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Bücher-Bus ist kein Auslaufmodell

Schwedeneck Bücher-Bus ist kein Auslaufmodell

Die Bücherwürmer warten schon an der Haltestelle. Trotzdem drückt Busfahrer Knut Schäfe auf die Hupe, damit alle Stammkunden im Dorf auch wirklich Bescheid wissen: Die Fahrbücherei ist wieder da. In Schwedeneck gehört Christoph Piepenbrink (42) zu den treuen Besuchern der rollenden Bibliothek.

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„Das Angebot ist hier querbeet und gut“: Stammkunde Christoph Piepenbrink (rechts) aus Surendorf leiht gleich kistenweise Bücher für seine Kinder, Ehefrau Lydia und sich selbst aus – Diplom-Bibliothekar Harald Gäble hilft ihm gern dabei.

Quelle: Jan Torben Budde

Schwedeneck. „Die Fahrbücherei hält direkt vor unserer Haustür“, begründet der Familienvater seine Vorliebe für die rollende Bibliothek, die alle drei Wochen vor Ort ist, „das Angebot ist hier querbeet gut.“ Er mag nordische Krimis und seine Frau Lydia steht auf Gartenhefte. Ebenso leiht Piepenbrink Filme und Hörbücher aus. Sohn Anton (6) entscheidet sich wieder einmal für sein Lieblingsbuch Die unglaublich abenteuerliche Reise von Nö-Nö und seinen Freunden. Sein Vater hat eigens eine Kiste mitgebracht, um alle Bücher zu verstauen. Bei dem Halt im Ortsteil Surendorf tummeln sich an diesem Nachmittag zeitweise sieben Kinder und Erwachsene vor den Regalen. Ist eine Schulklasse zu Gast, wuseln dort 20 Kinder herum.

Wer seinen Literaturwunsch nicht findet, wendet sich an Harald Gäble. Der Diplom-Bibliothekar ist seit 35 Jahren im Fahrbücherei-Geschäft, davon allein 20 Jahre im Altkreis Eckernförde. Der 62-Jährige berät die Nutzer und gibt bei Bedarf Bücherbestellungen in den Laptop ein – wenn im Dorf die Internetverbindung funktioniert. Einige Stammleser kennt der Kieler schon seit 20 Jahren: „Die Atmosphäre ist beinahe familiär.“ So bringe eine Felmerin immer Kaffee und Kuchen mit, wenn sie die Fahrbücherei besucht. Und Pannenhilfe ist Ehrensache auf dem Land: Als der Bus einmal im Graben festsaß, habe sie ein Bauer herausgezogen, so Gäble. Bei einem Schaden an der Kupplung musste das Fahrzeug jedoch in die Werkstatt.

Ist die Fahrbücherei angesichts von E-Books (elektronische Bücher) ein Auslaufmodell? Gäble schüttelt den Kopf. Im Amtsbereich Dänischenhagen, wozu die Gemeinde Schwedeneck zählt, seien die Entleihungen von 6733 (2014) auf 7122 (2015) gestiegen. Seine Frau lese auch Digitalbücher, er selbst stehe auf das gedruckte Wort. „Ich mag den Geruch von Büchern und das Knistern der Tageszeitung“, sagt er schmunzelnd. Als aktuelle „Renner“ unter den Büchern nennt der Bibliothekar übrigens Der Junge muss an die frische Luft von Hape Kerkeling. Und was lesen Mädchen und Jungen gern? Gäbles Angaben dazu werden von zwei Kindern aus Surendorf bestätigt: Während Niklas (8) auf dem Boden der Fahrbücherei sitzend in einem Star Wars-Buch blättert, schmökert seine Schwester Janna (4) in Pferdeliteratur. „Die Auswahl ist gut“, sagt Mutter Maren Löwe, „mehr brauchen wir nicht.“

Zahlen zu den Fahrbüchereien

Seit 1962 sind die Fahrbüchereien in Schleswig-Holstein unterwegs, um den ländlichen Raum mit Lesestoff zu versorgen. 13 Bücherbusse steuerten im vergangenen Jahr landesweit knapp 2000 Haltestellen an. Die Büchereizentrale verbuchte rund eine Million Ausleihen. Allein die Fahrbücherei 8 im Kreis Rendsburg-Eckernförde versorgt 36 Gemeinden mit Büchern, Zeitschriften, Hörbüchern, CDs und DVDs. Aktive Leseausweise: 2241. Laut Statistik waren es im vergangenen Jahr unterm Strich fast 98000 Entleihungen – davon rund 2700 digitale. Hinzu kommen 15 Schulen und 31 Kindertagesstätten. Auf jeder Fahrt können die Nutzer im Fahrzeug unter rund 4500 Medien auswählen. Der Gesamtbestand pro Fahrbücherei ist aber deutlich größer, umfasst etwa 25000 Medien. Um noch mehr Menschen Zugang zu Medien und Informationen zu bieten, sind die Fahrbüchereien des Büchereivereins Schleswig-Holstein, dem Träger der fahrenden Bücherstuben, im Verbund der Onlinebibliothek „Onleihe zwischen den Meeren“ vertreten.

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