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Nixe wartet auf die Kur

Skulptur in Eckernförde Nixe wartet auf die Kur

Als sie zur Welt kam, war sie babyrosa und aalglatt. Jetzt hat die dicke Dame mit dem Fischschwanz, die in Eckernförde sonst im Blumenmeer badet, Runzeln und Schrunden. Martins Wolke ironische Skulptur „Schwimmübungen“ braucht eine Kur. Das Warten dauert schon Monate.

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Die Skulptur „Schwimmübungen“ von Martin Wolke ist sichtbar angeschlagen. Die rosa Farbe des Kunststeins ist fahlem Grau gewichen. Seit Wochen warten die Stadtgärtner Eckernförde darauf, dass sie Nixe und Jüngling wieder ein Blumenmeer verpassen können. Phacelia dient als Zwischenlösung.

Quelle: Cornelia Müller

Eckernförde. Auch Nixen und ihre Begleiter brauchen offensichtlich Pflege. 14 Jahre nach dem Aufbau des 15 mal vier mal 2,50 Meter großen Kunstwerks mitten im Kurparkrasen bröckelt der Kunststein. Das Innenleben des überdimensionalen Fabelwesens und des nackten Jünglings mit verdrehtem Kopf, den die üppige Meerjungfrau ins Auge gefasst hat, liegt bloß: Glasfaser und Kunststoff, als wär’s ein Boot.

 „Das Werk muss dringend restauriert werden. Wind und Salzwasser haben der Skulptur sehr zugesetzt“, bestätigt Touristikchef Stefan Borgmann. „Die Stadt hat das in Angriff genommen. Wann die Reparatur in Absprache mit dem Künstler erfolgt, ist unklar.“ So weit, so gut. Oder auch nicht. Auf all den Urlaubsfotos 2016, auf denen Touristen die Riesin umarmen oder sich an den Mann im Adamskostüm schmiegen, sticht nun auch die holprige, ungleichmäßige Grünfläche drumherum ins Auge. Ausgerechnet das Zentrum des sonst so gepflegten Parks mit seiner Blütenpracht macht einen eher vernachlässigten Eindruck.

 „Uns ärgert das am meisten“, sagt Sylvia Bent, Leiterin der Stadtgärtnerei. Der Kurpark ist ein Aushängeschild des Teams. „Wir haben die Info, dass hier in Kürze Baustelle ist. So haben wir auf die fantasievolle florale Einbettung der Figuren verzichtet. Alle Pflanzen würden ja zertrampelt.“ Da außer Maulwürfen auch Wochen später niemand hier buddelt, haben die Gärtner jetzt den Gründünger Phacelia um Nixe und Jüngling gesät. „Die Blüten sind üppig und blau,“, ergänzt Bent. „Dann sieht es zumindest nicht ganz so traurig aus.“

 „Wie aufwendig die Reparatur ist, kann am besten der Künstler beurteilen“, sagt der Touristikchef. Wolke war für eine Antwort jedoch am Montag nicht erreichbar. Der 1971 geborene Künstler hatte 2002 einstimmig den Zuschlag für ein Kunstwerk im Auftrag der Stadt bekommen. Kostenpunkt: 45000 Euro. Der frühere Muthesiusschüler, der bei Jan Koblasa studiert hat, lebt und arbeitet in Kiel. Seine großen bunten Skulpturen haben oft eine witzige Seite und geben Betrachtern immer ein Rätsel auf. So „Schwimmübungen“: Warum sein Gesicht Kopf steht und wer ihr in die Schwanzflosse biss, bleibt ein Geheimnis. Anders ist es mit den Wunden im Gesicht der Nixe. Hier nagt klar der Zahn der Zeit.

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Cornelia Müller
Eckernförder Nachrichten

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