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Runter mit der Wolle

Eckernförde Runter mit der Wolle

Schon von Weitem ist das aufgeregte Blöken der Heidschnucken zu hören. Nahe den Eckernförder Goosseewiesen ist am Freitagmorgen etwas Besonderes in Gange: Schafschur. Schäferin Anke Mückenheim hat sich an die Arbeit gemacht, insgesamt sollen 40 Schafe ihre Wolle abgeben.

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Schweißtreibende Arbeit: Anke Mückenheim schert eine der Heidschnucken, 39 folgen noch.

Quelle: Kai Pörksen

Eckernförde. Das ist Schwerstarbeit. Mückenheim ist versiert und erledigt die Arbeit in maximal fünf Minuten je Tier, aber diese Minuten haben es in sich. Die Schäferin muss fest zupacken, denn so ganz freiwillig wollen die Heidschnucken ihr Fell nicht hergeben. Glücklicherweise haben sie Hörner, und an denen lassen sie sich gut packen. Für die Schur werden die Tiere auf den Rücken gedreht. „Sie fallen dann in eine Duldungsstarre“, sagt Mückenheim, so ließen sie sich dann entspannt scheren. Doch kaum stehen sie wieder auf den Beinen, werden sie nervös, wenn es an die letzten kleinen zu scherenden Flächen geht. Mückenheim hält sie mit kräftiger Hand fest, während sie mit der anderen die Schermaschine schwingt.

 Von der Gorch-Fock-Schule sind zwei Schulklassen gekommen, um dem Spektakel beizuwohnen. Die Schüler der 2a mit Lehrerin Kerstin Sommer und die der 3a mit Angelika Dabbagh stehen staunend am Drahtzaun - nah genug, um alles zu sehen, weit genug weg, um nicht in den Gefahrenbereich der Hufe zu kommen, wenn die Schafe widerwillig strampeln sollten. Das Angebot, sich das einmal anzusehen, sei sehr willkommen gewesen, so Sommer. „Schnell haben wir eine Unterrichtseinheit dazwischengeschoben und den Weg der Wolle vom Schaf zum Pullover besprochen“, sagt sie.

 Fertig. Nackt, aber auch ein wenig befreit wirkt das Schaf, das Mückenheim wieder freigibt, und verschwindet auf der Wiese nebenan zum Erfahrungsaustausch mit seinen Kollegen. Etwa drei Kilogramm Wolle hat jede Heidschnucke abgegeben. Wirtschaftlich sei das nicht interessant, so die Schäferin, es sei mehr ein Nebenprodukt.

 Die Schafe hier hätten aber eine viel wichtigere Funktion: Auf den Goosseewiesen sind die Heidschnucken als „Landschaftspfleger“ eingesetzt. „Auf den halboffenen Weideflächen halten sie die Gräser kurz und helfen so, seltene Pflanzen zu schützen“, sagt Jürgen Schmidt vom Nabu Eckernförde. Die Tiere würden eine Verschilfung und Verbuschung vermeiden. Auf einer Wiese zeigt er ein Meer von Orchideen. „Die wachsen nur unter diesen Bedingungen“, so Schmidt.

 Für Nachwuchs ist längst gesorgt, der Bock hat ganze Arbeit geleistet. 28 Lämmer bevölkern das Gelände, einige davon sind sogar Zwillingspärchen. „Und das ist bei den grauen gehörnten Heidschnucken sehr selten“, so Schmidt.

 Mückenheim ist inzwischen schweißgebadet bei Nummer 15 angelangt. 25 Heidschnucken schauen noch erwartungsvoll hinter dem Gatter, was wohl auf sie zukommt.

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