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Als die Sprotten die Stadt prägten

Eckernförde Als die Sprotten die Stadt prägten

Die Museumsfischräucherei Hopp in der Eckernförder Altstadt entwickelt sich immer mehr zum Besuchermagneten. Allein am Sonnabend auf dem Sommerfest kamen 500 Einheimischen und Urlaubern und informierten sich, wie man aus Silber Gold machen kann.

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Immer ein besonderer Moment: Wenn sich die Ofentür öffnet, holen Anja Ketelsen und Thilo Fock vom Räucher-Team die frisch veredelten Sprotten aus dem Rauch.

Quelle: Christoph Rohde

Eckernförde. Rund 8000 Gäste haben im vergangenen Jahr das maritime Kulturgut besichtigt, das sich noch in Aufbau befindet. „Dieses Jahr werden wir die Zahl noch übertreffen“, ist die Vorsitzende des Trägervereins „Alte Fischräucherei“, Katharina Mahrt, zuversichtlich. Beim Sommerfest am Sonnabend herrschte dichtes Gedränge vor den sechs historischen Altonaer Räucheröfen. Zwei von ihnen können für Museumszwecke betrieben werden. Räuchermeister Hartmann Hesse hält noch einmal prüfend die Hand an die Ofentür, um die Temperatur zu fühlen. Dann öffnen sich sich die Klappen. Weißer Dampf quillt heraus. Als er abgezogen ist, greifen sich Anja Ketelsen und Thilo Fock vom Räucher-Team den Rahmen mit den appetitlich duftenden, goldfarbenen Sprotten und stellen ihn zum Abkühlen für das spätere Verkosten ab. Der Moment, wenn sich der Räucherofen öffnet, ist immer ein Höhepunkt für die Besucher. „Das gefällt mir sehr“, sagt Thomas Müller aus Bad Tölz, der mit seiner Familie in Eckernförde den Urlaub verbringt. Die beiden Söhne Andreas (5) und Thomas (7) haben inzwischen ein altes Handwerk entdeckt, das Wolfgang Witt auf dem Räucherei-Hof demonstriert. Hier können sich die Kinder im Zusammennageln von Sprottenkisten versuchen, so wie es vor hundert Jahren die Nageljungs taten, um das karge Einkommen ihrer Familien aufzubessern. Witt hat Spaß an der Aktion. „Heutzutage werden die Kisten getackert, hier wird noch genagelt“, sagt der 65-Jährige und reicht den Hammer an die Kinder weiter. Was bisher alles in der alten Fischräucherei geschaffen wurde, bestätigt ihm, „das ich hier am richtigen Platz bin“. Der gebürtige Hamburger möchte dazu beitragen, das letzte authentische Zeugnis der großen Räuchereigeschichte Eckernfördes zu bewahren.

 Unterstützung kommt an diesem Tag auch vom Altstadtverein. Vorstandsmitglied Uwe Burscheid überreicht einen Scheck über 2500 Euro an Katharina Mahrt für den Räuchereiverein. Die Spende solle helfen, etwas zu erhalten, „das in Eckernförde ganz hohen Wert hatte“, so Burscheid. Lange Zeit lebte die Stadt von Fischfang und Fischverarbeitung. Nach seinen Angaben wurden 1897 fast zwei Millionen Kilogramm Fisch in Eckernförde angelandet und eine Million Kilogramm Räucherfisch von hier aus weltweit verschickt. Burscheid würdigte die Initiative von Mahrt für das Kulturgut, aber auch das Engagement des Räucher-Teams, der ehrenamtlichen Handwerker und der freiwillig Aktiven in der Bewirtung.

 Nachdem das Herzstück der Räucherei mit den Öfen und dem Schornstein restauriert ist, konzentriert der Verein sein Augenmerk auf den Ausbau des Nagelbodens im Obergeschoss und das Ausstellungskonzept. 30000 Euro stehen als Anschub von der Stadt zur Verfügung, die teils für den Nagelboden und teils für die Bestuhlung des in Eigenleistung hergerichteten Hofgartens verwendet werden sollen. Spenden sind aber nach wie vor vonnöten, denn es wartet noch viel Arbeit auf den Verein, der künftig auch verstärkt mit dem Museum kooperieren möchte. Auch mit Schulklassen hat es schon erste museumspädagogische Aktionen gegeben. Die große Zeit der Fischräuchereien in Eckernförde – in der Museumsräucherei Hopp ist sie noch erlebbar.

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Ein Artikel von
Christoph Rohde
Eckernförder Nachrichten

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