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Katzenhai in der Ostsee gefangen

Strande Katzenhai in der Ostsee gefangen

Plötzlicher Umzug, Familiengründung inklusive: Eine Katzenhai-Dame aus der Strander Bucht, die Fischer Hans-Günter Hartwig ins Netz gegangen ist, hat ein neues Heim. Im Aquarium Geomar in Kiel schwimmt sie jetzt zwischen Herren ihrer Art. Dass sie bald Eier legt, „ist so gut wie sicher“, sagen ihre Pfleger.

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Seltener Fang: Fischer Hans-Günter Hartwig aus Strande hatte den kleinen Katzenhai in seinem Netz.

Quelle: hfr

Strande.  Hans-Günter Hartwig tuckert Ende vergangener Woche mit seinem Kutter zu den Stellnetzen, wie seit 45 Jahren. Dorsch erwartet er darin in fünf Meter Tiefe. Den will er gleich am Fischersteg verkaufen. Als er das Fanggerät einholt, zappelt auch ein 70 Zentimeter langer schlanker Fisch im Netz, der ihm unbekannt scheint. „Das muss ein Hai sein, nur in klein“, sagt er sich. „Die Haut ist rau wie Sandpapier. Das Maul sieht aus wie beim großen Hai, sogar spitze Zähnchen hat er.“ Vorsichtig nimmt er das Tier heraus und setzt es separat in einen Behälter mit Ostseewasser. Zurück im Strander Hafen ruft er den Fischmeister an, der auf einen Kleingefleckten Katzenhai tippt und rät, das Aquarium zu informieren. Und Uwe Pettke, Vorsitzender des Fischervereins und Meeresbiologe, bekräftigt: „Ein Katzenhai ist bei uns etwas Besonderes. Diese Tiere kommen oft in der Nordsee vor. Aber südlich vom Kattegat sind sie rar.“

 Der Zufallsfang ist ein Volltreffer. Sofort machen sich Mitarbeiter vom Aquarium an der Kiellinie auf den Weg. Sie stellen fest, dass es sich um ein geschlechtsreifes Katzenhai-Weibchen handelt. „Darauf haben wir nur gewartet“, sagt Tierpfleger Ralf Traulsen. „Wir haben zehn Katzenhaie im Nordsee-Schaubecken. Für unser bisher einziges Hai-Mädchen ist diese Männer-WG stressig. Ständig sind die Jungs hinter ihr her. Ein zweites Weibchen bringt Entspannung. Und es gibt eine Blutauffrischung im Bestand.“

 Allerdings muss die Strander Hai-Dame erst behutsam umgewöhnt werden. Ihr Organismus ist auf Ostseewasser eingestellt, das die Hälfte des Salzgehalts der Nordsee hat. Tierpfleger-Azubi Christoph Ronnisch führt ihrem Einzelbecken von Tag zu Tag salzhaltigeres Wasser zu. Er prüft ihr Wohlbefinden, füttert sie mit Tintenfisch und Muscheln aus der Tiefkühltruhe. Dann ist es so weit: Zu Wochenbeginn hat die Neue ihren Auftritt im Haifischbecken.

 Traulsen und Ronnisch beobachten seitdem gespannt, wie sie die neue Welt erkundet: Die liebeshungrigen Artgenossen hält sie noch auf Distanz. Am Grund ruht sie neben einem getarnten Steinbutt, bis sich plötzlich ein weiteres fremdes Wesen wie eine Decke über sie legt – ein Rochen. Genervt steigt sie auf, als der Unbekannte sie zwickt.

 Ihre Mitbewohnerin aber wird sie erst später kennenlernen. „Die ist zur Kur“, sagt Traulsen verschmitzt. Im großen grünen Behälter darf sie vorerst allein entspannen. „Katzenhaie sind rabiat bei der Paarung“, verrät der Pfleger. „Beißen der Angebeteten einfach in die Flossen, um sie festzuhalten und die Samenfäden direkt in ihren Körper zu geben...“ Mit großem Erfolg: Im Aufzuchtbecken paddelt lustig der Nachwuchs. Und in den großen transparenten Hai-Eiern, die sich mit Haltefäden um Algen schlingen, sind Embryonen zu erkennen. In ein paar Monaten sind auch sie kleine Nordsee-Haie, die Aquariums-Gäste an Ostsee faszinieren.

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Ein Artikel von
Cornelia Müller
Eckernförder Nachrichten

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