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Die Kunden sind sauer

Sparkassenschließungen Die Kunden sind sauer

Kahlschlag oder „Anpassung“, wie es offiziell heißt? Die Schließung der Förde Sparkassenfilialen in Osdorf, Eckernförde-Borby und Karby stößt bei den Kunden und in der Kommunalpolitik auf Unverständnis. Nur in Karby bleibt der Geldautomat erhalten.

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Bald auch einzige Anlaufstelle für alle Kunden aus dem Stadtteil Borby: Finanzzentrum der Förde Sparkasse in der City von Eckernförde.

Quelle: Cornelia Müller

Altkreis Eckernförde. Die Nachricht schlug in Osdorf und Karby ein wie eine Bombe. Auch in Eckernförde-Borby, wo der Standort mit drei Mitarbeitern und Geldautomat zum 18. November ersatzlos fällt, sind Kunden verärgert. Sie schätzen hier „die persönliche Betreuung sehr“, wie Kundin Sonja Staack sagt. Sie weiß, dass viele Senioren sich vor allem beim Ausfüllen von Überweisungen helfen lassen. „Ich selbst kann künftig zum Geldautomaten der Sparkasse bei Markant in der Ostlandstraße oder ins Finanzzentrum in der City gehen. Mit Rollator ist das aber ein sehr langer Weg.“ Tatsächlich scheint Borby bisher gut ausgelastet. An diesem Montagmorgen habe die drei Mitarbeiterinnen jedenfalls keine ruhige Minute.

 Die Ausdünnung des Netzes der Sparkasse, die 2007 in Kiel, den Kreisen Plön und Rendsburg-Eckernförde zur Förde Sparkasse fusionierte, schreitet seit 2003 voran. 2003 hatte die Sparkasse, nur bezogen auf den Altkreis Eckernförde, 37 Geschäftsstellen inklusive SB-Filialen. Auch Standorte, die zunächst auf SB-Filialen reduziert wurden wie Holtsee, Schinkel, Barkelsby, sind heute dicht. In Rendsburg-Eckernförde gibt es laut Sprecher André Santen demnächst noch „16 personenbesetzte Filialen, neun SB-Standorte und eine mobile Filiale“. Sie läuft Groß Wittensee, Kirchbarkau, Neumeimersdorf (Kiel), Probsteierhagen (Kreis Plön) zweimal pro Woche an.

 „Wir haben auch das Kundenverhalten im Blick“, betont Santen. 57 Prozent der Überweisungen würden heute online getätigt. 53 Prozent der Kunden prüften Kontoauszüge online. „In Osdorf wird die Filiale mit Geldautomat weniger genutzt von dortigen Kunden als der SB-Standort am Gettorfer Ravensberg.“ Zudem dienten Kieler Filialen in Friedrichsort, Holtenau und der Automat Schilksee auch dem nördlichen Umland. „Altenholz wurde mit der Filiale Erdbeerfeld aufgewertet. Kunden erwarten heute die Bündelung von Kompetenzen, wenn sie die Sparkasse aufsuchen. Das leisten nur große Standorte.“

 Ursula Schlüter verlässt am Montag die Sparkasse in Osdorf verärgert. „Ich habe gemeckert“, erzählt die 87-Jährige, „Es ist unmöglich, dass die Filiale geschlossen wird.“ Sie ist schon über 60 Jahre Sparkassenkundin. Ob Geld abheben oder Kontoauszüge ausdrucken: In ihrem Dorf ist dieser Service bald Geschichte. „Ich fahre kein Auto“, sagt die ratlose Osdorferin, „ich kann doch nicht nach Gettorf gehen.“ Da ihre Tochter berufstätig sei, habe sie für Fahrdienste nicht immer Zeit. „Hier wohnen viele ältere Menschen, denen es genauso geht wie mir“, so Ursula Schlüter.

 An der Notwendigkeit der Schließung hat Bernd Wintjen so seine Zweifel: „Es gibt genug Publikumsverkehr in der Bank, die Leute kommen auch aus Felm und Noer“, sagt der Osdorfer, „die Sparkasse kann mir nicht weiß machen, dass sich die Filiale nicht rechnet.“ Der 52-Jährige vermutet hinter dem Schritt eher einen gewissen Sparwillen. „Wenn es so weiter geht, wird Osdorf noch zum Schlafdorf“, befürchtet er.

 Selbst Kurt und Ingrid Dahn aus Freiburg lassen die Sparkassen-Pläne nicht kalt. Das Ehepaar ist gerade auf einen Kurzbesuch bei Freunden in Osdorf. „Wenn ich mal kurzfristig eine Frage habe, freue ich mich doch über den persönlichen Kontakt in der Filiale“, sagt Kurt Dahn. Gerade für ältere Menschen betrachtet der 78-Jährige weite Wege zur nächsten Bank als unzumutbar. „Die können doch nicht in die Stadt rennen“, sagt Ehefrau Ingrid. Und: Je länger ein Bankmitarbeiter seine Kunden kenne, stutze dieser eher, sobald plötzlich ein Enkeltrick-Betrüger einen hohen Geldbetrag abheben wolle.

 Entsetzen löst die geplante Schließung auch in der Kommunalpolitik aus: „Osdorf hat trotz der Nähe zu Gettorf eine attraktive Infrastruktur zu bieten“, betont CDU-Ortsvorsitzende Katrin Albrecht, „die Schließung der Filiale ist ein harter Schlag für die wachsende Gemeinde und ein herber Verlust nicht nur für die weniger mobilen Osdorfer.“ Fraktionssprecher Jens Hansen kündigt an, einen Antrag in die Gemeindevertretung einzubringen: „Wir werden die Förde Sparkasse dazu auffordern, den Standort Osdorf zu erhalten.“ Werde an der Filialschließung festgehalten, müsse entweder ein Geldautomat im Ort installiert oder die Gemeinde von der rollenden Sparkassenfiliale angesteuert werden.

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Cornelia Müller
Eckernförder Nachrichten

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