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Umsonstladen in Schinkel Hier gibt’s alles gratis

Umsonstladen klingt zwar billig. Wer aber im Dachgeschoss der „Schinkler Möhl“ in Kartons, Regalen und auf Tischen stöbert, entdeckt außer Trödel ein Sammelsurium an brauchbaren Gegenständen und manchen  Schatz. Seit zehn Jahren gibt es die Einrichtung, die auch von Flüchtlingen genutzt wird.

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Winterjacken, Pullover und Hosen aus dem Umsonstladen in Schinkel stehen nicht zuletzt bei Flüchtlingen hoch im Kurs: Dorothea Woile und Gebhard von Reibnitz beraten die Asylbewerber aus Syrien gern bei der Auswahl.

Quelle: Jan Torben Budde

Schinkel. Ob Stofftiere, Spiele, Töpfe, Espressomaschine, Gläser, Geschirr, Bettzeug, Koffer, Schallplatten, Kleidung, Carrerabahn oder Bruce-Lee-Bild: Tausende Artikel beherbergt der 50-Quadratmeter-Raum – alles ist gratis. „Sogar einen Smoking, ein Hochzeitskleid und ein Paddelboot haben hier schon den Besitzer gewechselt“, berichtet Uwe von Ahlften aus dem Umsonstladen-Team, „jeder kann zu uns kommen.“ Die Kunden stammen dem Lehrer zufolge aus dem Dorf und dessen Umgebung, Kiel, Schwansen und sogar aus Schleswig – auch Flüchtlinge nutzen das Angebot.

 Im April 2016 besteht der Laden zehn Jahre. Die Idee stammt von Gebhard von Reibnitz (84). Dem Ingenieur aus Schinkel schwebte ein Warentausch wie in der Nachkriegszeit vor, wobei Geld keine Rolle spielt. Das Grundprinzip: Weder bekommt ein Spender auch nur einen Cent für einen ausrangierten Mantel oder Fernseher, noch muss der neue Besitzer dafür Bares hinblättern. „Aber alles muss sauber und funktionstüchtig sein“, so von Ahlften. Denn zum Bedauern des Teams landeten auch schon Töpfe mit Suppenresten im Umsonstladen. Träger ist der Verein Ökologische Aktion Schinkel. Die Gemeinde stellt dem 15-köpfigen Team den Raum in der Möhl gratis zur Verfügung. Die Betriebskosten übernimmt von Ahlften zufolge aber der Verein, der von Spenden profitiert. In den ersten vier Jahren wurde der Umsonstladen noch von der Agentur für Arbeit (Arge) unterstützt, die Ein-Euro-Jobber dorthin schickte. Jetzt schmeißen die ehrenamtlichen Helfer die Einrichtung allein. „In jeder Drei-Stunden-Schicht kommen zwölf bis 20 Kunden“, schätzt von Ahlften.

 Gerade sind Flüchtlinge zu Gast. Baker aus Syrien sucht eine Winterjacke. Dorothea Woile (79) aus dem Umsonstladen berät den 28-Jährigen, der zudem noch zwei blaue Kerzenhalter mitnimmt, damit etwas gemütliche Atmosphäre ins Flüchtlingsheim einkehrt. Sein Landsmann Abed packt einen Weihnachtskranz ein. Seine Gedanken sind jedoch bei seiner Verlobten, die andernorts untergebracht ist. Der 29-Jährige zeigt ein Foto von Rama auf seinem Smartphone. Er hofft, dass sie Weihnachten zusammen verbringen.

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