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Seelenstreichler im Wohnzimmer

Songpoet Joshua Carson Seelenstreichler im Wohnzimmer

Ein Sommerabend, an dem man im Garten sitzen könnte – aber bei Kerstin Borowski in Eckernförde hocken 25 Gäste in der Stube. Freiwillig und höchst begeistert, wie sich zeigen wird. Woziko ist angesetzt, ein Wohnzimmerkonzert mit dem Songpoeten Joshua Carson.

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Kerstin Borowski nimmt schon mal eine Gitarre entgegen von dem fahrenden Liedermacher Joshua.

Quelle: Cornelia Müller

Eckernförde. Die Sofagarnitur ist an die Wand gerückt, der Tisch weggeräumt. Zwischen Regalwand und Fensterbrett hat die Gastgeberin sämtliche Stühle des Hauses aufgestellt. „Geht doch, oder?“, fragt sie den Künstler. Der ist ehrlich begeistert: „Toller Konzertsaal!“ Seine Lichtanlage leuchtet bunt die Bühne aus: ein Holzhocker vor der Gardine, umstellt von drei Gitarren. Christa, Bernd, Marita und wie sie alle heißen, können kommen. Nachbarn und Freunde sind eingeladen zum ersten Privatkonzert im Hause Borowski.

 Der Nachname tut ab jetzt nichts mehr zur Sache. „Beim Woziko duzen wir uns“, hat Joshua Kerstin eine der zehn Konzertregeln wissen lassen. Um 17 Uhr ist er mit dem Wohnmobilbus angekommen, in dem er lebt, eigene CDs produziert und durch die Republik tourt. 180 Wozikos im Jahr liegen hinter ihm, die meisten 2015/16. Durch Mund-zu-Mund-Propaganda ist der Profimusiker, der ausschließlich in fremden Stuben gegen Spende auftritt, inzwischen gut im Geschäft. Eine andere Regel hatte Kerstin schon vorab befolgt: neun Meter Parkplatz vorm Haus freihalten.

 Die Gäste, die jetzt höchst gespannt eintrudeln, haben Snacks und Fingerfood für die Pause dabei. Auch das empfiehlt Joshua für den gelungenen Abend. Kerstin hat Getränke auf dem Tisch im Esszimmer aufgebaut. Um 19.30 Uhr tritt der Barde ein. „Ich bin Joshua. Toll, dass ihr da seid. Wollen wir loslegen?“, leitet er ein und setzt sich freudig auf den Hocker in der Stube. „Lieder im Stil von Reinhard Mey“ kündigt er an und greift schon in die Saiten. „Deshalb sollte mein Publikum Ü30 sein.“ So unverstärkt berührt sein sauberes Spiel auf der Konzert- und der Westerngitarre sofort das Herz. Die Texte der selbstgeschriebenen Songs streicheln die Seele. Das Liebeslied zu Beginn, das auch schmunzeln macht, würde meterdickes Eis brechen. Der Jubel nach dem ersten Stück kommt von Bernd und Marita. Er steckt an. „Wir hatten Joshua selbst eingeladen. Wir haben schon alle CDs“, erzählen sie später. Bei ihnen hatte auch Kerstin Feuer gefangen. Gleich hatte sie den 45-jährigen Künstler per E-Mail um ein Konzert bei ihr gebeten. Christa, Christiane, Matthias und die anderen sind genauso verblüfft wie sie damals, „dass er so natürlich rüberkommt, als würde man sich ewig kennen“.

 Joshua hat sich warmgespielt. Seine „Gitalele“, eine Ukulele mit sechs Saiten, passt zu launigen Songs, die er individuell für Telefonwarteschleifen von Firmen geschrieben hat. „Die Chefs haben mich nach dem Woziko engagiert“, erfährt das Publikum, das sich nun wie ein eingeschworener Kreis fühlt. Dass er aus Bad Segeberg stammt, den Programmierberuf an den Nagel gehängt hat für die Musik, „die mein Leben ist“, verrät er gern. Auch Tiefgründiges, das Gänsehaut macht, hat er drauf. Ölpest und Baumfrevel greift er auf. In den Zugaben kommen ein paar Songs von seinem Vorbild Reinhard Mey. „Gute Nacht Freunde“ macht nach fast drei Stunden im intimen Rahmen richtig Sinn. Und eine CD mit eigenen Songs des Stubensängers muss auch mit nach Hause.

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Cornelia Müller
Eckernförder Nachrichten

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