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Mit Leib und ganz viel Seele

Solo-Konzert von Heinz Rudolf Kunze Mit Leib und ganz viel Seele

Heinz Rudolf Kunze gastierte am Montagabend in Eckernförde. Obwohl die Zeiten seiner großen Hits wie "Dein ist mein ganzes Herz" oder "Mit Leib und Seele" schon etwas zurückliegen, füllte er problemlos die Stadthalle. Knapp 540 Besucher erlebten ein fast dreistündiges Solo-Konzert.

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Heinz-Rudolf Kunze in der ausverkauften Eckernförder Stadthalle.

Quelle: Uwe Rutzen

Eckernförde. Eckernförde. „Wäre ich ein Dichter, dann wählte ich das Schweigen. Wäre ich ein Sänger, dann wählte ich den Schrei.“ Heinz Rudolf Kunze ist Dichter und Sänger. Doch schweigend oder schreiend kennt man ihn nicht. Worte sind sein Leben. Er spielt mit ihnen, formt sie zu Lyrik – wie in besagtem Lied Der schwere Mut. Am Montagabend gastierte der 59-Jährige in Eckernförde. Obwohl die Zeiten seiner großen Hits wie Dein ist mein ganzes Herz oder Mit Leib und Seele schon etwas zurückliegen, füllte er problemlos die Stadthalle. Knapp 540 Besucher erlebten ein fast dreistündiges Solo-Konzert, in dem Kunze nicht nur als Sänger und Musiker beeindruckte, sondern gleichermaßen auch als Erzähler.

 Mit der verklausulierten Ankündigung „Ich will ein recht schaffender Mensch werden – zumindest heute“ ließ Kunze bereits zu Beginn erahnen, dass sich die Zuhörer auf einen langen Abend einstellen konnten. Er scheint es zu genießen, erstmals allein auf Tournee zu sein. Das hat er wenige Tage vor Weihnachten bereits in Neumünster bewiesen. Nun also Eckernförde. Drei Gitarren, ein Flügel, eine große Flasche Wasser. Wirklich viel braucht Kunze nicht bei seinen Solo-Auftritten.

 Natürlich trägt er die für ihn so typische Brille. Und natürlich singt er im Laufe des Abends all die Songs, die man von ihm kennt. Das erwarten die Fans, und er erfüllt diese Erwartungen. „Ich kann zuhören bis die Balken sich biegen und die Nacht vor Müdigkeit aus dem Zifferblatt geht. Denn ich mag dich und ich will bei dir liegen“, heißt es in seinem ersten Lied Leg nicht auf, das er vor mehr als 20 Jahren geschrieben hat. Es wird nicht die einzige Komposition aus dieser Zeit sein. Anfang der 80er Jahre veröffentlichte er sein erstes Album. Drei Jahre später fing Kunze mit dem Schreiben an. Seine Texte sind nicht immer einfach. Oftmals klingt Kritik durch. Er äußert sie bissig, mitunter voller Zynismus. „Augen auf bei der Konfessionswahl“, rät er an einer Stelle. Wenig später verflucht er die „Daseinsverbrecher und Fehlgeburten der Evolution“. Er warnt vor dem Krieg, der immer näher kommt, beklagt finstere Barbarei, mit der jeder Wert zerstört wird: „Sie sind gekommen, um zu töten. Wir müssen kämpfen. Wir müssen siegen“, nimmt er aktuell Stellung.

 Doch es ist kein Abend der Abrechnung. Immer wieder singt Kunze von Nähe und Zuneigung: „Meine Haut und meine Haare sehnen sich nach dir. Bleiben viel zu wenig Jahre uns als Elixier“, weiß er um die Vergänglichkeit. Auch um die seiner Leselampe, die er trotz eines Defekts nicht reparieren lässt. Irgendwann funktioniert sie wieder. Er hatte es gehofft und stets daran geglaubt.

 Nach gut zweieinhalb Stunden ohne Pause verlässt Kunze die Bühne. Der tosende Beifall holt ihn zurück. Dann gibt es die Zugaben mit den alten Hits. Erst als Finden sie Mabel und Lola verklungen sind, ist das Publikum restlos zufrieden.

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Ein Artikel von
Uwe Rutzen
Ressortleiter Eckernförder Nachrichten

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