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Das Paradies überm Noor

Spätsommer im Kleingarten Das Paradies überm Noor

Der Spätsommer hat seinen Glanzauftritt. In der Gartenkolonie Wörmbke in Eckernförde ist der September romantisch. Die 35 Kleingärten formen ein verstecktes Kleinod mit Noorblick, das seinesgleichen sucht. Auch Ilse Naumann und Fritz Seidler haben hier ihr Paradies gefunden.

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Ilse Naumann (Foto) und ihr Partner Fritz Seidler haben in ihrer Gartenparzelle in der Kolonie Wörmbke des Eckernförder Kleingartenvereins ihr Paradies gefunden. Die Dahlien haben sich trotz des zunächst so nassen Sommers prächtig entwickelt. Der sonnige September lässt sie leuchten.

Quelle: Eckernförde

Eckernförde. Mittwochmorgen, 9 Uhr. Ganz hinten am 300 Meter langen schmalen Weg, den helle Kieselsteine und taillenhohe Hecken säumen, ist schon seit einer Stunde jemand am Gärtnern. Gerd Sieland ist jeden Morgen hier. „Am Vormittag vier Stunden, und wenn’s mich packt auch nachmittags“, sagt er. Nicht erst seit Rentenbeginn vor über zehn Jahren ist der Kleingarten seine Leidenschaft. Seit 1971 ist er mit diesem besonderen Stückchen Erde am Hang zwischen Bundesstraße, Bahnlinie und Wohngebiet Gorch-Fock-Straße verwachsen wie kein anderer. Rasenmähen, Himbeeren pflücken, Birnen und Äpfel ernten ist nur ein Ausschnitt „aus meinem heutigen Programm“.

Der Blick von der Terrasse ist bestechend. Hinten schimmert das Windebyer Norr, über dem Abends die Sonne untergeht. Das Paar hat sich hier einen gemütlichen Sitzplatz auf der Parzelle am Hang eingerichtete.

Quelle: Cornelia Müller

 Kurz nach zehn Uhr kommt mehr Leben in die kleine Kolonie, die dem Eckernförder Kleingärtnerverein angehört. Ilse Naumann stellt ihr rotes Fahrrad neben der weißen Holzpforte ab. Der Blick über die sich durch die ganzen Kolonie ziehenden grünen Abgrenzungen öffnet spontan das Herz. Auf dem tadellosen Rasen rechts grüßt der alte Apfelbaum. Links steht ein Puppenpärchen auf zwei romantisch gealterten Metallstühlen, das den Besucher schmunzeln lässt. In Pink, Aubergine und Lila leuchten üppig die Dahlien. „Willkommen in der Johannisbeer-Allee“, ruft Ilse Naumann fröhlich und bittet herein. „Die 36 Beerenbüsche am Weg zur Laube hat ein Vorgänger gepflanzt“, klärt sie fast entschuldigend auf. „Da sind wir im ersten Jahr mit Früchten überschwemmt worden. Eigentlich sind wir ja mehr für Vielfalt...“

 Im April 2015 übernahmen sie und Fritz Seidler die Parzelle. Drei Jahre hatte sie auf neue Pächter warten müssen. „Wir haben in Gemeinschaftsarbeit das Gröbste erledigt, damit sie nicht total verwildert“, erinnert sich Sieland, der kommissarischer Kolonie-Obmann ist. „Das Paar hat mit Elan und akribischer Arbeit in gut einem Jahr ein Schmuckstück aus diesem Garten gemacht. Ich freue mich mit daran. Die meisten unserer Gärten sind ja eine Augenweide. Man steckt sich hier gegenseitig an.“

 Seidler, der inzwischen auch von der Altstadtwohnung hergeradelt ist, lächelt. „Das ist ein wunderbares Hobby“, bestätigt er. „Für Ruheständler ist das Jungbrunnen und Sommerurlaub zugleich. Verreisen ist nun erst im Herbst oder Winter bei uns angesagt.“ Rasch stellt er die nostalgischen Flechtsessel mit den rot-weißen Kissen und das Tischchen mit passender Decke auf die kleine Terrasse vor dem Beet mit Buchsbäumen, Putten, Kübelpflanzen. „Laube und Inventar waren reichlich verwittert, als wir die Parzelle übernahmen“, berichtet er. „Meine Frau hat ein Händchen für Gestaltung. Fast alles hat sie aufgemöbelt.“ Ilse Naumann steht in den späten Himbeeren und pflückt. „Auch Tomaten sind wieder reif. Und auch unsere Weintrauben schmecken schon.“, ruft sie ihrem Fritz begeistert zu. Der strahlt. Die Ernte wird mit Blick aufs Windebyer Noor köstlich munden.

 Gerd Sieland macht eine kurze Pause. Die Arbeit auf dem steilen Grundstück, das er eigenhändig zum artenreichen Terrassengarten gemacht hat, geht in die Knochen. „Aber es lohnt“, seufzt er glücklich, als er Gläser mit Pflaumenmus in der urigen Hütte abstellt. „Frisch gekocht. Die Ernte war prächtig.“ Ein Bierchen wird er sich später gönnen. „Dazu Birnen, Bohnen, Kartoffeln und Speck“, verrät er. Das Biogemüse für das Holsteiner Gericht hat er selbst gezogen. „So macht der Spätsommer Spaß.“

 Dass die Kleingärten in Schleswig-Holstein ihren Ursprung haben, wissen garantiert nicht alle Hobbygärtner. 1806 hatte Landgraf Carl von Hessen die ersten Pachtparzellen in Kappeln an der Schlei angelegt. 1814 gründete sich hier der erste Kleingartenverein. Später machte sich der Leipziger Arzt Daniel Gottlieb Moritz Schreber (1808-1861) für Pachtgärten in den Städten stark. Kinder sollten Raum zum Spielen, Eltern die Chance zum Gemüsebau haben. Heute gibt es in Schleswig-Holstein 198 Kleingartenvereine in 14 Kreisverbänden. Zusammengefasst sind sie im Landesverband der Gartenfreunde. Der Eckernförder Kleingartenverein unter dem Vorsitzenden Hermann Brütt hat 14 Kolonien mit insgesamt 800 Parzellen. Zehn Prozent warten auf neue Pächter.

 Infos: Tel. 04351/44401 oder unter www.ekgv.de

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Cornelia Müller
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