRG. Aber auch sie bietet Schwimmkurse an, und ihre Mitglieder sind als Rettungsschwimmer im Küstenbereich tätig.

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Ein Artikel von
Anne-Kathrin Steinmetz
Lokalredaktion Kiel/SH

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