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Komödie ist zum Högen

Schinkel Komödie ist zum Högen

Doppelmoral und Engstirnigkeit – so traurig diese Eigenschaften sind, für eine Komödie bieten sie Steilvorlagen. Und wenn das Stück dann auch noch so trefflich auf die Bühne gebracht wird, wie am Sonnabend die "Pension Sünnschien" von der DRK-Theatergruppe Schinkel, kann man sie direkt genießen.

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„Palastrevolte“ in der Pension „Sünnschie“: Ida Salm (Ann-Katrin Möller, rechts) muss ihren Mann Otto (Henning Schwampe) daran hindern, gegen die ungewohnt aufsässigen Senioren handgreiflich zu werden. Von links sind Kerrin Schümann, Jörg Bruckmüller, Wiebke Hartmann, Volker Schwampe und Jana Elliott zu sehen.

Quelle: Birgit Johann

Schinkel.  „Ick komm direkt u’n Knast.” Die resolute Elfie Wohlsen (Jana Elliott) hat mit dieser Eröffnung überhaupt kein Problem. Bei ihren Mitbewohnern der Pension und besonders bei den Inhabern der zweifelhaften Unterkunft, Ida und Otto Salm (Ann-Katrin Möller und Henning Schwampe) ist dies entschieden anders. Zumindest nach außen hin kehren die Salms nämlich die Saubermänner heraus, während sie in Wirklichkeit ihre Mieter, lauter Senioren, nach Strich und Faden ausnehmen und in ihrer Freiheit einschränken. Die alten Leute nehmen dies mit Resignation und wachsender Mordlust zur Kenntnis, streiten sich aber dennoch meistens, wie typisch menschlich, lieber untereinander über Kleinigkeiten. Dann wiederum ärgern sie sich gemeinsam über das schlechte Essen.

 Herrlich, wie pointiert Wiebke Hartmann die distanzierte Henriette Borasch mimt. Sie und ihr unterm Pantoffel stehender Kurt (Volker Schwampe) geben ein perfektes Seniorenpaar ab. Genauso überzeugend, mit vollem Einsatz, deutlicher Stimme und Aussprache, spielen ausnahmslos alle anderen Schauspieler.

 Aber zurück zum Stück: Ausgerechnet die Knasttante Elfie bringt schließlich Licht in den Laden. Hat sie doch nach ihrer Entlassung geerbt und schlägt vor, gemeinsam eine Senioren-Kommune aufzumachen. Die Alten entschließen sich allesamt zu kündigen, lassen die „Salmonellsch“ und ihren „Wilden Otto” einfach am Essenstisch zurück und spazieren zusammen durch den Publikumsraum. Die Salms müssen im wahrsten Sinne ihre Suppe selbst auslöffeln – ahnungslos, dass in dieser eine gute Dosis ihres eigenen, Durchfall verursachenden Schädlingsbekämpfungsmittels ist.

 Wer bisher keine Zeit hatte: Bis zum 24. Januar folgen noch weitere sieben Aufführungen des Stücks in Schinkel, Surendorf und Holtsee.

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