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Auf dem Grund des Wörtermeers

Sprichwörter maritim Auf dem Grund des Wörtermeers

Wieso muss Butter bei die Fische sein? Warum haut einer in den Sack? „Das alles hat das Meer in die Sprache gespült“, sagt Rolf-Bernhard Essig. Der Literaturwissenschaftler und Autor ist Sprichwörter-Spezialist. Am Mittwoch tauchte er im Ostsee-Info-Center (OIC) Eckernförde ins Wörtermeer.

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Autor Rolf-Bernhard Essig ist auch Literaturwissenschaftler. Maritime Sprichwörter nimmt er amüsant unter die Lupe.

Quelle: Cornelia D. Mueller

Eckernförde. Um es vorwegzunehmen: Butter bei die Fische – so heißt auch der Titel des Buchs von Essig – klingt nicht nur maritim. Der Ausdruck kommt auch von der Küste. Wer sich hier einst Butter zur Verfeinerung des Fischs leistete, musste schon wohlhabend sein. „Zunächst bedeutete Butter zum Fisch zu geben, reich zu sein“, schlüsselt er auf. „Aber der Spruch hat sich von selbst weiterentwickelt, wie es fast immer der Fall ist. Butter stand bald für Vollendung oder etwas rund machen.“ Klarer Fall: Wer – im übertragenen Sinne und grammatikalisch eigenwillig – keine Butter bei die Fische bringt, bleibt im Ungefähren, gibt kein gutes Bild ab, präsentiert Unvollständiges.

Kaum eingestiegen in den Ozean der Sprüche, geht die See schon hoch: Fehlt nicht manchem Text der Tiefgang? Und wer bitte nimmt endlich den Kritikern den Wind aus den Segeln? Mast- und Schotbruch wünscht man hingegen nur Freunden. Essig beweist bei seiner Lesung auf Einladung der Stadtbücherei Entertainerqualitäten. Dass der rote Faden, der seine Sammlung mit sprachwissenschaftlichem Mee(h)rwert durchzieht, der königlichen britischen Marine zu verdanken ist, ist trotzdem kein Seemannsgarn. „Den roten Faden verdanken wir der Furcht, das teure Tauwerk der königlichen Fregatten könne gestohlen werden“, klärt Essig auf. „Der war als Seele im Innersten des Geflechts verborgen und verriet den Dieb.“ Ausgerechnet Landratte Johann Wolfgang von Goethe griff diesen Faden literarisch auf und verwob ihn mit den Wahlverwandtschaften.

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Ein Artikel von
Cornelia Müller
Eckernförder Nachrichten

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