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Zeichen gegen braunen Sumpf setzen

St.-Nicolai-Kirche in Eckernförde Zeichen gegen braunen Sumpf setzen

Wie komponiert man Stille? Reinhard Gramm stand vor diesen Fragen und hat Antworten gefunden. Am Sonntag, 14. Februar, wird das von ihm und seiner Frau Marita komponierte beziehungsweise geschriebene Brass-Oratorium "Anne! Damit wir klug werden" ab 16 Uhr in der Eckernförder St.-Nicolai-Kirche aufgeführt.

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Schüler aus dem 13. Jahrgang der Peter-Ustinov-Schule beteiligen sich am Brass-Oratorium „Anne! Damit wir klug werden“, das am Sonntag in der Eckernförder St.-Nicolai-Kirche aufgeführt. Die musikalische Leitung haben Marita Gramm (ganz links) und ihr Mann Reinhard (am Keyboard) – Rechts Musiklehrer Torsten Plaß.

Quelle: Uwe Rutzen

Eckernförde. Erzählt wird darin die kurze Lebensgeschichte des jüdischen Mädchens Anne Frank.

Uraufgeführt wurde das Brass-Oratorium auf dem Kirchentag 2015 in Stuttgart. Marita Gramm hatte zuvor zweieinhalb Jahre am Text gearbeitet, ihr Mann ein Dreivierteljahr für die Musik benötigt. Belohnt wurde das Ehepaar aus der Nähe von Stade für die Mühen mit einer beeindruckenden Premiere und ganz viel Zuspruch. Seither wurde das Oratorium als ein Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung schon mehrfach in anderen Städten aufgeführt. Nun also in Eckernförde. Neben knapp 70 Mitwirkenden aus Stuttgart, Hameln, Itzehoe sowie Posaunisten aus dem Alt-Kirchenkreis Eckernförde sind auch mehr als zehn Schülerinnen und Schüler des 13. Jahrgangs der Eckernförder Peter-Ustinov-Schule dabei. Den Kontakt hat ihr Lehrer Torsten Plaß hergestellt. Die musikalische Gesamtleitung der Aufführung hat Knut Pescheleit.

„Ich bin vor etlichen Jahren auf das Thema der Anne Frank aufmerksam geworden“, erinnert sich Marita Gramm an die Anfänge. Die Biographie erzählt die Geschichte des jüdischen deutschen Mädchens, das 1934 mit seinen Eltern und der Schwestern in die Niederlande auswanderte, um der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen. Mehr als zwei Jahre lang lebte die Familie versteckt in einem Hinterhaus in Amsterdam. Dort hielt Anne Frank ihre Gedanken und Erlebnisse in einem Tagebuch fest, das nach dem Krieg von ihrem Vater veröffentlicht wurde. Anne Frank starb kurz vor Kriegsende im Konzentrationslager.

Wie aktuell das Thema noch immer ist, hat Marita Gramm erst kürzlich im Internet erfahren. Auf You Tube ist ein Ausschnitt aus einem in Kürze erscheinenden Film über Anne Frank zu sehen. In Kommentaren dazu heißt es unter anderem: „Die größte Lüge aller Zeiten“. Andere halten schon das Buch für langweilig. Und eine Userin fragt: „Wer ist diese Bitch überhaupt?“

Martina Gramm fühlt sich dadurch bestätigt. Mit dem Oratorium könne man Menschen sensibilisieren, das Leben anderer zu achten und zu respektieren und ein Zeichen gegen den „braunen Sumpf“ zu setzen. Sie und ihr Mann engagieren sich dafür, dass dieser Teil der deutschen Geschichte nicht vergessen wird: „Glücklicherweise mussten wir diese Zeit nicht erleben“, sagen sie.

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Ein Artikel von
Uwe Rutzen
Ressortleiter Eckernförder Nachrichten

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