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Ist der Schutzstreifen zu gefährlich?

Eckernförde Ist der Schutzstreifen zu gefährlich?

Die Eckernförder Politik steckt in einem Dilemma. Da wird nach langer und ausführlicher Beratung ein Radverkehrskonzept verabschiedet, mit dem Ziel, das Fahrradfahren im Ostseebad sicherer zu machen, doch bereits bei der ersten Maßnahme, die umgesetzt wird, gibt es einen Aufschrei.

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Wird nicht oder nicht so genutzt wie gewünscht: Viele Schulkinder fahren auch weiterhin auf dem Radweg statt auf dem Schutzstreifen an der Sauerstraße in Eckernförde.

Quelle: Kai Pörksen

Eckernförde. Eltern wollen ihre radelnden Kinder nicht auf den Schutzstreifen an der Sauerstraße schicken, weil ihnen dieser zu gefährlich erscheint.  Der Termin war denkbar ungünstig, die Kommunikation unglücklich. Während der Herbstferien 2015 wurde der 1,50 Meter breite Schutzstreifen an der Südseite auf die Fahrbahn der Sauerstraße aufgebracht. Was es damit auf sich hatte, wusste zunächst keiner. Erst als unsere Zeitung im Rathaus nachfragte, gab es eine Antwort. Es handele sich um einen Schutzstreifen, den Radfahrer künftig nutzen müssten, weil der Radweg mit Begegnungsverkehr an der Sauerstraße aufgrund einer Breite von 2,50 Meter nicht mehr zulässig sei. Die Eltern der an der Sauerstraße ansässigen drei Schulen erfuhren von der Neuregelung aus der Zeitung. Sie waren von der Stadt zunächst nicht informiert worden. Das wurde inzwischen nachgeholt, doch zufrieden ist auch danach keiner.

 Nun befasste sich der Hauptausschuss in seiner jüngsten Sitzung noch einmal mit dem Thema. „Wie sollen wir weiter verfahren?“, fragte Ausschussvorsitzender Martin Klimach-Dreger (SPD) und verwies auf eine große Unsicherheit und Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Dafür wurde Verständnis geäußert, zugleich aber auch auf das Dilemma verwiesen: „Die Politik kann keinen Einfluss auf geltendes Recht nehmen“, argumentierte Matthias Huber (Bürger-Forum). Auch Heinz-Michael Kornath (CDU) machte deutlich, dass rechtlich alles in Ordnung sei. Was fehle, sei der Lerneffekt. Sein Vorschlag: Alles so lassen, wie es ist, sich aber mit der örtlichen Verkehrswacht in Verbindung setzen, um aufklärend tätig zu werden. Kornaths Beobachtung: Immer mehr Radfahrer würden den Schutzstreifen inzwischen nutzen. Sein Appell: „Gewöhnt euch an das, was nicht schön ist, aber notwendig.“ Susanne Molt (FDP) sieht das ähnlich: „Ich glaube, das ist noch ein optisches Problem.“ Auch sie sprach sich für den Lerneffekt aus. Nach Worten von Rainer Bosse (SSW) sei die Straße ungeeignet für solch einen Schutzstreifen, weil sie nicht breit genug dafür sei. Das, so sein Vorschlag, sollte unbedingt noch einmal überprüft werden. Die Frage von Rainer Beuthel (Linke), warum der erste Schutzstreifen für Radfahrer in Eckernförde gerade an einem solch sensiblen Bereich umgesetzt werden musste, wurde nicht beantwortet.

 Am Ende der Diskussion war man nicht viel schlauer als zu Beginn. Martin Klimach-Dreger sprach von einer Gemengelage unterschiedlicher Rechtsauffassungen und Emotionen. Die Idee, sich an die Verkehrswacht zu wenden, bewertete er als „charmant“. Das würde die Diskussion möglicherweise auf eine andere Ebene führen.

 Bürgermeister Jörg Sibbel zeigte sich verwundert über einige Wortbeiträge. Die Rechtslage sei im Januar eindeutig von Bauamtsmitarbeiter Axel Sperber dargelegt worden. Danach sei alles absolut korrekt. Der Verwaltungschef verwies in diesem Zusammenhang auf einen Flyer, der bereits in Auftrag gegeben sei und der zur Aufklärung beitragen solle. Eine Info-Veranstaltung mit der Verkehrswacht hält er für denkbar.

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Ein Artikel von
Uwe Rutzen
Ressortleiter Eckernförder Nachrichten

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