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Ziel: Barrierefreiheit

Senioren-Erlebniswoche in Gettorf Ziel: Barrierefreiheit

Ältere Menschen am Rollator, MS-Kranke im Rollstuhl, Mütter mit Kinderwagen, Blinde – sie alle wünschen sich Barrierefreiheit. Doch im Alltag lauern überall Hindernisse. Wie lassen sich diese beseitigen? Darüber wurde am Dienstag im Rahmen der Gettorfer Senioren-Erlebniswoche diskutiert.

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Wenn Treppensteigen zur Last wird ... Barrierefreiheit in den eigenen vier Wänden und im öffentlichen Raum rückt angesichts des demografischen Wandels immer mehr in den Fokus.

Quelle: Mascha Brichta

Gettorf. Auch Statistiken können ein Hemmschuh sein. „Schaut auf die Bedürfnisse der älteren Menschen und nicht darauf, wie oft eine Straße überquert wird“, forderte der Initiator der Erlebniswoche, Roland Lauterbach, zu Beginn der Diskussion im Hotel Stadt Hamburg. Amtsvorsteher Kurt Arndt, zugleich Sprecher der Gettorfer SPD-Fraktion, räumte ein, dass die Politik in Sachen Barrierefreiheit noch Hausaufgaben zu machen habe. „Das gilt vor allem für den Verkehrsraum“, sagte er. Es müsse dafür gesorgt werden, dass Sportstätten und Veranstaltungsorte auch für Senioren erreichbar sind. Dies war ganz im Sinne von Ekkehard Krull. „Seniorensport braucht eine niedrige Hemmschwelle“, unterstrich der Vorsitzende des MTV Dänischenhagen und meinte damit nicht nur das Beseitigen baulicher Barrieren.

 Bei ihren Bemühungen, den öffentlichen Raum vor allem auch für die sogenannten schwächeren Verkehrsteilnehmer besser nutzbar zu machen, setzt die Gemeinde große Hoffnungen auf ein Verkehrskonzept. „Dieses Projekt ist in Planung“, sagte Marco Koch (CDU), Vorsitzender des Bauausschusses. Ebenfalls in Planung ist der barrierefreie Ausbau des Bahnhofs – „Gott sei Dank“, wie Koch anmerkte. Auf der Agenda stehen nach seinen Worten außerdem eine Tempo-30-Zone für den Straßenzug Teichstraße/Am Markt sowie zwei neue Fußgängerüberwege in Höhe Feuerwehrhaus und Bürgerpark.

 Angesichts des demografischen Wandels spielt Barrierefreiheit auch in den eigenen vier Wänden eine immer größere Rolle. Schwellenlose Zugänge zu Balkon und Terrasse, höhenverstellbare Oberschränke in der Küche, unterfahrbare Waschtische im Bad – Architekt Karsten Jandke aus Gettorf, Mitinhaber des Kronshagener Büros Hochfeldt und Partner, erläuterte, was an Umbaumaßnahmen alles machbar ist. Und wie lassen sich diese finanzieren? Jandke verwies auf Förderprogramme von Bund und Land. So bezuschusse die KfW Badumgestaltungen mit 4000 Euro. Als alternative Wohnform für das Alter stellte der Architekt das Modell der Senioren-Eigentümergemeinschaft vor, die seinen Worten zufolge mehrere Vorteile bietet: „Man bekommt einen barrierefreien Neubau, wohnt unter Gleichgesinnten, und jeder ist sein eigener Wohnungseigentümer.“ Nach Meinung des Seniorenbeiratsvorsitzenden Gerd Finke sollte in Sachen Barrierefreiheit vordringlich in vorhandenen Wohnraum investiert werden. „Auch damit können Architekten Geld verdienen“, sagte er. Bürgermeister Jürgen Baasch (SPD) sprach das Thema sozialen Wohnungsbau und damit einen wunden Punkt an. Im Saal herrschte Einigkeit darüber, dass dieses Thema jahrzehntelang vernachlässigt worden sei. „Für Investoren ist sozialer Wohnungsbau nicht attraktiv“, sagte Jandke. Könnte nicht vielleicht die Gemeinde selbst aktiv werden und als Vermieter auftreten, wollte Pastorin Christa Loose-Stolten wissen. Rechtlich sei das möglich, antwortete Amtsdirektor Matthias Meins. Es stelle sich jedoch die Frage, ob die Gemeinde sich dies angesichts extrem hoher Belastungen – als Beispiel nannte Meins die Investitionen im Kita-Bereich – leisten kann.

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Ein Artikel von
Burkhard Kitzelmann
Eckernförder Nachrichten

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